Obama: Wandel vom Saulus zum Paulus?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 2. Februar 2010, 16:00 Uhr
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die einen feierten ihn sektenartig als ihre kultische Erlöserfigur bzw. ihren Messias, die anderen sehen in ihm lediglich eine weitere Marionette der Wall Street.
Wie wir alle aus den Massenmedien wissen, kündigte der US Präsident vor gut einer Woche seine Pläne zu verschiedenen Reformen im Bankbereich an. Mit Freude nahmen hierbei einige der bisherigen Obama-Skeptiker zur Kenntnis, dass der US Präsident nun anscheinend vorhabe, gegen die entsprechenden Finanzkrise vorzugehen und endlich "das Richtige" zu tun.
Ich möchte hier jedoch ausdrücklich zur Vorsicht mahnen (auch wenn mich manch einer von Ihnen nun wieder als "Schwarzmaler" sehen mag...):
Erstens ist es m.E. absolut unwahrscheinlich, dass sich ein US Präsident plötzlich gegen seine "Königsmacher" stellt (und dieser Ausdruck ist hier durchaus berechtigt, denn ohne die nötige Kapitaldecke können Sie eine Präsidentschaftskandidatur in den USA vergessen).
Zweitens ist auf der Homepage der sog. "Group of 30" (einer Art "hoher Eliten-Club" aus sehr einflussreichen Wirtschaftsvertretern und auch teilweise Akademikern) stolz zu lesen, dass offensichtlich die neuen Finanzideen Obamas dort produziert wurden.
The Group of Thirty's report: "Financial Reform: A Framework for Financial Stability" continues to influence policy making. On January 21st, President Obama announced a series of further financial reforms drawing directly from the G30 report.
The report is available for free electronically. You may also view the continuing press coverage of this report.
[Übersetzt etwa: Der Bericht "Finanzreform: Ein Rahmenwerk für Finanzmarktstabilität" der Group of Thirty beeinflusst weiterhin den politischen Entscheidungsprozess. Am 21. Januar verkündete Präsident Obama eine Reihe weiterer Finanzreformen, welche direkt aus dem G30-Bericht gezogen wurden.]
Hohe Eliten, die selbstlos für die Menschenmassen aus "Spaß an der Freude" plötzlich das Richtige tun?
Drittens hängt vieles von Obamas Reformen letztlich davon ab, wie das "Kleingedruckte" formuliert wird. Ein Punkt der angekündigten Reformen sind etwa maßgebliche Einschränkungen vieler Banken beim Eigenhandel. Allerdings waren bereits kurz nach der präsidialen Teleprompter-Vorlesestunde die ersten Stimmen zu hören, dass es z.B. entscheidend darauf ankommt, wie man Eigenhandel überhaupt definiere. Vorher sei überhaupt nicht absehbar, wie Obamas Pläne letztlich einzuschätzen seien.
Und zu guter Letzt: Hatten wir ähnliche Sprüche seitens Herrn Obamas nicht schon einmal beim Gipfel in Pittsburgh letztes Jahr? Hat sich damals anschließend etwas nennenswertes getan? Nicht nur ich kann keine nennenswerten Punkte erkennen.
Wenn man außerdem wirklich etwas ändern will im Bankbereich, warum ernennt man dann einen der Hauptverursacher der Finanzkrise (und einiger weiterer Probleme, die noch vor uns liegen), welcher darüber hinaus die letzten zwei Jahre mit seinen öffentlichen Äußerungen stets falsch lag, für eine zweite Amtszeit? Warum einen der finanziellen Chef-Brandstifter ein zweites Mal zur "Feuerwehr" machen?
Um es kurz zu machen: Ich bin mir noch nicht völlig sicher, was ich von diesen Entwicklungen im Detail halte. Misstrauen scheint mir allerdings mehr als angebracht, denn ich glaube kaum, dass sich jemand wie Herr Obama ohne wirklichen Grund von einem Tag auf den anderen grundlos vom Saulus zum Paulus wandeln sollte.
Und selbst wenn er es (aus welchen Gründen auch immer) tatsächlich ernst meinen würde (was ich für sehr unwahrscheinlich bis gar unmöglich halte), dann dürfte er sicherlich wissen, was passieren kann bzw. wird, wenn man als Präsident nachhaltig Dinge tut, die manchen einflussreichen Leuten nicht gut gefallen. Das Ergebnis solch eines politischen Kurses zeigt ja nicht nur die US Geschichte seit Lincoln relativ deutlich. Und einen suizidalen Eindruck macht Herr Obama auf mich zumindest nicht...
Beste Grüße