Öl: Aktuelle fundamentale Einschätzung
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 27. Juni 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Am Freitag hatte ich das Thema "IEA wirft strategische Ölreserven auf den Markt".
Das sind einmalige Effekte, deren Auswirkungen meiner Ansicht nach schnell verpuffen dürften.
Nachhaltiger sind hingegen die grundlegenden Fundamentals. Und zwar haben wir es hier eben mit einer dauernd steigenden Nachfrage aus China zu tun. (Und aus Indien, Singapur...).
Zum Glück ist dieses Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht korrumpierbar.
Deshalb setze ich lieber auf Basiswerte, die diesem Gesetz folgen, und nicht irgendwelchen Aussagen von Zentralbankern oder Vorstandsvorsitzenden.
Konkret - zu den Zahlen, die für das "Gesetz von Angebot und Nachfrage" wichtig sind:
Thema Nachfrage. China hat im Mai 21,55 Millionen Tonnen Rohöl eingeführt. Dies entspricht mal wieder einem massiven Zuwachs gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert. Zuwachsrate: +20,7%.
Wenn Sie von "Abflachung des chinesischen Wirtschaftswachstums" lesen, dann bitte immer im Hinterkopf behalten, dass es da immer noch um vergleichsweise hohe Wachstumsraten geht. Und dass die Ölnachfrage in absoluten Zahlen steigt. Das reicht schon.
Interessanterweise haben chinesische Firmen zuletzt verstärkt Öl und Ölprodukte exportiert (ca. +20%), während der Import zuletzt um "nur" 5% stieg. Hier ist aber zu bedenken, dass in China die Preise reguliert worden waren, sprich es gab Preisobergrenzen. Da verkauften chinesische Firmen ihre Ölprodukte dann lieber im Ausland, ganz einfach weil es da höhere Preise gab. Dies hatte allerdings zur Folge, dass die chinesischen Öl-Reserven zurückgegangen sind. Hier könnte nun sogar eine spürbare Verknappung drohen.
Mit anderen Worten: Während in den letzten Wochen und Monaten chinesische Unternehmen verstärkt Ölprodukte exportierten, dürfte dies nun auslaufen. China dürfte im Gegenzug wieder verstärkt IMPORTIEREN.
Interessant, nicht? In China steigt die Öl-Nachfrage weiter und die Lager sind relativ leer, aufgrund verstärkter Exporte in den letzten Monaten.
Also wenn das mal nicht bullish für den Ölpreis sein sollte...
Wenn der Ölpreis wegen der Verkäufe der IEA-Mitglieder nochmal durchsacken sollte, dann sehe ich nach wie vor dies als Möglichkeit, günstig einzusteigen. Auf der Long-Seite.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Erich Schuster (27.06. 2011 17:34 Uhr):
Hallo Herr Vaupel, sieht so aus als ob einige Leute langsam kalte Füße bekommen und versuchen den Lesern Ölinvestments schmackhaft zu machen. Ich sehe bei Longinvestments in Öl zumindest kurz- evtl. auch mittelfristig erhebliche Risiken. Der steigenden Nachfrage in Asien steht nämlich eine sinkende Nachfrage in Amerika und Europa gegenüber. Außerdem wird früher oder später (eher früher) auch wieder Lybisches Öl in den Markt fließen. Ich finde es sehr gut, dass die Ölspekulanten durch die Freigabe der strategischen Reserven zunächst einmal aus ihren Ölinvestments gekegelt werden, denn diese Leute sind es, die unserer Wirtschaft und vor allem dem kleinen Mann erheblichen Schaden zufügen. Schlimmer sind nur noch die Spekulanten, die Nahrungsmittelpreise in die Höhe pushen. Mit freundlichen Grüßen Erich Schuster
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