Notenbankpolitik
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 12. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
was genau den Markt gestern so unter Druck brachte? Ehrlich gesagt, ich habe nicht die leiseste Ahnung, denn es gab keine relevanten Nachrichten. Die Vermutung liegt nahe, dass es die Enttäuschung über die „unzureichende Lockerung der US-Geldpolitik" war oder ähnlicher Käse, den Sie in den gestrigen Marktberichten lesen können. Fakt ist, ein gesunder Markt würde auch ohne solche Maßnahmen funktionieren.
Ich frage mich allmählich: Was ist das denn für eine kranke Wirtschaft und Börse, die nicht aus eigener Kraft, sondern nur noch mit engmaschigen Manipulationen der Notenbanken auf die Füße kommt? Rezessionen sind normalerweise zyklische Ereignisse, die alle paar Jahre auftreten, weil sich Überkapazitäten gebildet haben und Geld in die falschen Projekte geflossen ist. Eine Rezession wirkt langfristig heilsam wie ein Waldbrand, der zuviel krankes Unterholz beseitigt und wieder Platz für das Nachwachsen junger Bäume schafft. Normalerweise braucht es in einer funktionierenden Marktwirtschaft keine Zentralbanken. Die „Dinger" gibt es ohnehin erst seit ca. 100 Jahren. Hauptargument: Sie würden die Inflation bekämpfen (mir bleibt das Lachen im Halse stecken). Als Inflationswächter haben Sie gigantisch versagt (ein Kaufkraftverlust von 99% beim US-Dollar seit Gründung der Fed spricht eine deutliche Sprache!).
Durch die geldpolitischen Manipulationen einer Zentralbank (beschönigend: „Stimulierung" genannt, die Nähe zum Drogenkonsum ist nicht zufällig) wird dieser notwendige Bereinigungsprozess beeinträchtigt. Künstlich niedrige Zinsen lassen Geld in Projekte fließen, die ansonsten unrentabel wären und schlichtweg unterbleiben würden. Außerdem ermöglichen Sie aber einem exklusiven Club von Grossbanken die Spekulation mit nahezu zinslosen Krediten und fördern so die Blasenbildung an den Assetmärkten. Die Zeche dafür bezahlen Sie durch höhere Preise (aktuell sind wieder einige Rohstoffe besonders betroffen wie z.B. Öl).
Flankierend greifen in Rezessionen Politiker zum populären Mittel des „Rettungspaketes" und des „Konjunkturprogrammes". Gerettet wird damit in erster Linie der eigene Sessel, aber nicht die Konjunktur. Vielmehr ermöglichen es solche Programme schlecht geführten Unternehmen das Überleben, die eigentlich vom Markt verschwinden müssten, während die starken Unternehmen keine Unterstützung erhalten. Ich nenne das schlicht Wettbewerbsverzerrung. Wir wollen aber nicht die neu gebildeten Blasen vergessen (2000 Internet, 2007 Immobilien, 2010 US-Staatsanleihen), die IMMER mit einem lauten Knall platzen und langfristig Preise unterhalb des Ausgangsniveaus der Blase mit sich bringen.
Fazit: Notenbanken bewirken mit ihren geldpolitischen Eingriffen genau das Gegenteil von Stabilität. Sie setzen die Marktkräfte teilweise außer Kraft, fördern die Blasenbildung und schaffen damit Chaos und Inflation, nur damit kurzfristig Wachstum ausgewiesen werden kann - offenbar um jeden Preis. Ich bitte die Länge des Textes zu entschuldigen, aber das Thema war mir aus aktuellem Anlass wichtig (es ließ sich dennoch nur kurz anreißen).
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