Daniela Knauer legt großen Wert auf eine Streuung der Depotwerte und die strikte Einhaltung von Stopp-Kursen. Darauf weist sie ihre Leser regelmäßig hin.
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom
dass ich mich derzeit auf Reisen befinde, hatte ich Ihnen ja schon in der vergangenen Woche berichtet. Der Weg führte mich bis an den äußersten Zipfel Nordeuropas, ans Nordkap, ins Reich der Mitternachtssonne in Norwegen also. Ein guter Grund, mich heute auf Norwegen als reichstes Rohstoffland Europas zu konzentrieren. Bevor wir uns auch zu diesem Staat die Informationen aus der zuletzt häufiger erwähnten Fraser-Studie ansehen, will ich Ihnen heute erst einmal einige grundlegende Informationen zu dem reichen Nachbarn im Norden geben.
Die erste Blüte schufen die Wikinger
Eine äußerst wechselhafte Geschichte prägte diese Nation. Norwegen als selbständiger Staat existiert eigentlich erst seit dem 13. August 1905, als die Norweger sich mit großer Mehrheit gegen die Fortführung einer Union mit Schweden wendeten. Dennoch spielten norwegische Volksstämme schon lange vorher eine wichtige Rolle in der Weltgeschichte. Am bekanntesten sind wohl die Wikinger, die im frühen Mittelalter mit ihren Beutezügen ganze Teile der Welt in Angst und Schrecken versetzten und dabei neue Ländereien bis zum amerikanischen Kontinent entdeckten. Grundlage dafür waren ihre sehr schnellen und besonders seegängigen Langschiffe, mit denen sie auf allen Ozeanen unterwegs waren, aber auch Flüsse befahren konnten. Noch heute gilt Norwegen als eine der besten Schiffsbaunationen der Welt, besitzt eine große Handelsflotte und stellt mit die besten Bohrinseln her.
Exportnation zu Zeiten der Hanse
Das rund zweihundert Jahre unter den Wikingerherrschern geeinte Land erlitt 1066 in England eine vernichtende Niederlage, die zu seinem Niedergang beitrug. Die große Zeit der Eroberungsfeldzüge war vorüber, stattdessen prägten Kämpfe um die Christianisierung des Nordens die folgende Epoche. In den Nordmeeren gewann die Hanse entscheidende Bedeutung. Die gut organisierten Kaufleute aus Norddeutschland und angrenzenden Gegenden wurden die wichtigsten Handelspartner und bauten in weiten Teilen Skandinaviens ihre Stützpunkte aus. Noch gaben die norwegischen Stämme gute Handelspartner ab. Reiche Fischgründe und die clevere Konservierung der Beute zu trockenem Stockfisch ließen sich gut in den Rest Europas exportieren. Dazu kamen Wild, Felle, Tran aus dem Walfang und große Mengen Holz aus dem dicht bewaldeten Hochland, die als Handelswaren begehrt waren. Auch Rohstoffe wurden bereits abgebaut, so war der Silberschmuck aus dem Norden bekannt und beliebt.
Der Schwarze Tod brachte großes Elend
Den schlimmsten Schlag in der Geschichte versetzte jedoch der Schwarze Tode den Nordmännern. Die Pest kam wahrscheinlich um 1350 mit dem Schiff aus England und raffte innerhalb kurzer Zeit die Hälfte der damaligen Bevölkerung von 350.000 Menschen dahin. Das Land versank für längere Zeit in der Bedeutungslosigkeit und trat im Abkommen von Kalmar 1397 einer Union mit Schweden und Dänemark bei. Erst 1814 erhielt Norwegen nach den Napoleonischen Kriegen für kurze Zeit wieder die Unabhängigkeit und gab sich eine liberale Verfassung, die bis heute fast unverändert Bestand hat. Noch folgten allerdings 91 Jahre einer Union mit Schweden, bevor Norwegen 1905 endgültig die Unabhängigkeit in der heutigen Form einer konstitutionellen Monarchie mit parlamentarischem Regierungssystem gewann.
Die Besatzung durch die Deutschen zerstörte die Küstenstädte
Während Norwegen im ersten Weltkrieg mit den anderen Skandinaviern noch die Neutralität wahren konnte und relativ wenig Schäden erlitt, forderte die deutsche Besatzung ab 1940 gewaltige Opfer. Deutschland hatte die strategische Bedeutung der Häfen und nordischen Schifffahrtswege mit eisfreien Häfen durch den Golfstrom frühzeitig erkannt. Große Teile der Küstenstädte wurden zerstört, die Infrastruktur stark beschädigt. Selbst heute noch sind die Überreste aus dieser Zeit in vielen Regionen unübersehbar. Doch dieses Trauma führte wohl auch dazu, dass in der jüngeren Zeit die norwegische Infrastruktur zu einer der besten und modernsten Europas ausgebaut wurde als das Land zu neuem Reichtum kam.
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