Obama-Aktion vor allem Marketing-Aktion
Profit Radar
vom 3. Februar 2010, 19:00 Uhr
ENL5454
Dazu passt eine Information perfekt, die ich letzte Woche auf der ZfU-Kapitalanlegertagung in Zürich erfahren habe: Nur 50% der Kursgewinne an den amerikanischen Börsen in 2009 erfolgten während der offiziellen Handelszeiten der Börsen.
Die anderen 50% der Kursgewinne erfolgten über den Future-Markt im außerbörslichen Handel. Der Käufer, der die Kurse nach oben zog: Das so genannte Plunge Protection Team (PPT) - ein legendäres Komitee aus hochrangigen Politikern und Top-Bankern von Goldman Sachs und Co., dass dafür da ist, stützend am Markt einzugreifen.
Tatsächlich haben hochrangige US-Politiker inzwischen auch bestätigt, dass das PPT im Auftrag von Washington in 2009 den Aktienmarkt nach oben kaufte, um die Stimmung an den Börsen zu drehen. Und das hat ja auch funktioniert.
Die Aktion von Obama müssen Sie vor allem aus dem populistischen Blickwinkel sehen, Nach der verlorenen Senatorenwahl in Massassusets ist die Gesundheitsreform, eines der Flagschiff-Projekte der Obama-Administration, gefährdet. Gleichzeitig befindet sich die Popularität des ersten schwarzen Präsidenten auf einem Allzeittief.
Obama brauchte eine Aktion, um positive Stimmung zu machen. Und da kam ihm die negative Stimmung der Bevölkerung gegen die gierigen Wall Street-Banker gerade recht. Diese Aktion soll Obama näher an den „kleinen Amerikaner" rücken. Nur darum ging es.
Das hat er nun getan. Ich gehe davon aus, dass jegliche Bankreformen, Sanktionen und Gesetzesänderungen wesentlich milder ausfallen warden, als die Börse derzeit erwartet. Denn Obama will sich die Hochfinanz nicht zum Feind machen. Das Wichtigste dieser Aktion war für ihn die Imagepflege - und die hat er gemacht.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Fabio (03.02. 2010 19:37 Uhr):
Guten Abend, was bedeutet die Aussage mit den 50% konkret? Ich habe das auf amerikanischen Seiten schon vor Monaten gelesen, verstehe aber den Inhalt nicht. Der S&P müßte doch ständig mit Aufwärts-GAPs geöffnet haben, wenn die Futures ihn im nachbörslichen Handel über Nacht hochgetrieben hätten, oder? Das habe ich so nicht beobachtet. Danke für einen Präzisierung! FB
Antworten - Kommentar von Martin Lehmann (03.02. 2010 20:14 Uhr):
Hallo Herr Wilhelmi, sehr interessanter Artikel. Mit den Gründen für den Vorstoss Obamas haben Sie sicher recht. Auch bezweifle ich nicht, dass es die Kaste der "Hochfinanz" gibt. Aber wie kommen Sie zu dem Schluss, dass diese Börse als Muskelspiel stürzen liess? Das einzige Argument was Sie, so verstehe ich geliefert haben, ist dass es keine anderen Gründe gibt, die Sie überzeugen und das es diese Kaste so überhaupt gibt. Oder habe ich etwas überlesen? In jedem Fall möchte ich festhalten, wäre Ihre Theorie, so sie denn wahr wäre, für mich ein Grund diesen dann hochmanipulierten Märkten fernzubleiben. Auch die Prognostizierbarkeit, von Börsenbewegungen, wäre in diesem Fall praktisch Null. Ihre Antwort interessiert mich sehr. Mit freundlichen Grüssen, Martin Lehmann
Antworten - Kommentar von tonimarroni (03.02. 2010 21:00 Uhr):
ein absoluter Kenner, der Kommentator, hat dieselbe Meinung wie der "Zürcher Trend", und das heisst etwas!
Antworten - Kommentar von Woodie (04.02. 2010 00:12 Uhr):
Liebe Leute, ich rate grundsätzlich davon ab, obskure Verschwörungstheorien ernst zu nehmen - auch wenn die PPT-Geschichte eine der etwas originelleren ist. Selbst über den Future-Markt und außerbörslich hätten immer noch gewaltige Summen investiert werden müssen. Würde ich daran glauben, würde ich im Gegensatz zu Herrn Lehmann meine Long-Positionen fleißig in den USA anlegen, wo sonst kann ich sicher sein, dass ein PPT meine Verluste auch in Krisen zumindest in Grenzen hält?
Antworten - Kommentar von Klaus Gedeik (04.02. 2010 18:12 Uhr):
Und das vermischt mit allen Kriegshandlungen der USA auf der Welt ist die so gelobte Demokratie, die man allen Völkern der Welt um jeden Preis bringen möchte!
Antworten