Notenbanksitzung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 16. Dezember 2009, 08:30 Uhr
ENL5454
gestern gab es eine ganze Menge Konjunkturdaten, von denen ich mir heute nur die wichtigsten herausgreifen und kommentieren will. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für die Eurozone sind im Dezember unerwartet deutlich um 3,8 Punkte auf 48,0 Punkte gefallen. Erwartet wurde hier nur ein Rückgang auf 49,9 Punkte. Wieder so ein Ausrutscher?
In den USA ist der Empire State-Index zur Messung der Aktivität des verarbeitenden Gewerbes im Großraum New York im Dezember von 23,5 Punkten auf 2,55 Punkte eingebrochen (Erwartung: Anstieg auf 24 Punkte). Nein, Sie haben sich nicht verlesen: auf 2,55 Punkte. Der Index steht damit nur noch knapp über der Nulllinie, die Wachstum indiziert. Und es handelt sich um einen Frühindikator, der Hinweise auf die wirtschaftliche Aktivität der kommenden Monate liefert. Das macht den Einbruch umso dramatischer.
Sicher: Man kann diese Daten als „Ausrutscher" abtun. Nur ist die Häufung negativer Überraschungen in letzter Zeit sehr auffällig. Den Aktienmarkt hat es bisher jedenfalls nicht besonders gekümmert. Auch gestern stand nur ein nahezu unveränderter Kursschluss zu Buche. Allmählich scheint so etwas wie kollektiver Realitätsverlust einzusetzen. Negative Wirtschaftsdaten werden einfach umbewertet. Motto: Da bleiben wenigstens die Zinsen niedrig.
Doch auch das wird mit den jüngsten Inflationsdaten langsam fraglich. Wie gestern ebenfalls gemeldet wurde. Ist in den USA der Erzeugerpreis-Index im November um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Erwartet wurde lediglich ein Anstieg von 0,8 Prozent. Auf Jahressicht legten die Erzeugerpreise damit um 2,4 Prozent zu, was auf dieser Basis der ersten Steigerung seit November 2008 entspricht.
Erst kürzlich warnte der ehemalige Chef der US-Notenbank Fed Alan Greenspan: „Wenn die Fed nicht damit beginnt, dass in die Wirtschaft gepumpte Geld wieder abzuziehen, dann sehen sich die USA auf lange Zeit der ernsthaften Bedrohung einer Inflation gegenüber".
Nicht die beste Ausgangslage für die Aktienmärkte also in Bezug auf die heute Abend stattfindende US-Notenbanksitzung. Eine Zinsänderung ist da zwar nicht zu erwarten, wohl aber Hinweise auf eine eventuell geplante Straffung der Geldpolitik im nächsten Jahr, die den Aktienmärkten Probleme bereiten könnte. In der momentanen Jahresendjubelstimmung könnte es allerdings sein, dass die Kurse direkt nach der Sitzung erleichtert wieder anziehen. Motto: Jetzt ist es raus...
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gert Strobel (17.12. 2009 03:06 Uhr):
Ein erfreulicher Beitrag in jeder Hinsicht. Er enthält Tatsachen, die allgemein nicht verbreitet werden und auf Grund des Inhalts auch Schlußfolgerungen erlauben: Die Weltwirtschaft ist eben nicht auf dem Wege der Erholung und das Inflationsgespenst steht stärker denn je vor der Tür der Bevölkerung. Daß, was den Menschen in den täglichen Nachrichten, besonders über die Indizes und die Konsolidierung der Aktienmärkte als Beweis über die Erholung der Volkswirtschaften vorgegaukelt wird, ist eine Lüge, um vor allem Kleinanleger wieder anlocken und abzocken zu können - der Knall kommt erst noch, Gold wird die einzige Währung werden. MfG
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