Nullzinspolitik
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 10. August 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
die US-Notenbank bestätigte auf ihrer gestrigen Sitzung ein Festhalten an der Niedrigzinspolitik und nannte erstmals auch einen Zeitraum dafür: bis mindestens Mitte 2013. Der Zinssatz wurde wie erwartet auf seinem historischen Tiefstand im Zielkorridor zwischen 0,00% und 0,25% bestätigt. Ein von vielen Marktteilnehmern sehnlichst erhofftes neues Anleihe-Kaufprogramm (QE 3) wurde jedoch nicht verkündet. Auch die Wirtschaftslage des Landes beurteilten die US-Geldpolitiker negativer als bei vorangegangenen Zinssitzungen. Das Wachstum im bisherigen Jahresverlauf sei "deutlich langsamer gewesen" als erwartet und die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft hätten zugenommen.
Die letzteren Aussagen schmeckten dem Markt offenbar nicht, so dass es direkt zu einem weiteren Einbruch im Anschluss an die Fed-Sitzung kam. Die Kurse erholten sich jedoch davon kräftig zum Handelsschluss und schlossen deutlich im Plus. Immerhin waren die Aktienbörsen so stark überverkauft wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Eine technische Reaktion auf die vorangegangenen Verluste ist daher sehr wahrscheinlich. Wie weit diese reichen wird, muss sich aber erst noch zeigen. Echte Bärenmarkt-Rallys dauern mehrere Monate, schaffen es aber selten, prozentual mehr als 40 Prozent der vorangegangenen Kursverluste wieder aufzuholen, bevor neue Tiefs rufen. Außerdem werden die größten Kursgewinne dabei am Anfang verzeichnet, also wenn man zufällig genau das Tief erwischt hat. Danach flachen die Bewegungen deutlich ab und kippen schließlich ganz.
In der aktuellen Börsensituation empfiehlt sich das Halten hoher Cashbestände, die Verkleinerung der Tradingpositionen und ein trendkonformer Einstieg in Richtung fallende Kurse an markanten Widerständen nach ausgeprägten Erholungen (bzw. Ausstieg aus noch vorhandenen Aktienpositionen, falls noch nicht geschehen). Ansonsten überrollt Sie entweder der Abwärtstrend oder die Volatilität. Hier finden Sie einen regelmäßige, ausführliche und obendrein noch kostenlose Markteinschätzung von mir:
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Bläser (10.08. 2011 10:04 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, Ihre Chartanalyse und die daraus folgende Anlagestrategie sind wirklich allererste Sahne.Der Grund für den Rutsch war m.E. eindeutig die viel stärker als erwartet sich andeutende Abschwächung der US-Wirtschaft, die überraschend kam (Heli-Ben hatte ja noch vor kurzem mit einer Konjunkturverstärkung gerechnet). Und die Erkenntnis, dass das Pulver des Staates und der FED verschossen ist. Als Strategie könnte man den sukzessiven Einstieg in Reverse-Bonuszertifikate erwägen. Mit freundlichen Grüssen, W. Bläser
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (10.08. 2011 10:53 Uhr):
Die Finanz-Junkies hängen halt an der Geld - Spritze, aber niedrige Zinsen sind noch nicht genug, für einen "ordentlichen Trip" braucht man einfach noch viel mehr Stoff ! In Euroland wird Frau Doktor Merkel gegen den "Turkey" bestimmt mit dem gepumpten deutschen Stoff einspringen, und alles wird gut ! Und wenn das nicht reicht, kommen ihre Kollegen aus den anderen Fraktionen mit noch viel mehr !
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