Notenbankpolitik
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 6. Mai 2011, 08:30 Uhr
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die gestrige Sitzung der europäischen Zentralbank brachte keinen befürchteten Zinsanhebungsschritt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet beließ es bei Verbalakrobatik. Seinen Aussagen zufolge sind die Inflationsrisiken im Euroraum weiterhin aufwärts gerichtet. Dabei stellen gerade die hohen Energiepreise ein Risiko für die Preisentwicklung dar, so Trichet. Er verwies auch auf die anhaltend hohe Liquidität in den Märkten. Entscheidend sei, dass sich der jüngste Preisauftrieb nicht in einen breit angelegten Inflationsdruck verwandelt. Der Zielwert der EZB für die Teuerung liegt bei 2,00 Prozent. Im April lag die Inflation jedoch bei 2,80 Prozent. Sie können davon ausgehen, dass die EZB bei einem weiteren Anstieg der Inflationsrate mit einem erneuten Zinsanhebungsschritt reagiert.
Ganz andere Töne hören wir stattdessen aus Kreisen der amerikanischen Notenbank. Nach Einschätzung des neuen Präsidenten der Fed von San Francisco, John Williams, ist die US-Wirtschaft nicht dem Risiko einer ausufernden Inflation ausgesetzt. Ähnlich wie sein Chef Bernanke geht er davon aus, dass die hohen Rohstoffpreise nur von vorübergehender Dauer sein werden. Seinen Aussagen zufolge ist die US-Wirtschaft stark genug, im zweiten Quartal eine Wachstumsrate von 3,0 Prozent zu erreichen, nachdem das Wachstum im ersten Quartal mit 1,8 Prozent enttäuscht hatte. Im Laufe des Jahres sollte sich das Wachstum weiter beschleunigen, so Williams. Zu einem möglichen Ausstiegsplan aus der lockeren Geldpolitik sagte er, dass dessen Zeitpunkt von der Erholung der US-Wirtschaft abhänge. Sobald die Fed Zeichen sehe, dass sich eine länger anhaltende Periode mit höherer Inflation anbahnen könnte, werde sie schnell handeln, so Williams weiter. Na, wenn sie den Zeitpunkt bis jetzt noch nicht sieht, wann dann?
Es ist kein großes Geheimnis mehr, das die Amerikaner wegen ihrer viel zu hohen Staatsverschuldung nicht mehr so einfach aus ihrer lockeren Geldpolitik aussteigen können und sich die Lage deshalb schönreden. Höhere Zinsen sind mit dieser Verschuldungsrate schlichtweg nicht tragbar - es sei denn, die Mutter aller Aufschwünge würde stattfinden und dem Land sprudelnde Steuereinnahmen bescheren. Davon sind wir aber weit entfernt. Aber scheinbar haben die Amerikaner jetzt einen Weg gefunden, die hohen Rohstoffpreise (zumindest kurzfristig) in den Griff zu bekommen. Durch die mehrfache Erhöhung der Marginanforderungen an den Terminmärkten für Silber ist schon mal der spekulativ aufgeblasene Silberpreis ordentlich eingeknickt. Als gestern Befürchtungen umgingen, dass ähnliche Maßnahmen auch am Ölmarkt greifen könnten, brach der Ölpreis zeitweise um 10 Prozent ein. Bei Öl haben wir schon lange eine blasenartige Entwicklung. Trotz voller Lager stiegen die Preise nur aufgrund der Spekulation.
Ob sich damit Blasen jedoch dauerhaft verhindern lassen, solange die Liquidität an den Märkten weiter fleißig sprudelt, ist fraglich. Einen Tipp habe ich aber für Sie: Sie sollten diesen Preiseinbruch beim Öl nutzen. Tanken Sie in den nächsten Tagen voll. Durch den unterproportionalen Rückgang des Euros dürften die Benzinpreise an deutschen Zapfsäulen in diesen Tagen erheblich günstiger geworden sein.