Norwegen: So urteilt die Fraser-Studie

in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom


in der Fußball-EM 2012 müssen wir diesmal auf die Norwegische Mannschaft verzichten, sie konnten sich vorab nicht qualifizieren. Was die Wirtschaft angeht, sind die Norweger jedoch als eine der wohlhabendsten und erfolgreichsten Nationen Europas aus anderem Holz geschnitzt. Am 05.06. berichtete ich Ihnen bereits über die Nachbarn im Norden mit den vielen Rohstoffen, aber wenigen Menschen. Heute wollen wir diese Länderschau fortsetzen mit den interessantesten Ergebnissen aus der aktuellen Fraser-Studie, Details über diese wichtige Untersuchung zum weltweiten Länderranking der Bergbaunationen habe ich Ihnen am 20.04. berichtet. Da die Umfrage nur unter Bergbauunternehmen durchgeführt wurden, sind die Ergebnisse nicht auf die für Norwegen so entscheidende Öl- und Gasindustrie anwendbar. Auf diese werde ich in einem weiteren Artikel noch zu sprechen kommen.



Beim PPI landet Norwegen nicht unter den Top Ten

Betrachten wir wieder einmal zuerst den Policy Potential Index PPI an, in dem alle Detailangaben zu einem Gesamtranking zusammengefasst sind. Hier sind in den jüngsten Erhebungen zwar zwei nordeuropäische Nationen in die Top Ten aufgestiegen, aber Norwegen ist nicht dabei. Schweden und Finnland rangieren nun unter den Nationen mit der günstigsten Umgebung für Bergbau weltweit. Erstere auf Platz sieben von 93, Letztere sogar auf Platz zwei. Norwegen ist im Vergleich dazu relativ weit abgeschlagen auf Platz 24, aber damit immer noch im oberen Drittel der bewerteten Nationen. Vor allem im Jahr 2009/10 rutschte Norwegen ab bis auf Platz 31 von damals 72 teilnehmenden Nationen. Seither verbessert sich das Ranking wieder.

Keine Korruption ...

Sehen wir uns nun im Detail an, warum Norwegen nicht besser bewertet wird, obwohl es sich um ein Land mit uralter Bergbautradition handelt. An der Korruption kann es nicht liegen, denn hier rangiert Norwegen unter den Spitzenplätzen mit Rang zwei nach Schweden und vor Finnland auf Platz drei. Nicht so gut erscheint jedoch die Rangliste, wenn wir das mineralische Potenzial unter den gegenwärtigen Bedingungen von Landnutzungsrechten und Regulierungen betrachten. Hierbei ist Norwegen im vergangenen Jahr deutlich abgefallen. Nur noch Platz 64 von 93 wurden unter diesem Kriterium erreicht nach 36 von 79 zuvor.

... aber trotzdem schwierige Bedingungen

Auch unter dem Kriterium der besten politischen und regulatorischen Bedingungen bei gegebener Mineralisation hat sich Norwegen seit Jahren verschlechtert. Derzeit wird nur noch Rang 80 erreicht. Ich führe das vor allem auf die starke Norwegische Krone zurück, durch die Arbeitskosten im Land verteuert werden, während die Einnahmen in US-Dollar eher fallen. Dadurch wird nicht nur der Abbau von Erzen unrentabler, sondern auch die Exploration nach neuen Rohstoffvorkommen wird erheblich erschwert. Denn wer kann sich als Explorer ein solch teures Land leisten, wenn vergleichbare Vorkommen in anderen Staaten deutlich billiger zu erschließen sind?

Die Probleme sind schwierig zu lösen

Da die Norweger ihre Währungsentwicklung nur bedingt steuern können, schneidet das Land auch unter dem Kriterium "Verbesserungsmöglichkeiten" nur mittelmäßig ab. Kein Wunder, wenn das politische Umfeld relativ günstig ist, es nahezu keine Korruption gibt, die Nutzungsrechte zufriedenstellend sind und die Behörden wenig Steine in den Weg legen - was soll die Regierung da noch tun, um das Umfeld zu verbessern? Arbeitskräfte kann sie nicht herbeizaubern (auch wenn es in Norwegen als Ausnahme in Europa sogar noch Bevölkerungswachstum gibt) und der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften wird bereits relativ liberal gehandhabt. Problem sind hohe Arbeitskosten (bei einer recht starken Gewerkschaft), ein leergefegter Arbeitsmarkt und wiederum der hohe Außenwert der Norwegischen Krone. Dieser ließe sich wohl am einfachsten durch einen Beitritt Norwegens zur Eurozone schwächen. Aber genau das lehnen die Norweger kategorisch ab - wirklich nicht zu unrecht, wenn wir uns die jüngsten Turbulenzen im Euroraum ansehen, wo Norwegen natürlich als Nettozahler hochwillkommen wären.


von
Daniela Knauer
Daniela Knauer

Daniela Knauer legt großen Wert auf eine Streuung der Depotwerte und die strikte Einhaltung von Stopp-Kursen. Darauf weist sie ihre Leser regelmäßig hin.

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