Nokia: Europäischer Konjunkturindikator
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 16. Oktober 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
es gibt für jede Wirtschaftsregion größere Standardwerte, deren Geschäftsverlauf und Ausblick so etwas wie ein Gradmesser für den Zustand der jeweiligen Ökonomien ist. Für die USA werden dabei häufig der Industriegüterhersteller General Electric und der Stahlhersteller Alcoa genannt. In Europa gehört das Mobilfunkunternehmen Nokia zu diesen Kandidaten. Die Finnen haben sich in ihrer Firmengeschichte schon häufiger grundlegenden Wandlungsprozeßen unterzogen. Angefangen als Hersteller von Reifen mutierte Nokia zum größten Handyhersteller der Welt. Dies katapultierte den Aktienkurs von 3 Euro Anfang der Neunziger Jahre auf knapp 65 Euro im Jahre 2000, zum Höhepunkt der Internethausse. Aktuell nehmen wegen der weltweiten Finanzkrise auch bei den Finnen die Sorgen um die weiteren Wachstumschancen im Mobilfunkmarkt zu. Um die Abhängigkeit von der stark zyklischen und immer kostenintensiveren Handyproduktion zu verringern, hat sich das Unternehmen darauf verlegt, die Verknüpfung von Mobilfunk und Internet zu forcieren. Die Installierung und Weiterentwicklung von intelligenten Netzwerken gehört deshalb zu den wichtigsten Geschäftsbereichen von Nokia.
Im Vorgriff auf die auch in Europa steigenden Rezessionsorgen und den kräftigen Kursrückgang in den USA hat die Aktie im Rahmen der Verluste am Gesamtmarkt rund 10 Prozent an Wert verloren. Dabei bewegt sie sich mittlerweile am unteren Rand eines Abwärtstrendkanals, der sich seit Oktober 2007 etabliert hat. Die jüngste Verschärfung der Abwärtsbewegung ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass mit dem Zusammenrbruch einiger größerer Investmentbanken auch potentielle Großkunden für das Unternehmen verloren gegangen sind. Da die Finanzbranche ohnehin zu den besten Kunden der Technologiekonzerne im allgemeinen gehören, verwundert die kurstechnische Reaktion der Aktie nicht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Konzernen sind höhere Tagesschwankungen bei der Aktie von Nokia nicht ungewöhnlich. Kursaufschläge- oder verluste von 5 bis 10 Prozent gehören zur normalen Volatilität des Titels
Häufig ist gerade im Vorfeld der Veröffentlichung von Quartalsbilanzzahlen zu beobachten, dass es kurstechnisch zu einer größeren Bewegung kommt, die nach Veröffentlichung der Bilanz dann sofort wieder in die andere Richtung revidiert wird. Zwar hängt an dieser Feststellung keine Gesetzmäßigkeit, doch sollte es dabei helfen, wenn es darum geht, bestimmte Verhaltensmuster bei diesem Titel zu verstehen. Gerade zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Bilanz um 12.00 Uhr steigt diese Diskrepanz nochmals stark an. Kursgewinnen von 10 Prozent innerhalb von Sekunden folgen ein Tick später Verluste von 10 Prozent und umgekehrt. Dies hängt oft mit den nicht ganz leicht zu interpretierenden Zahlen von Nokia zusammen. Der zweite Blick zeigt meistens ein ganz anderes Bild als Erste, insbesondere in Verbindung mit dem Ausblick. Gemessen an der aktuellen charttechnischen Situation könnte die Aktie auch wieder eher in die unerwartete Richtung marschieren. Weder das Momentum noch der MACD haben den gestrigen Kursverlust noch richtig nachvollzogen. Eine deutlichere Aufwärtsreaktion würde vor diesem Hintergrund nicht überraschen.
