Öl - Angebot größer als Nachfrage
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 8. September 2010, 13:00 Uhr
ENL5454
von den enormen Kosten, die BP nach der Katastrophe im Golf von Mexico zu stemmen hat, hatte ich bereits ausführlich berichtet. Inzwischen hat BP neue Zahlen veröffentlicht.
Kosten für BP deutlich höher
Die Bekämpfung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat den britischen Mineralölkonzern BP nach eigenen Angaben bislang rund 8 Milliarden Dollar gekostet. Die
Summe enthalte unter anderem die bisherigen Ausgaben für den Kampf gegen die Ölpest sowie für bereits gezahlte Entschädigungen, teilte BP in London mit. Damit sind die Kosten seit der letzten Schätzung vor einem Monat nochmals um rund 2 Milliarden Dollar gestiegen.
Zu den Ausgaben für das Verschließen der Ölquelle und Reinigungsarbeiten kommen noch 20 Milliarden Dollar für einen Fonds, aus dem Schadenersatzansprüche von Betroffenen beglichen werden sollen. Außerdem hat der Konzern weitere Milliardenbeträge für den Fall zurückgestellt, dass zusätzliche Strafzahlungen auf ihn zukommen.
Erster Verlust des BP-Konzerns seit 1992
Inzwischen präsentierte BP die Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Unter dem Strich steht ein Verlust von 17 Mrd. Dollar, es ist der erste Verlust des Konzerns seit 1992. Nach aktuellem Stand bewertet BP die Kosten für die Ölpest im Golf mit 32,2 Mrd. Dollar. Rund 2,9 Mrd. Dollar hat der Konzern bereits gezahlt, 29,3 Mrd. Dollar wurden zurückgestellt, inklusive der 20 Mrd. Dollar, die der Konzern der US-Regierung für einen Hilfsfonds zugesagt hat.
Damit wird der Verlust maßgeblich durch die Rückstellungen beeinflusst. Die Kaufleute unter Ihnen wissen natürlich, dass durch Rückstellungen noch keine "echten" Verluste, sprich ein Abfluss von liquiden Mitteln oder ein Substanzverlust entstanden ist.
Auch die neue Konzernleitung relativierte die Belastungen und teilte mit, dass der Konzern finanziell weiterhin gut da steht. Ich hatte bereits angegeben, dass BP noch über unglaubliche Ressourcen verfügt, um die Kosten der Katastrophe wegzustecken. Nun will BP in den nächsten 18 Monaten Konzernteile im Wert von rund 30 Mrd. Dollar verkaufen.
Bereits in der vergangenen Woche hat der Konzern damit begonnen und Vermögenswerte für rund sieben Mrd. Dollar veräußert.
Angebot größer als Nachfrage
Die OPEC produziert nach wie vor mehr Öl, als tatsächlich nachgefragt wird. Für das laufende Jahr geht man von einer Nachfrage nach OPEC-Öl in Höhe von 28,7 Millionen Barrel pro Tag aus, für das kommende Jahr soll die Nachfrage auf 28,8 Millionen Barrel steigen. Aktuell produziert die OPEC allerdings 29,2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Sollte also die Nachfrage (vor allem in den Industrienationen) nicht langsam deutlicher ansteigen, dürfte auch im kommenden Jahr ein Überangebot herrschen.
Wie reagiert der Öl-Preis auf diese Situation?