Ökonomische Krisen brauchen die Unterstützung der Steuerzahler
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. Januar 2010, 07:30 Uhr
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Das Jahr 2009 war ein weiteres großartiges Jahr für Gold. Aber auch für Aktien war das Jahr nicht schlecht. Der NASDAQ ist um 45% gestiegen. Der Dow ist um 20% nach oben geklettert.
Wie ich schon zu Beginn des Jahres vermutet habe, haben die Aktien eine kurzfristige Kurserholung erlebt. Was ich nicht vermutet habe war, dass kurzfristig in diesem Fall so lange andauern würde. Überall auf der Welt sind die Aktien gestiegen... und sie sind auch weiterhin gestiegen. Die Erholungsphase ist unvermeidlich nach einem Einbruch am Aktienmarkt. Und es ist unmöglich vorherzusehen, wie groß die Erholung sein wird... oder wie lange sie andauern wird.
Aber a kiss is still a kiss"... und eine kurzfristige Erholung ist immer noch eine kurzfristige Erholung. Kein Kuss dauert auf ewig. Und das gilt auch für kurzfristige Erholungen. Wenn ich nach vorn blicke, dann muss ich damit rechnen, dass sie enden wird... vermutlich im Jahr 2010.
Das Risiko nicht wert
Wenn Sie von den Kursanstiegen im Jahr 2009 profitieren konnten... Bravo! Aber jetzt sollten Sie verkaufen... ja, die Erholung könnte noch länger andauern. Aber das ist das Risiko nicht wert.
Und wie sieht es am Goldmarkt aus? Gold ist in jedem Jahr des vergangenen Jahrzehnts weiter gestiegen. Es war bei Weitem der sicherste Ort für Ihr Geld.
Bedeutet das, dass Gold auch 2010 steigen wird? Heißt das, dass ich mich an meinen Trade des Jahrzehnts auch noch weitere zehn Jahre halten werde? Ich will ja nicht prahlen, aber dieser Trade war ein großer Erfolg. Selbst ich war überrascht davon, wie gut es damit gelaufen ist.
Wie sich die Leser, die schon lange unter diesen Newsletter leiden, erinnern werden, habe ich den Trade des Jahrzehnts" im Jahr 2000 verkündet. Aktien verkaufen, Gold kaufen.
Ein guter Trade
Es hat sich als ein guter Plan erwiesen", stellt mein Kollege Merryn Sommerset in einem Beitrag für die Financial Times fest. Im Jahr 2000 konnte man die Unze Gold noch für 280 Dollar kaufen (das war in diesem Jahr der Durchschnittspreis). Heute bezahlt man dafür ungefähr 1.100 Dollar. Damals hat Bonner erkannt, was andere nicht sahen. Er sah, dass die die amerikanische Wirtschaft nicht sorgfältig und geschickt durch den Vorsitzenden Greenspan und seine Leidenschaft für geringe Zinssätze verwaltet wurde, sondern vielmehr eine gewaltige Kreditblase war, die nur darauf gewartet hat, zu platzen."
Er hat auch erkannt, dass die massiven und wachsenden Staatsschulden, die Handels- und Leistungsdefizite und das schnelle Anwachsen der Geldmenge Faktoren sind, die den Dollar notwendig langfristig würden entwerten müssen. Er hat auch die Kreditblase als ein weltweites und nicht vorrangig amerikanisches Phänomen erkannt.
Was ist der Trade des nächsten Jahrzehnts?
Was kommt also als nächstes? Was ist der nächste Trade des Jahrzehnts? Nun... ich habe entschieden, nicht wieder den gleichen Trade zu verfolgen. Gold wird auch weiterhin das Herzstück meiner Besitztümer sein, aber nicht meines Trades des Jahrzehnts der nächsten zehn Jahre. Warum? Weil ich denke, dass die amerikanische Wirtschaft in die gleiche Richtung gehen wird, wie einst Japan.
Japan ging 1990 in die Krise. Es ist aus der Krise gekommen... und wieder in die Krise gegangen... und wieder herausgekommen... und wieder hereingegangen. Gemessen am Vermögen, das dabei - zumindest auf dem Papier - zerstört wurde, war es die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Der Wert der Immobilien ist in einigen Städten um 87% eingebrochen. Die Aktien sind vom Höchstwert von 39.000 Zählen auf dem Nikkei Dow in den Bereich von 7.000 Zählern gefallen... das war der Tiefpunkt in 27 Jahren.
Warum haben sie so schlecht abgeschnitten? Wie ich immer wieder sage, wenn man eine Sache wirklich verbocken will, dann braucht man dazu die Unterstützung der Steuerzahler. Die Japaner haben mehr Papiergeld eingesetzt, um eine Korrektur zu verhindern, als irgendeine Generation vor ihnen. Die Folge: Die Korrektur wurde gestoppt, verzögert und über zwei Jahrzehnte ausgedehnt.
Das japanische Modell als Modell der ersten Wahl
Und jetzt blicken die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler in Richtung Japan, aber diesmal mit Bewunderung. Sie fangen an zu glauben, dass das japanische Modell die Methode der Wahl ist... weil sie eine weitverbreitete Arbeitslosigkeit und eine tiefere Konjunkturkrise verhindert hat.
Und das ist meine Vermutung:
Jetzt, da die amerikanische Wirtschaft in einem ähnlichen Entschuldungsprozess gefangen ist, der auch Japan in der Zange hatte, werden notwendigerweise die gleichen Heilmittel" Anwendung finden... was dann vermutlich auch mehr oder weniger zu den gleichen Ergebnissen führen wird.
Ich werde mich mit den Details in einem der nächsten Beiträge auseinandersetzen. Sie werden davon in den nächsten Tagen und Wochen und Monaten noch sehr viel hören - das sei versprochen.
In diesem Beitrag möchte ich mich stattdessen lieber dem Trade für die kommenden zehn Jahre zuwenden. Es gibt natürlich zwei Seiten bei diesem Trade... eine Seite fürs Verkaufen und eine Seite fürs Kaufen. Ich hatte keine Schwierigkeiten etwas zu finden, das man verkaufen kann. Während eines Entschuldungsprozesses fällt fast alles im Preis. Ich hätte hier beispielsweise die amerikanischen Aktien nennen können. Sie werden vermutlich auch weiterhin einbrechen... genauso wie sie es auch in Japan getan haben.
Aber wer weiß, die amerikanischen Aktien haben gerade das schlechteste Jahrzehnt seit den Dreißigern hinter sich. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein weiteres schlechtes Jahrzehnt erleben werden? Ich weiß es nicht. Für die Seite des Verkaufens bei meinem Trade suche ich jedoch nach etwas, das schon so lange im Wert gestiegen ist, dass die Leute angefangen haben zu glauben, dass es für immer steigen wird... es muss etwas sein, das alle haben wollen.
Wovon glaubt man, es würde auf ewig fallen?
Was wird damit beschrieben? Nun, die amerikanischen Schuldtitel kommen der Sache am nächsten. Die Erträge sind seit 1983 gefallen (was bedeutet, dass der Preis der Schuldtitel steigt). Und jetzt erkennt man, dass die Nachfrage nach Schatzanleihen, Schatzbriefen und Schatzanweisungen nie größer war, und das bei einem Angebot, das über die Grenzen der Charts geht. Mehr noch... wenn meine Analyse der amerikanischen Wirtschaft richtig ist... dann wird das Angebot an Staatschulden noch über viele Jahre weiter in die Höhe schießen. Defizite von einer Billion bis zwei Billionen Dollar im Jahr werden zur Gewohnheit werden.
Wie lange wird es noch dauern, ehe der Markt der Schatzanleihen einbrechen wird? Wie lange wird es noch dauern, bis wir eine Hyperinflation haben werden... oder bis wir unsere Schulden nicht mehr bezahlen können... und die Anleger nach Deckung suchen. Ich weiß es nicht. Aber es scheint mir eine wahrscheinliche Wette, dass es irgendwann in den nächsten zehn Jahren soweit sein wird.
Ich werde also die amerikanischen Schuldtitel auf die Seite des Verkaufens setzen.
Wie sieht es auf der gegenüberliegenden Seite aus? Ach, damit hatte ich so meine Schwierigkeiten. Während es viele Dinge gibt, die vermutlich im Kurs fallen werden, gibt es nicht so viele, denen es vorherbestimmt zu sein scheint, dass sie wieder steigen. Wir wollen einmal nachsehen, was in den letzten zwanzig Jahren die meisten Schläge einstecken musste, gedemütigt wurde und missbraucht. Was wollen die Leute so ganz und gar nicht haben? Wobei rechnet man damit, dass es fallen wird... vermutlich auf ewig?
Natürlich... die japanischen Aktien!
Also, da haben wir ihn: Meinen Trade des Jahrzehnts:
Amerikanische Schuldtitel verkaufen / japanische Aktien kaufen.
Verrückt, nicht wahr?
Vielleicht auch nicht. Die amerikanischen Schuldtitel sind in den vergangenen 27 Jahren immer weiter gestiegen. Die japanischen Aktien sind in den vergangenen 20 Jahren eingebrochen.
Bedeutet das, dass ich Gold aufgeben will? Nein, ganz und gar nicht. Ich halte weiter an Gold fest. Aurum eternum, oder etwas von der Art.
Das gelbe Metall ist das, was man kauft, wenn man denkt, dass die Finanzbehörden alles vor die Wand fahren. Daran besteht kaum ein Zweifel.
Also werde ich auch weiterhin Gold kaufen und besitzen... bis das Finanzsystem in die Luft geflogen ist.
Aber Gold ist bei 1.100 Dollar je Unze ein stolzer Preis. Es ist nicht günstig. Es ist schon seit zehn Jahren immer weiter im Preis gestiegen. Auf diesem Niveau ist es eine Versicherung gegen eine monetäre Katastrophe und eine Spekulation darauf, wann und wie die Explosion irgendwann kommen wird. Es ist definitiv sinnvoll, Gold zu besitzen. Und zu halten. Und als Schutz des eigenen Vermögens zu verwenden.
Doch der Trade des Jahrzehnts ist eine Möglichkeit, Geld zu verdienen
... indem man zwei gegensätzliche Anlagewerte kauft bzw. verkauft, die gerade außergewöhnlich bewertet werden. Es ist keine Spekulation darauf, was passieren KÖNNTE. Es ist eher eine Wette auf ein Phänomen, das man als Rückkehr zu den Mittelwerten" bezeichnet. Alles, was vollständig aus dem Gleichgewicht läuft, kommt irgendwann wieder ins Gleichgewicht...
Wenn ich richtig liege, dann wird die beliebteste Wertanlage des Jahres 2009 - die Schatzanleihen - aus der Mode kommen. Die am wenigsten beliebte Wertanlage von 2009 - die japanischen Aktien - werden jedoch jeden überraschen, wenn sie plötzlich wieder zum Leben erwachen.
Wie dem auch sei. Dieser Trade birgt ein verhältnismäßig geringes Risiko. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanischen Schatzbriefe steigen werden? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die japanischen Aktien einbrechen werden? Wir können es natürlich nicht wissen... alles was aus dem Gleichgewicht ist, kann auch noch weiter aus dem Gleichgewicht geraten. Aber ich verlasse mich darauf, dass die Zeit die Sache regeln wird. Und ich hoffe, dass ich noch lang genug leben werde, um hinterher sagen zu können: Habe ich es euch nicht gesagt?"
Mit den besten Wünschen für das Jahr 2010!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Roland Schäfer (12.01. 2010 08:41 Uhr):
Interessante Überlegungen, werde deswegen auch in meinem japanischen Invest länger verbleiben...interessant wäre auch Ihre Meinung zur Hyperinflation und Lebensversicherungen zur Altersvorsorge...
Antworten - Kommentar von Manfred Erschfeld (12.01. 2010 08:52 Uhr):
Ich möchte Ihnen danken, für den Mut und die unerschöpfliche Vielfalt den Lesern die Augen zu öffnen.
Antworten - Kommentar von Wolfgang Scheid (12.01. 2010 16:14 Uhr):
Und genau jetzt haben Sie mal wieder zu viel gesoffen... Aber zum Feintuning: Sie verkaufen JETZT alle US-Staatsanleihen und kaufen aber erst nach WEITEREN 50-80%-Minus Japsen-Aktien; nur so macht Ihr Trade wirklich Sinn, alles andere ist doch nur Effekthascherei.
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