Nur noch 100 verbleibende Basispunkte
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Oktober 2008, 07:30 Uhr
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Die große Nachricht lautete vorgestern: Die Zentralbank senkt die Zinssätze auf 1%. Nur 100 Basispunkte bleiben noch, soll das heißen.
Ja, liebe Leser, der Leitzinssatz der Zentralbank wird vermutlich auf Null fallen. Und der Dow auf 5.000 Punkte.
Früher oder später wird auch der Dollar einbrechen. Vorgestern sah man schon eine Andeutung... als der Dollar auf 1,30 Dollar pro Euro zurückfiel.
Und als die Nachricht der Zinssenkungen durch die amerikanische Zentralbank kam, schossen die asiatischen Aktien in den Himmel. Wie vorauszusehen, denken die Investoren, dass die Regierung die Sache nun wohl endlich unter Kontrolle hat. Wie vorauszusehen, lagen sie falsch.
Sie werden sich vielleicht erinnern, dass die Kreditkrise im Sommer 2007 angefangen hat. Davor war der Krieg zwischen Inflation und Deflation ausgewogen. Aber dann kamen die subprime-Kredite aufs Schlachtfeld wie ein neuer Panzer. Und binnen Tagen hat die Deflation die Oberhand gewinnen können und gewinnt seither.
Man muss es den Regierungen zugute halten. Sie haben sich anfangs ordentlich in diesem Kampf geschlagen. Zuerst haben sie in England Northern Rock freigekauft, später haben sie das gesamte Bankensystem verstaatlicht, und fast alle Einlagen garantiert. In den Vereinigten Staaten hat die Regierung Bear Stearns dem Feind überlassen, aber sie hat Fannie und Freddie übernommen... und AIG gerettet, als Hank Paulson feststellte, dass in seinem Unternehmen Goldman 20 Milliarden Dollar in Gefahr sind. Und dann haben sie mehr als 100 Milliarden Dollar in Steuerrückzahlungen verteilt. Als das nicht funktionierte, haben sie einen Rettungsplan im Wert von 700 Milliarden Dollar bewilligt - wobei Paulson die Fehler seiner alten Kumpel aufkaufen wird. Und jetzt sprechen sie über eine weitere allgemeine Rettungsaktion die wieder einige hundert Milliarden Dollar kosten wird.
Gleichzeitig hat die Zentralbank ihren Teil dazu beigetragen, den Krieg gegen die freien Märkte zu unterstützen. Sie hat die Zinssätze natürlich gesenkt. Und sie hat auch ihre guten Kredite gegen die schlechten Kredite der Wall Street eingetauscht. D.h. dass der Bilanzbogen der Zentralbank einst Milliarden in amerikanischen Schatzanleihen aufgewiesen hat... und darüber hinaus wenig. Heute hat die amerikanische Zentralbank mit den größten Bestand finanzieller Kadaver der Welt... und nur 100 Basispunkte Munition.
Keine der bislang ergriffenen Maßnahmen scheint funktioniert zu haben. Die Leute schränken sich weiterhin ein... um genau zu sein, fangen sie gerade erst damit an.
"Keine Reisen mehr", lautete eine Unternehmensanordnung, die ich kürzlich sah.
Alle Fortbildungen streichen", hieß eine andere. Wir stellen keine neuen Leute mehr ein und wenn die anderen bis heute nicht wissen, wie es geht, dann schmeißt sie raus."
"Hört auf, Zeug zu drucken... schickt es einfach über das Internet raus", war eine andere Maßnahme zur Kostenreduktion.
Und schon bald werden die Druckerpressen still stehen... die Papiermühlen werden es langsamer angehen lassen... und es wird an den Sicherheitsschaltern im Flughafen kürzere Schlangen geben.
... und all das wird, in Verbindung mit vielem anderen... weniger Stellen bedeuten.
In den Nachrichten erfuhr man Mitte der Woche, dass die Wirtschaft auch weiterhin einbricht. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt mit einer Geschwindigkeit von 0,5% fällt. Der New Yorker Senator sagt, dass der Konjunkturrückgang 45.000 Kündigungen an der Wall Street zur Folge haben könnte. Schlimmer noch als während der Weltwirtschaftskrise. Und dann fuhr Paterson fort und sagte, dass dem Staat ein Defizit von mehr als 40 Milliarden Dollar in den nächsten 18 Monaten bevorstünde.
Im September wurden 159.000 Kündigungen verzeichnet. Und jetzt sagt die LA Times voraus, dass sogar Hollywood wird Leute entlassen müssen.
Hypothekenanträge gehen immer noch zurück. Die Hauspreise fallen immer noch. Und das Wall Street Journal berichtet, dass auch Drogen sich schlechter verkaufen.
Ja, die Leute, die die Finanzkrise ausgelöst haben - die Regierungsvertreter - werden die Situation jetzt noch schlimmer machen. Anstatt die Würfel einfach fallen zu lassen, versuchen sie sie so gut sie können zu manipulieren und den Prozess der deflationären Krise an jeder einzelnen Station des Weges zu bekämpfen. Die Folge wird ein Konjunkturrückgang sein, der noch härter und langwieriger ist, als er sein sollte... und der vermutlich zur ersten Weltweiten Krise werden wird.
Es gibt nur zwei Beispiele für eine größere Kreditschrumpfung im 20. Jahrhundert. In beiden Fällen ist die Regierung eingeschritten, um den Korrekturprozess aufzuhalten. Und in beiden Fällen - zuerst in den Vereinigten Staaten nach dem Crash von 1929... und dann in Japan nach dem Crash von 1989 - haben die Regierungsvertreter jede Waffe genutzt, die sie in ihrem Arsenal hatten, um eine Deflation zu verhindern. Und in beiden Fällen ist es ihnen nur gelungen, das Leid noch zu vergrößern... und die Erholung auf weit mehr als ein Jahrzehnt auszudehnen.
Haben Sie Mitleid mit den armen Investoren in Japan. Anfang 2008 warten sie bereits 18 Jahre auf eine Erholung. Stattdessen bekamen sie einen weiteren Einbruch bei ihren Aktienkursen um 50%.