O.J. Simpson
Christopher Corbett in Traders Daily
vom 26. September 2007 12:00 Uhr
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Das, was in Vegas passiert, bleibt auch in Vegas, sagt man. Doch nicht, wenn Orenthal James Simpson im Spiel ist, der mitweile in Ungnade gefallene ehemalige Football-Star. Keine andere Berühmtheit die in so viel Skandal verwickelt war, hat je zuvor in der amerikanischen Geschichte, einem so starken prüfenden Blick widerstanden und so viele Kontroversen ausgelöst, wie „The Juice.“ Die Probleme finden ihn.
Im Alter von sechzig Jahren, lebt Simpson in Ungnade des Schicksals und in den Augen des Menschen, um den Barden zu paraphrasieren. Er hat augenscheinlich in jeder Hinsicht absoluten Konkurs gemacht. Und abgesehen von der Gesellschaft anderer Golfer, hat er keine Freunde. (Man weiß, dass man ganz unten angekommen ist, wenn nur noch Golfer mit einem reden.)
Der einstige Gewinner der Heisman Trophy verbringt seine Tage - nach allem was man hört - auf dem Rasen oder in „Sporttalkshows“, mit der Sorte von Leuten, die das gerne tun wollen. Aber The Simpson schafft es nicht, außerhalb der Reichweite der Nachrichten zu bleiben.
Vom Mord an seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson und ihrem Freund Ronald Goldman nach einem zirkusartigen Prozess, der die amerikanische Justiz auf einen neuen Tiefstpunkt brachte, freigesprochen wurde er später in einem Zivilprozess für den Tod der Beiden verantwortlich gemacht und aufgefordert, 33,5 Millionen Dollar zu zahlen. In Berichten in den Nachrichten heißt es, dass er davon noch fast nichts bezahlt hat, aber damit noch nicht genug.
Die Probleme haben ihn in der vorvergangenen Woche wieder eingeholt, als ihn eine Fortsetzung der Abenteuer von The Simpson nach Las Vegas führte, einer ganz ausgezeichneten Stadt, wenn man das Abenteuer sucht. The Simpson wird mit einem bizarren Zwischenfall in Verbindung gebracht, bei dem es um einen mutmaßlich bewaffneten Raub einer Sammlung von Erinnerungsstücken aus dem Sport und der Beschuldigung von Diebstahl geht.
Wie bei fast allem, bei dem The Simpson im Spiel ist, ist auch dieser Fall verwirrend. Die Eigentümerschaft der Erinnerungsstücke scheint strittig zu sein. Wer weiß? (Und wen interessiert es wirklich?) Während ich das schreibe, ist The Simpson in Las Vegas im Knast und ohne Möglichkeit auf Kaution frei zu kommen, droht ihm viel Zeit im Knast, wenn er verurteilt wird.
The Simpson genießt (oder leidet unter) der Art von namentlicher Bekanntheit, die nur in einer Kultur der vierundzwanzigstündigen Nachrichtenzyklen und der unmittelbarsten Informationsvermittlung möglich ist. Menschen, die kein einziges Wort Englisch sprechen, kennen ihn. Leute, die glauben, Nancy Grace und Larry King wären Journalisten, wissen, wer er ist.
Man kann ihm nicht entkommen. Man kann auch Nancy und Larry nicht entkommen, denn auch sie werden sich wieder um den Fall kümmern. Alle diese, schmierigen Nebenschauplätze legten in dieser Woche wieder zu, die Rechtsanalysten, die sardellenartigen Massen, die Schreihälse, die Pauker von der Kanzel und die Windbeutel. Sie werden alle wieder zurückkehren.
The Simpson muss, wenn es möglich wäre, so etwas herauszufinden, eine der bestbekannten Persönlichkeiten der Welt sein. Für Millionen ist er die Personifikation des Bösen und eines Rechtssystems, das Amok läuft. Eine Art schrecklicher, schlechter Witz... ein Mann, der mit Mord davonkommen kann. Eine Art verzerrtes amerikanisches Idol.
Als ein Hauptprodukt einer bestimmten Art von Nebenschauplatz, die mit jedem Tag beliebter wird, steht die Simpson-Saga mit nichts anderem in Verbindung. Schuld oder Unschuld. Richtig oder falsch. Er hat Britney Spears in der vergangenen Woche von den Titelseiten verdrängt. Er hat so viel Macht. Die Republikaner sollten ihm für sein letztes Abenteuer dankbar sein. The Simpson lenkt von Larry Craig und dem verlorenen Krieg ab. Das ist Info-tainment.
Und er führt dieses seltsame und schreckliche Leben. Man kann ihm nicht entkommen. Seine Festnahme in Verbindung mit dem brutalen Mord an seiner Exfrau und Ron Goldman und der anschließende Zirkus einer Gerichtsverhandlung, vielleicht der geschmackloseste und absurdeste Prozess in der amerikanischen Geschichte, ziehen weiterhin die Aufmerksamkeit auf sich.
All diese Klischees und die Schlagwörter... „Das Urteil, das man überall auf der Welt hörte“, „Der Prozess des Jahrhunderts“, „Wenn es nicht passt, dann muss man freisprechen“, spukten in der vergangenen Woche wieder herum. Erinnern sie sich noch an den White Bronco? Das ruft einem die Nebenschauplätze des Landes in Erinnerung und den Hunger der Nation nach Nonsense.
Das ist ein Land, in dem die meisten Menschen die Staatschefs von Frankreich, Großbritannien oder Deutschland genauso wenig benennen können, wie den “unseres Nachbarn im Norden”, - Kanada. Doch sie alle kennen O.J. Simpson.
Da es sich hierbei um Amerika handelt, erschienen die jüngsten Abenteuer Simpsons an eben dem Tag, an dem auch das seltsame Buch von The Simpson „If I did it“, erschienen ist. Das Buch – geschrieben von Simpson und einem Ghostwriter – ist ein fiktionaler Bericht darüber, wie The Simpson die Morde, derer er beschuldigt wird, „hätte“ ausgeführt haben können. Das Buch sollte ursprünglich von Harper Collins im vergangenen Jahr veröffentlicht werden, ehe ein Schrei der Entrüstung dazu führte, dass das Unternehmen das Buch zurückgezogen hat. Ein Bundeskonkursrichter hat später die Buchrechte an die Goldman Familie weitergereicht, die einen neuen Titel fanden: If I Did it: Confessions of the Killer (Wenn ich es getan hätte: Bekenntnisse des Mörders.)
Selbstverständlich ist das Buch jetzt an der Spitze der Bestsellerlisten bei Amazon und Barnes & Noble.