Nur eine Bärenmarktrallye ...
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 26. November 2002 18:00 Uhr
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Wal-Mart und Home Depot könnten in diesen Tagen Probleme haben, kaufbereite Shopper anzuziehen – die New Yorker hat solche Probleme nicht. Die Investoren kaufen wieder alle möglichen Aktien, besonders gerne die glitzernden High Tech-Aktien ... Moment Mal, werden die eventuell knapp? Der Dow Jones stieg letzte Woche um 225 Punkte, das war die siebte Woche in Folge mit einer positiven Performance. Der Nasdaq-Composite legte letzte Woche 4 % zu.
"Das Verschwinden der Angst und die neue Risikofreude sind unverwechselbare Charakteristika des jetzigen Marktes", so das Magazin Barron's. "Junkbonds sind im Vergleich zu den US-Staatsanleihen deutlich teurer geworden, die Risikoprämien haben sich demnach verringert." Tja, im Moment steigt im Verhältnis zu den amerikanischen Anleihen fast alles. Die selbe "Die Wirtschaft erholt sich"-Täuschung, die zu den steigenden Aktienkursen führt, führt am Staatsanleihenmarkt zu Verkäufen. Die Rendite der 10jährigen T-Bonds steht mittlerweile bei knapp 4,2 %.
Aber obwohl die Aktien- und Anleihenmärkte eine Wirtschaftserholung "kommen sehen", gibt es dafür noch keine harten Fakten. Die Ergebnisschätzungen fallen zum Beispiel noch schneller, als die Aktienkurse steigen. "Das erwartete Gewinnwachstum für die im S&P 500 enthaltenen Technologiegesellschaften ist für das vierte Quartal auf 17 % zurückgenommen worden – am 1. Oktober lag die Schätzung noch bei 32 %", so Barron's. "Die Technologieunternehmen haben einen Anteil von rund 5 % an den Gesamtgewinnen der im S&P 500 unterhaltenen Unternehmen (gemessen an den Gewinnschätzungen für nächstes Jahr), aber ihr Anteil an der Marktkapitalisierung liegt bei 15 %." Angesichts des ernüchternden Gewinnausblicks für Technologieunternehmen kommt Barron's zu dem Fazit, dass die Investoren "durch das falsche Ende des Teleskops sehen, wenn sie eine fundamentale Erholung in dieser Gruppe sehen."
Seit dem 9. Oktober hat der S&P 500 über 20 % zugelegt. Die jubelnden Bullen erklären bereits, dass es sich um einen neuen Bullenmarkt handelt, während die Bären sagen, dass es sich um eine klassische – wenn auch spektakuläre – Bärenmarktrallye handelt.
Comstock Partners sind auf der Bärenseite zu finden und meinen, "dass der S&P 500 auch im Frühjahr 2001 um 22 % gestiegen sei, und von Ende 2001 bis Anfang 2002 sei es um vergleichbare 24 % nach oben gegangen." Beide Entwicklungen liefen letztlich aus und der Bärenmarkt ging weiter.
"Ist die derzeitige Rallye an der Wall Street anders als die zwei zuvor?" Dies fragt sich Stephen Roach von Morgan Stanley. "Oder ist sie nur eine Bullenfalle – eine Rallye, die angesichts eines möglichen zweiten Rückfalls in die Rezession einfach nicht weitergehen kann?"
Ich denke, dass das zweite richtig ist. Und wenn dies keine Bärenmarktrallye ist, dann SOLLTE es zumindest eine sein. Die Aktien sind immer noch teuer – aber sie sind schon wieder sehr beliebt geworden. Mit anderen Worten, der irrationale Übermut wächst wieder.
Nehmen wir nur den Index der Halbleitertitel (SOX). "Trotz dem jüngsten Anstieg von 38 % notiert der SOX immer noch 75 % unter seinem Top vom März 2000", so die Financial Post. "Aber unter fundamentalen Gesichtspunkten ist der Halbleitersektor alles andere als günstig bewertet. Der SOX spiegelt ein KGV von 535 wider, und das erst für nächstes Jahr. Für das laufende Jahr lässt sich kein KGV errechnen, weil die durchschnittliche Gesellschaft dieses Sektors in diesem Jahr Verluste gemacht hat." Also ein geschätztes KGV '03 von 535! Sind das die Bewertungen, die einen neuen Bullenmarkt begründen?
Auch der Preis für einen Platz am "Big Board" der New Yorker Börse bleibt hartnäckig hoch. Normalerweise fiel dieser Preis während früherer Bärenmärkte, so Michael Santoli vom Barron's Magazin. "Der letzte Platz wurde Anfang des Jahres für 2,5 Millionen Dollar verkauft. Das ist noch nicht Mal 6 % unter dem Spitzenwert von 2,65 Millionen Dollar (1999 erreicht), obwohl der Dow Jones um 25 % und der marktbreitere S&P 500 um fast 40 % gefallen sind."
Das alles spricht meiner Meinung nach dafür, dass der endgültige Boden noch NICHT erreicht ist.