Öl ... in Euro gehandelt?

in Traders Daily zum Thema Rohöl | Erdöl
vom


von Michael Vaupel

*** Nein, kein Wort von mir zum gestrigen Fußballspiel Italien-Deutschland. Hrmpf.

*** Stattdessen zu einem ganz anderen Thema. Und zwar der geplanten iranischen Erdöl-Börse.


Ich bin wirklich überrascht, dass es dieses Thema so gut wie gar nicht in die Nachrichten geschafft hat, ganz im Gegensatz zu den nuklearen Ambitionen des iranischen Präsidenten. Deshalb greife ich dieses Thema hier auf, damit Ihnen diese potenziell sehr wichtige Information nicht entgeht. (Vielleicht ist es auch ganz gut so, dass unsere Trader's Daily-Gemeinde in entscheidenden Punkten besser informiert ist als die breiten Anlegerschichten.) Um was geht es:

In 18 Tagen – am 20. März 2006 – soll eine neue Ölbörse öffnen. Und zwar ... im Iran.

An dieser neuen "Iranian Oil Bourse" bzw. "International Oil Bourse" soll – und das ist entscheidend – in Euro gehandelt werden.

Dabei wird ansonsten der Handel mit Rohöl weltweit in Dollar abgewickelt.

Damit könnten nun Ölkäufer- und Verkäufer ihre Transaktionen vollständig in Euro abwickeln, und den Dollar so komplett umgehen. Es gäbe für viele Marktteilnehmer einen Anreiz, dies auch zu tun. Nehmen wir nur die Chinesen:

  • Die würden sich freuen, wenn ihre riesigen Devisenreserven (Sie wissen: aufgrund des riesigen chinesischen Handelsbilanzüberschusses im Handel mit den USA fließen jeden Tag Hunderte Millionen Dollar nach China) nicht mehr nur ausschließlich in Dollar halten würden.
  • Bis jetzt kaufen die Chinesen mit ihren Dollar-Reserven hauptsächlich in Dollar notierte US-Staatsanleihen, um etwas Zinsen zu erzielen. Aber dadurch sind sie weiterhin sehr stark auf den Dollar ausgelegt. Wenn die Chinesen nun gegen Euro Erdöl kaufen würden, müssten sie natürlich auch Euro-Reserven aufbauen. Der Kauf von in Euro notiertem Erdöl wäre da ein willkommener Anlass, die Devisenreserven zu diversifizieren. (Das bedeutet natürlich nicht, dass die Chinesen nicht auch weiterhin für Dollar Erdöl kaufen würden – denn die Chinesen haben nach wie vor einen so großen Rohstoff-Hunger, dass sie für Dollar UND Euro kaufen werden, ganz egal). Aber China würde sicherlich damit beginnen, Euro-Reserven aufzubauen, und an der neuen Euro-Erdölbörse Öl kaufen.
  • Auch europäische Erdöl-Einkäufer hätten einen Vorteil: Denn sie müssten ihr Erdöl nicht mehr in Dollar bezahlen (und Währungssicherungsgeschäfte eingehen, etc.), sondern könnten in ihrer eigenen Währung bezahlen, was Kosten spart. Hierzu wäre es natürlich notwendig, dass die iranische Ölbörse verlässlich wäre, Lieferungen von dort müssten problemlos abgewickelt werden können. Auch wenn das derzeit nicht unbedingt der Fall wäre – wer weiß, ob das nicht schon bald der Fall sein wird? Ich sehe bei den Iranern, unseren indogermanischen Vettern (siehe Trader's Daily vom 22.2.) großes Potenzial. Außerdem muss an der iranischen Erdölbörse ja nicht nur iranisches Erdöl gehandelt werden. Es könnte durchaus sein, dass – nicht sofort, aber bald – z.B. venezuelanisches Erdöl dort gehandelt wird. In Euro. Und das könnte für europäische Käufer sehr interessant werden.
  • Dann noch "die Araber". Es ist ja eine bekannte Tendenz, dass arabische Investoren ihr Geld aus den USA abziehen und lieber in anderen Währungen sowie Gold anlegen. So haben z.B. einige Saudis ganz offensichtlich die Befürchtung, dass ihr Vermögen in den USA eingefroren werden könnte. Das ist auch ein Grund dafür, dass derzeit so viel Geld nach Dubai fließt. Wenn nun auch der Erdölhandel in Euro möglich wäre, können Sie sicher sein, dass einige arabische Erdölexportierende Länder liebend gerne vom Dollar auf den Euro umsteigen würden.
  • Schließlich noch "die Russen". Ein Großteil des russischen Außenhandels wird mit Europa abgewickelt. Und zwar mit Euroland. Wenn die Russen für ihr Erdöl nun Euro erhalten könnten – dann wäre das für sie durchaus sinnvoller, als ihr gesamtes Erdöl gegen Dollar zu verkaufen, und einen Teil des Erlöses dann in Euro tauschen zu müssen.

Diese iranische Ölbörse könnte für den Dollar gefährlicher werden als eine iranische Atombombe.

Viele Grüße,

Michael Vaupel

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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Kommentar von hjgjh

allerdings, der ölhandel in euro würde den untergang des dollars bedeuten und damit die finanzielle wie auch militärische kapitulation der usa. jedem sollte bekannt sein das der dollar nur wegen der ölbindung noch nicht untergegangen ist. dollarbindung an öl bedeutet nur das die usa soviel geld drucken können wie sie möchten

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