Öl drückt auf die Getreidepreise

in Rohstoff Daily zum Thema Agrar Rohstoffe
vom


Liebe Leser,

unser aller Light Sweet Crude hat auch heute seine Korrekturbewegung weiter fortgesetzt. Zwischenzeitlich schwankte der Preis pro Barrel Leichtöl mal wieder um unverschämte mehr als 5 US-Dollar. Und wie üblich während des Day-Tradings ohne wirkliche fundamentale Beweggründe. Sondern - ja, warum bloß?! Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nicht vergessen, dass ich über die letzten Monate hinweg kontinuierlich schrieb Rohöl sei zu teuer - und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich zwischenzeitlich keine Demenz entwickelt habe. Es fasziniert mich schlicht nach all den Jahren noch immer, wie viel Psychologie eigentlich in den Märkten steckt.


Denn faszinierender Weise scheinen die Marktteilnehmer gegenwärtig all die Faktoren wieder zu verdrängen die sie zuvor als Indikator für die vorhergehende Preisrallye genutzt haben. Wie die Iran-Geschichte beispielsweise oder auch die chinesische Rohölnachfrage. Die ist interessanterweise nämlich trotz Benzinpreisanhebung weiter gestiegen. Nicht so stark wie zuvor, aber immerhin.

Stattdessen sehen sie in Dolly nun nicht mehr als ein laues Lüftchen, dass die Ölindustrie nicht einmal erreichen wird. Ganz sicher kann sich da aber niemand sein, zumal die US National Hurrican Center davon ausgeht, Dolly könnte doch noch zu einem Hurrikan werden und die Plattformen gegen Ende der Woche eventuell doch noch erreichen. Aber was solls! Auch das ist nur wieder ein weiterer spekulativer Faktor, der eben in die andere Richtung gedreht wird.

Interessanter ist in diesem Zusammenhang vielleicht doch noch eher die neue US-Dollar-Stärke. Ja, der USD zeigt wieder Zähne gegenüber dem Euro. EUR/USD erreichte heute ein Tagestief bei 1,5757.

Und warum hat der USD nun wieder aufgewertet? Weil Henry Paulson bankrotte Firmen mag und weil einer der FED-Mannen, der offensichtlich bislang sowieso wenig Einfluss auf die Leitzinsentscheidungen nehmen konnte, meint die FED solle nun so bald wie möglich ihren Leitzins anheben. Wegen der Inflation! Wegen was auch sonst?!

Aber gehen wir zurück zu Henry Paulson, seines Zeichens US-Finanzminister, dessen Herzensanliegen es ist, durch die Rettung von Fannie und Freddie die Märkte wieder zu stabilisieren. Nun ja, dürfte den US-Steuerzahler auch nur läppische 25 Milliarden nun wieder stärkere US-Dollar kosten.

Jetzt stellt sich mir nur eine Frage: Wird der Henry jetzt Erfolg haben mit seiner Strategie und Herz und Gefühl der Marktteilnehmer wieder anrühren? Tja, man wird sehen...erst mal sieht es so aus, als spiele man zunächst eine Rohstoff-Positionen liquidieren, Cash generieren und abwarten Strategie, so als Fonds oder Großinvestor.

Zunächst einmal spült das Ganze ja nun auch einen Teil des spekulativen Kapitals aus dem Markt. Dennoch könnte diese Korrekturbewegung durchaus auch ein baldiges Ende finden und ein neuer Erholungstrend einsetzen.

Öl drückt auch die Getreidepreise weiter

Spekulative Abverkäufe zeigten sich in letzter Zeit auch bei den Getreidesorten. Hinzu kommt hier auch die Korrelation zum Rohöl, dass durchaus als Leit-Rohstoff oder Benchmark für andere Rohstoffe bezeichnet werden kann. Wenn es im Rohöl also preislich so stark abwärts geht und zudem keine signifikanten fundamentalen News bestehen werden auch die Getreide verkauft.

Mais notiert mittlerweile schon auf dem Level vor der US-Flutkatastrophe. Und auch die Sojabohnen haben seit Anfang des Monats über 2 US-Dollar abgegeben. Momentan ist einfach auch das Wetter zu gut um eine weitere Panik im Markt auszulösen. Hinzu kommt noch, dass die USDA von einem guten Zustand der Ernte ausgeht.

Was allerdings ein bisschen zur Besorgnis Anlass geben sollte ist, dass die Pflanzen nur langsam zur Blüte wechseln. Bislang befinden sich nur 34 % der Maispflanzen in der Blüte" und 45 % der Sojapflanzen. Im vergangenen Jahr befanden sich im gleichen Zeitraum bereits 72 % der Maispflanzen in der Blüte und 70 % der Sojapflanzen.

Die Blütephase ist ein Indikator dafür, wie hoch später die Kornerträge werden.

Man wird sehen, wann der Markt die beiden Getreide endlich für überverkauft hält und ein günstiges Level wieder zu neuen Käufen lockt. Zumindest dürfte auch hier ein Erholungstrend im Rohöl etwas Unterstützung bieten.

Bei Weizen sieht das Ganze ein bisschen anders aus. Zwar sind die CBOT-Weizenpreise seit Beginn des Monats bereits um 7 % gefallen, doch dieser Verlust hält sich eher noch moderat trotz der guten Ernteaussichten. Der Grund dafür ist, dass ganz einfach weltweit die leeren Lagerbestände vom letzten Jahr aufgefüllt werden müssen und für viele überraschend zu diesem Zweck auch der teurere US-Weizen gekauft wird. So sind die Exportraten hoch, zumindest so lange bis die Ukraine ihre Ernte auf den Weltmarkt werfen wird. Dies trifft dann vor allem den auch in der Ukraine produzierten und an der CBOT handelbaren Soft Red Winter Wheat. Die Exporte für den Kansas City Weizen (Hard Red Winter Wheat) dürften dagegen bis ins nächste Jahr hinein hoch bleiben.

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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