Obama, die ganze Welt richtet ihren Blick auf Sie
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. November 2008, 07:30 Uhr
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Mr. Obama wurde kürzlich zum gewählten Präsidenten aller Amerikaner. Niemandem hat deswegen der Kaffee am Mittwochmorgen besser geschmeckt als am Dienstag... auch hat kein Parfüm einer Dame deswegen süßer gerochen. Aber überall auf der Welt fühlten sich die Menschen besser. Die menschliche Rasse hatte etwas Wichtiges erreicht.
Ein Sieg McCains hätte wenigstens dazu geführt, dass sich die Presse auf die Zunge beißt. Stattdessen haben die Kommentatoren nun viele falsche Schlüsse gezogen und sich selbst zum Narren gehalten. Einige dachten, dass es Amerikas Wiedergutmachung für die Sünde des Sklavenhandels sei. Andere sahen darin einen historischen Wandel, den sie nicht in Worte fassen konnten und den sie nicht hätten versuchen dürfen, in Worte zu fassen.
Sie haben es geschafft. Sie haben es wirklich geschafft", schrieb der Guardian. ... das amerikanische Volk stand gestern im Auge der Geschichte und kam zu einer deutlichen Entscheidung für einen Wandel..."
Es ist das Ende des landesweiten Alptraums", schrieb das TIME Magazin.
Unter all den sprudelnden Berichterstattern befanden sich auch die Franzosen. Obamas Sieg erweckt wilde, aber doch ziemlich begründete Hoffnungen", behauptete Bernhard-Henri Levi in der Financial Times. Mr. Obamas Wahl wird uns in mindestens drei konkreten Punkten betreffen", fuhr er fort... es gäbe einen entscheidenden Wendepunkt, wenn es darum geht, mit der Rassenfrage" in den Vereinigten Staaten umzugehen... Hoffnung auf ein Amerika, das anfängt, an seiner berühmten Mission" zu zweifeln... und wenn Obama die Vereinigten Staaten vertritt... dann wird der Antiamerikanismus" es schwerer haben, zu überleben und er wird gezwungen sein, seine Verkaufsmaschen wieder auffahren müssen."
Niemand weiß genau, was Amerikas "berühmte Mission" ist - und ganz gewiss nicht die Amerikaner selbst. Und wenn das die konkreten Punkte sind", dann stehen sie doch auf sehr wackeligen Beinen. Es ist nicht konkret, an den Hoffnungen, die Mr. Obamas Sieg geweckt hat... sie befinden sich alle im Äther.
Sie sollten nicht zulassen, dass französische Philosophen die amerikanische Politik kommentieren. Sie nehmen die ganze Sache viel zu ernst. Abgesehen davon weiß man nie, wovon sie überhaupt sprechen. Aber die Le Monde sah die Sache klarer. Die Zeitung war nicht nur froh, dass die Vereinigten Staaten endlich den Fleck des Rassismus abspülen, sie waren auch froh zu sehen, dass die Amerikaner den Kapitalismus des Freien Marktes gleich mit wegspülen.
Obama wird die Rolle der Regulierung in den USA wieder aufleben lassen; eine entschlossene Steuerpolitik um die immer größer werdenden sozioökonomischen Unterschiede auszugleichen, die Planung eines Gesundheitswesens, dass zum Wohlstand des Landes passt", sagte die Zeitung. Mit anderen Worten, wird der ein System des staatsgeleiteten Kapitalismus einführen, genauso wie wir es in Frankreich haben.
Keiner der Kommentatoren, die ich gelesen habe, hat Obamas Triumph wirklich verstanden. Sie sahen seinen Triumph in einem Verlangen nach Wahrheit und einem Greifen nach Fortschritt. Es war nichts dergleichen. Das letzte, was die Wähler wollen, ist die Wahrheit. Sie werden sie ablehnen, wenn man sie direkt vor ihnen aufbaut. Stattdessen wollen sie eine Ablenkung von der wahren Welt. Sie hoffen darauf, dass sie von ihrer Führung eine Art Unterhaltung bekommen... um genau zu sein, eine Phantasievorstellung. Etwas, das sie aufmuntert, wenn sie am Boden liegen. Oder etwas, das sie erschreckt, wenn sie guter Laune sind.
Sie werden sich noch aus der vergangenen Woche an die große Phase der vielen Katastrophen erinnern - an die Zeit von 1914 bis 1945, mit ihren Kriegen, ihren Epidemien, den Dürren, der Hyperinflation, der Weltwirtschaftskrise, dem Massenmord, den Konkursen und Revolutionen. In dieser Zeit haben die Amerikaner Franklin Roosevelt gewählt, der ihnen sagte, dass sie vor nichts anderem Angst haben müssten, als vor der Angst selbst." Sie hatten es alles nur in ihren Köpfen. Es war eine Riesenlüge, aber es war eine Riesenlüge, die sie hören wollten.
Und wählten die Briten auf der anderen Seite des Atlantiks im Mai 1940 Winston Churchill als Premierminister. Churchill kreuzte seine Finger und legte seine Hand sofort hinter den Rücken, und behauptete, dass Großbritannien nicht kämpfen würde, um sein Imperium im Ausland zu retten, sondern um die gesamte Welt zu retten." Er hat jeden Vertreter, der einen verwirrenden oder deprimierenden Einfluss ausübte, sofort entlassen. D.h. jeden, der es wagte, die Wahrheit über Großbritanniens katastrophale militärische Situation zu äußern.
Nur wenige Wochen später riefen die Franzosen nachdem sie die schmählichste Niederlage in ihrer Geschichte erlitten hatten, einen alten Mann zurück an die Macht - Philippe Petain. Der Held von Verdun gab den Französen das Gefühl, eben erst ihren Nationalstolz zurückerlangt zu haben, und ihn nicht gerade erst verloren zu haben. Aber zu dieser Zeit schien Frankreichs Phantasie auf festerem Boden zu stehen, als die Großbritanniens... was einfach nur zeigt, wie unzuverlässig die Geschichte sein kann. Manchmal werden die Traumwelten war, normalerweise ist es aber nicht so. Großbritannien hat den Rückhalt der Regierung unter Roosevelt bekommen - die den Wählern versprochen hat, Amerika aus dem Krieg zu halten - und dann die Hunnen schlug. Churchill ist als Held gestorben. Pertain fiel in Ungnade.
In den Vereinigten Staaten hat die Bush-Administration alles getan, um die Menschen ängstlich zu stimmen - mit den Folterkammern und den grotesken Gefahrstufen". Aber die Terroristen haben nicht kooperiert, sie waren noch nicht einmal in der Lage, einen Müllwagen in die Luft zu jagen. Doch jetzt mühen sich die breiten Massen ab - und das aus gutem Grund. Die Leute haben Angst, ihre Häuser, ihre Stellen und ihre Renten zu verlieren. Die Verluste der Wertpapiere machen weltweit schon mehr als 25 Billionen Dollar aus. Aus den amerikanischen Immobilien scheinen 4 Billionen Dollar verschwunden zu sein.
Und das ist der Grund, warum Obama gewonnen hat.
Es hat nicht mit der landesweiten Wiedergutmachung oder mit Sarah Palin zu tun. Als die Welt noch sicher und angenehm war, wollten die Massen den Schauder der Angst. Was die Öffentlichkeit heute will, ist Sicherheit. Einen Film mit einem Happy End, und keinen Horrorstreifen. Obama schien der ruhigere, der intelligentere Kandidat zu sein. Die Wähler konnten sich ihn als einen schwarzen Roosevelt" vorstellen, der beruhigende Unterhaltungen vor dem Kamin führt und die Lügen erzählt, die wir hören wollen.
Und so nimmt bei dieser Geschichte ein lächerlicher Unsinn den Platz seines Vorgängers ein. Die Amerikaner sollten ängstlich sein, jetzt sollen sie zuversichtlich sein. Sie sollten rassistisch sein, jetzt sollen sie farbenblind werden. Sie sollten den freien Markt bis zum letzten Atemzug verteidigen. Jetzt wenden sie sich an den Staat und betteln, darum, dass er ihren letzten Heller verteidigt.