Öl in rauen Mengen und Schlamm, soweit das Auge reicht
Byron King in Investors Daily
vom 17. März 2005 18:00 Uhr
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Der Beweis war von Anfang an da. Am ersten Tag, an dem Drakes Quelle in Titusville in Pennsylvania am 27. August 1859 den Betrieb aufnahm, hat sie 25 Barrels Öl gefördert; aus einer Tiefe von nicht mehr als 21 Metern.
Es brauchte mehr als eine Woche, ehe James Townsend, der in Connecticut lebte und der Förderer und Geldgeber für das Bohrprojekt war, von seinem Mann vor Ort, Edwin Drake, über den Erfolg informiert wurde. Doch Townsend war so besorgt, dass er fast niemanden informierte, weil er befürchtet, die Ölquelle könnte sich als Flop herausstellen oder würde innerhalb kürzester Zeit nach dem anfänglichen Erfolg versiegen.
Trotz der Vorsicht, die Townsend und Drake an den Tag legten, begannen die örtlichen Spekulanten sofort mit dem, was Spekulanten immer schon gemacht haben. Sie wandten sich an die benachbarten Landbesitzer und baten an, das Land zu pachten. Nachdem die Rechtsmäßigkeit hergestellt war, begannen sie mit dem Bau von neuen Ölquellen auf dem Land in der Nähe von Oil Creek
Alles in allem ließen sich die Bohrungen sehr langsam an. Die meisten Leute mussten erst ihre tief sitzenden Vorstellungen überwinden, dass es absurd ist, Öl aus einem Loch in der Erde zu gewinnen. Aber Drake hatte Erfolg gehabt und das Konzept vorangebracht. Andere versuchten, seine Bemühungen nachzuahmen.
Im November 1859 erhoben sich die ersten Bohrtürme über den Wipfeln der Bäume südlich von Tituswill, bald sollte daraus ein Wald von Bohrtürmen werden. Im Winter 1860 hallten die Geräusche der Männer und Maschinen, die in die Tiefe bohrten, in den Tälern wider. Die meisten dieser frühen Bohrer und Betreiber kamen aus der Gegend, oder sie waren Mitglieder einer emsigen und eingeschworenen Gemeinschaft, die im Umfeld der Öl-Abschöpfer aufgewachsen waren.
Im Frühjahr 1860 hatte viele Leute aus der Nähe und Ferne das Ölfieber gepackt. Ihre Herzen hegten die Hoffnung, dass ihr Erfolg dem von Drake gleichkommen würde. Und wie überall, folgten auch hier Investitionen der Hoffnung.
Während des gesamten folgenden Jahres, bis in das Jahr 1861 hinein, entstand eine Anlageindustrie entlang der östlichen Küste, die Fonds eröffnete, um nach Öl bohren zu können. Im Frühjahr 1861 hatte sich dieser Sektor etabliert. Ein Begründer pachtete ein Stück Land und ging dann los, Fonds unter den betuchteren Anlegern einzusammeln, um auf dem Stück Land bohren zu können.
Es war eine relativ einfache Geschäftsidee. Damals tendierten die Anleger in einer kapitalschwachen Wirtschaft dazu, sich selber in Geschäfte zu verwickeln, den notwenigen Eifer hinein zu stecken, sorgfältig auszuwählen, wem sie zutrauten, dass er eine Quelle erschloss und einen Ertrag aus ihrer Investition herausschlug. Doch dann spaltete sich South Carolina im April 1861 von der Union ab. Andere Staaten im Süden folgten. Der Civil War begann.
Als der Civil War begann, wusste noch niemand, auf keiner der beiden Seiten, wie viel dieser Krieg kosten würde. Insgesamt hatten sich die Ausgaben der Union fünf Jahre nach Kriegsausbruch um das 15-fache erhöht. Unter der Regierung von Abraham Lincoln gab die Regierung ungefähr 15 Milliarden Dollar aus, um in diesem Krieg zu kämpfen.
Das war eine immense Summe, die die Bundesregierungen nicht einmal im Ansatz durch Zölle und Abgaben decken konnte. Fast sofort begann die Regierung damit, die Mittel aufzubringen. 3 Milliarden Dollar hat sie geliehen, indem sie Schatzanleihen verkaufte. Ebenso druckte die Regierung während dieses Krieges Banknoten mit einem Gesamtwert von 1 Milliarde Dollar, der nicht durch Gold oder Silber gedeckt waren.
Diese frisch gedruckten Bundesnoten flossen in die nationale Wirtschaft, als die Regierung die Produkte und Geräte kaufte, die nötig waren, diesen Krieg zu führen. Nicht zu vergessen die Gehälter, die an die Truppen gingen. Und während das Geld in die nationale Wirtschaft floss, fand ein nicht geringer Teil des Geldes seinen Weg in die noch winzige Ölindustrie.
Die "greenbacks" des Bundes trafen irgendwann auf Drakes Ölquelle. Diese Kombination gebar eine Art der Verhaltenspsychologie, die die Massen der Anleger immer dann erfasst, wenn die Manie eingesetzt hat. Die Leute hatten begriffen, dass sich im Ölgeschäft Geld machen ließ, und viele entschlossen sich, in ein Geschäft zu investieren, dass sie sich nicht einmal vorher angeguckt hatten.
Die meisten Leute wollten um jeden Preis kaufen, in der Hoffnung, noch höher verkaufen zu können. Ganz so, wie sie es fast immer versuchen. Der Kaufwahn verwandelte sich in einen Boom, als die Aktienanteile und die zugrunde liegenden Pachten immer schneller die Besitzer wechselten. Das eigentliche Bohren war für die meisten Investoren zweitrangig, schließlich könnte es Probleme bringen, wenn die Quelle irgendwann versiegt sein würde. Wie bei allen Booms löste der Spekulationsprozess irgendwann eine Verkaufspanik aus, was die natürliche und notwendige Folge jeder Investitionsmanie ist.
Dennoch, nachdem die Investitionen endlich aufs Feld umgeleitet wurden, begann das Öl zu fließen. Das Erdöl sprudelte wie nie zuvor. Und es gab einen Markt für den raffinierten Brennstoff. Aber das Problem war, was sollte man mit der Substanz anstellen, nachdem sie einmal an der Oberfläche angekommen war, und wie sollte das Öl in die Raffinerien geschafft werden? Es gab ganz einfach nicht genügend Behälter, in die man das Öl, das aus der Erde blubberte, hätte füllen können.
Die Produzenten begannen, die Scheunen, Keller und sogar den Schrott im gesamten westlichen Pennsylvania bis nach New York zu durchsuchen. Sie suchten nach allem, was sich als Ölkanister verwenden ließ. So auch alte Fässer, in denen zuvor Mehl, Whiskey, Terpentin, Essiggurken, Schmalz, Essig oder Melasse gelagert wurde. Waschbütten und Regentonnen verschwanden aus den Haushalten. Alle diese Gegenstände wurden erbettelt, gekauft, geliehen oder gestohlen, und fanden sich auf den Ölfeldern wieder.
Diese Improvisationsbehälter waren unangemessen und jämmerlich unbrauchbar, sowohl was die Quantität, als auch was die Qualität anbelangte, aber sie waren das Beste, was die Leute in dieser landwirtschaftlichen Gegend finden konnten. Mutter Natur erlaubte sich einen grausamen Scherz, indem sie ihr Öl an die Leute gab, und es sich dann wieder holte, als es aus den ungeeigneten Behältern leckte und wieder in die Erde ging.
Andere Betriebe bildeten sich sofort, um den Bedarf der Ölproduzenten zu decken. Egal, ob das Erdöl irgendwann mit der Eisenbahn oder von einem Flussanleger aus transportiert werden sollte, irgendjemand musste die Ölfässer von der Produktionsstelle zur Versandstelle transportieren. Und schnell war die Landschaft voller stämmigen Gesellen, die ihre Wagen und Pferdegespanne mit den Fässern beluden und sie transportierten. Das alles hatte natürlich seinen Preis. Und je abgelegener die Quelle war, umso hübscher die verlangte Summe.
Anfangs waren die Fuhrleute ortsansässige Bauernsöhne, aber bald schon kamen Arbeiter aus den benachbarten Regionen und schließlich auch aus anderen Staaten.
Als der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, aber besonders, nachdem die Regierung angefangen hatte, Männer für die Armee zu mustern und einzuziehen, tauchte auf einmal zahlreiche Männer in der Gegend auf, die John Smith oder ähnlich farblose Namen trugen. Es waren Zeitgenossen aus der Stadt, die versuchten, so der Einberufung zu entgehen, oder Leute, auf die ein Kopfgeld ausgesetzt war. Wenn jemand Anonymität suchte und den forschenden Blicken der äußeren Welt entgehen wollte, dann war ein Fuhrwerk mit Ölfässern beladen im Venango Country genau der richtige Ort.
Die Hofwege und Schotterstraßen rund um Titusville und Oil Creek waren bald alle unpassierbar. Die Räder der schwer beladenen Fuhrwerke hatten tiefe Rillen in die Erde gegraben. An Stellen, an denen die Straße mit Holzplanken belegt war, hatte das Gewicht der Fuhrwerke diese bald zu Holzsplittern zermalmt, selbst wenn sie vorher bis zu 30 Zentimeter dick gewesen waren.
Die Spurrillen füllten sich fast sofort mit Wasser, und die Wege lösten sich in Seen auf. Das Öl, das aus den eigentümlichen Fässern tropfte und aus den Wagen floss, verwandelte den Matsch in klebrige, braune Pampe, die an den Wagenrädern festbackte und das Fortkommen noch stärker verlangsamte.
Von Anfang suchten die Betreiber der Ölquellen nach besseren Möglichkeiten, ihr Produkt zu transportieren. Die Idee einer Pipeline war nicht neu, hölzerne Röhren wurden schon seit der Kolonialzeit für Wasser und mancherorts sogar für Erdgas genutzt.
Die Betreiber begannen Anfang 1962 mit dem Bau der Pipelines, aber es brauchte einige Jahre des Experimentierens, ehe sich Eisenpipelines und die dazugehörigen Fördertürme durchsetzten konnten. Ein Teil der Verzögerung lässt sich durch Sabotage erklären, die von zahlreichen Fahrern verübt wurde, die sich gegen den Verlust ihres schwierigen aber gut bezahlten Jobs an die technische Innovation wehrten.
Die klassische österreichische Ökonomie lehrt das Konzept der "Fehlinvestition" . Kurz gefasst ist eine so bezeichnete Investition eine Investition, die nie hätte gemacht werden dürfen, die mit Kreditschaffungen finanziert wurde, die jedes natürliche Wachstumsmuster einer Wirtschaft übersteigt. Fehlinvestitionen dienen oft dazu, den Reichtum einer Gesellschaft zu verringern, weil sie Kapital darstellen, das so verteilt ist, dass es die allgemeine Produktion einer Wirtschaft reduziert.
Das ist eine ebenso gute Erklärung wie jede andere für das, was auf den Ölfeldern in Pennsylvania zur Zeit des Bürgerkriegs passierte. Zu viel bereitgestelltes Geld bedeutete übermäßige Investitionen. Diese wiederum führten zu teils unsinniger Arbeit, zu teuren Pachtgebühren, übermäßigen Ölquellen und zu viel Produktion. Die Ölbohrer produzierten das Öl so schnell, dass die Wirtschaft nicht mehr in der Lage war, die Menge zu absorbieren. Die Ölpreise schwankten zwischen 50 Dollar pro Barrel und ca. 10 Cent innerhalb von sechs Monaten. Und an den Bohrtürmen war die Reaktion auf die niedrigen Preise, so traurig das sein mag, noch mehr Produktion.