Notenbanken zwischen Verschuldung, Wirtschaftswachstum und Inflation
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 15. Juli 2011, 13:00 Uhr
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am Mittwoch berichtete ich über die jüngsten Meldungen, "wonach Italien das nächste Griechenland werden könnte." Hierzu möchte ich Ihnen gerne noch ein paar Eckdaten präsentieren, die Ihnen helfen sollen, diese Meldungen in einen Kontext zu stellen.
Schuldenkrise würde neue Dimension erreichen
Außer Frage steht, dass die Schuldenkrise mit Italien eine neue Dimension erreichen würde. Das Land ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion und mit 120% des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. In der Euro-Zone kommt nur Griechenland auf einen höheren Wert. Italiens Verbindlichkeiten betragen 1,8 Billionen Euro, das BIP liegt bei 1,5 Billionen.
Zum Vergleich:
Deutschlands Staatsverschuldung beträgt ebenfalls fast 1,8 Billionen Euro, also genau so hoch wie in Italien, das BIP jedoch liegt deutlich höher bei 2,4 Billionen.
Die Zahlen für Griechenland betragen gerade mal etwa ein Zehntel dessen: Das BIP liegt bei ca. 240 Milliarden Euro bei einer Verschuldung von 350 Milliarden.
Die Rendite für italienische Papiere mit zehn Jahren Laufzeit erreichte mit zuletzt 5,375% den höchsten Stand seit Einführung des Euro vor zwölf Jahren.
Deutsche Banken bangen um Milliarden
Italien zählt zu den größten Schuldnern der deutschen Finanzinstitute im Euro-Raum. Laut einem Handelsblatt-Artikel steht Italien mit insgesamt gut 116 Milliarden Euro in der Kreide, wobei rund 36 Milliarden Euro auf den italienischen Staat entfallen. An italienische Banken haben deutsche Kreditinstitute rund 37 Milliarden Euro verliehen. Der Rest ging an italienische Unternehmen.
Zur Absicherung Italiens werden inzwischen Stimmen laut, die eine Aufstockung bzw. Verdopplung des Euro-Rettungsschirms auf 1500 Mrd. Euro fordern.
Von solchen Problemen können wir nur träumen
Mit ganz anderen Problemen hat derzeit China zu kämpfen. Die chinesische Wirtschaft konnte im zweiten Quartal weiter deutlich um 9,5% gegenüber dem Vorjahr zulegen. Schon seit geraumer Zeit legt die Wirtschaft in diesem Tempo zu. Im Vorquartal war die Wirtschaftsleistung sogar noch stärker um 9,7% gewachsen.
China hat das Problem, dass die Regierung weder das starke Wachstum der Wirtschaft noch die hohe Inflation in den Griff bekommt, obwohl in der Vergangenheit mehrfach bereits die Zinsen angehoben wurden. Aber von solchen Problemen können wir hier und auch insbesondere die USA nur träumen.
Fed hält sich alle Optionen offen
Apropos USA: Wie aus den am Dienstag veröffentlichten Protokollen der vergangenen Sitzung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) im Juni hervorgeht, sprachen sich einige Mitglieder für eine weitere Lockerung der Geldpolitik aus, wenn die Wirtschaft weiterhin schwächelt, die hohe Arbeitslosigkeit nicht reduziert werden kann und die Inflation wie erwartet zurückgeht.
Für den Fall, dass der jüngste Inflationsanstieg nicht nachlässt, sollte die Fed nach der Meinung anderer Mitglieder darüber nachdenken, die Zinsen früher als erwartet zu erhöhen.
Damit bleibt die zukünftige Richtung der Fed unklar. Der US-Notenbankchef Ben Bernanke hielt sich mit seinen Worten am Mittwoch vor einem Kongress-Ausschuss sogar die Möglichkeit offen, bei Bedarf erneut die Notenpresse anzuwerfen. Die dritte Runde eines geldpolitischen Programms (QE 3) wäre also durchaus möglich, was den Märkten nach den Turbolenzen rund um die Italien-Meldungen zu einer deutlichen Erholungsbewegung verhalf.
Es gilt also, sowohl das Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosigkeit als auch die Inflation in den USA genau zu beobachten. Natürlich werde ich hier im Wave Daily weiterhin genau über diese Themen berichten.
Preise legen den Rückwärtsgang ein
Apropos Inflation: Der Index der Großhandelsverkaufspreise für Deutschland lag im Juni 2011 um 8,5% über dem Stand von Juni 2010. Im Mai 2011 hatte die Jahresveränderungsrate +8,9% betragen, im April +9,2%. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, sank der Großhandelsverkaufspreisindex gegenüber dem Vormonat Mai um 0,6%.
Ja, Sie haben richtig gelesen, ich wiederhole es aber noch einmal: die Preise sanken gegenüber dem Vormonat um 0,6%!
Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse verbilligten sich im Vergleich zum Vormonat um 2,1%, die Preise für Erze, Metalle und Metallhalbzeug fielen um 0,2%.
Und auch die US-Erzeugerpreise sind im Juni um 0,4% überraschend gesunken.
Die Notenbanken scheinen damit weiterhin Recht zu behalten, dass sich die rohstoff- und energiepreisgetriebene Inflation in der zweiten Jahreshälfte deutlich abschwächen wird.
Inzwischen wurden auch die vorläufigen Ergebnisse zu den Verbraucherpreisen in Deutschland (+2,3% im Juni gegenüber dem Vorjahr) und der EU (+2,7% im Juni gegenüber dem Vorjahr) bestätigt.
Die vorlaufenden Preisindikatoren, wie die Großhandelspreise oder die Erzeugerpreise, werden sich sehr wahrscheinlich bald auch in den Verbraucherpreisen widerspiegeln. Die EZB wird daher wohl in der nächsten Zeit keinen Bedarf mehr an weiteren Zinserhöhungen sehen. Und die Fed könnte neuen Handlungsspielraum erhalten, wenn dort die inflationären Tendenzen nachlassen (siehe oben zum Thema Fed).