Öl in Euro gehandelt, 2. Teil
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 07. März 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Trader's Daily-Leser Andreas K. fragt:
"In Ihrem Bericht 'Öl ... in Euro gehandelt' (Trader's Daily vom 2.3.) haben Sie geschrieben, dass auch andere Länder (z.B. Russland) an der iranischen Ölbörse ihr Öl in Euro verkaufen können. Welche Auswirkungen hat es am Devisenmarkt, wenn Russland und andere Länder ihre Petro-Dollars nicht mehr verkaufen müssten, um Euros zu kaufen? Umsätze? Preisfindung? USD/EUR Wechselkurs?" Meine Antwort:
Zunächst einmal: Die iranische Ölbörse gibt es ja noch gar nicht. Als Starttermin ist der 20.3. anvisiert (und Sie können mir glauben, dass ich gespannt darauf warte, ob die Ölbörse dann wirklich wie geplant startet, oder ob etwas dazwischen kommt).
Agenommen, diese neue Ölbörse wird wie geplant eröffnet ... was könnte sie für den USD/EUR Kurs bedeuten?
Tendenziell würde das den Euro stärken, und den Dollar schwächen.
Nehmen wir nur den Fall, dass einige europäische Öl-Importeure dort kaufen würden. Diese bräuchten ihre Euro dann nicht mehr in Dollar tauschen, um Öl einkaufen zu können. Sie könnten direkt mit Euro bezahlen (und Währungsabsicherungskosten etc. sparen). Die Nachfrage nach Dollar würde tendenziell zurückgehen.
Gleichzeitig würde die Nachfrage nach Euro tendenziell steigen (da Öl-Importeure wie China einen Teil ihrer riesigen Dollarbestände in Euro tauschen würden, um damit an der iranischen Ölbörse einkaufen zu können.) Beides zusammen würde tendenziell dazu führen, dass der Euro gegenüber dem Dollar steigen würde.
Kleine Warnung allerdings an dieser Stelle: Die Devisenmärkte sind nicht "monokausal". Es spielen natürlich noch zahlreiche andere Faktoren wie Zinsunterschied, Unterschied bei der Höhe des Wirtschaftswachstums, bei Inflation etc. eine sehr wichtige Rolle. Aber unter der Annahme, dass diese Faktoren alle unverändert bleiben, dann würde die iranische Ölbörse den Dollar fallen lassen. (Volkswirte nennen das: "ceteris paribus" – unter der Annahme, dass die anderen Faktoren unverändert bleiben.)
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Viele Grüße,
Michael Vaupel