Noch mehr Krisen ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 12. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In der ersten vollen Handelswoche des Jahres 2004 konnte sich der deutsche Leitindex über der 4000 Punkte Marke behaupten, obwohl die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag schockierend schwach ausgefallen waren.
Nicht umsonst mußten Dow Jones und Nasdaq zum Wochenschluß deutliche Verluste hinnehmen. Richtig, die Lage am Arbeitsmarkt im Dezember war extrem enttäuschend. Optimisten setzten auf 100 000 neue Stellen, de facto waren es klägliche 1000. Anders formuliert, diese Daten sehen wahrlich nicht nach einem starken, nachhaltigen US-Wirtschaftsaufschwung aus. Es sind viele Anzeichen, die auf eine ernste Krise am Arbeitsmarkt hindeuten.
Wieder einmal mußte das verarbeitende Gewerbe einen Stellenverlust von 26000 hinnehmen. Insgesamt waren im Gesamtjahr 2003 über 500000 Menschen weniger in der US-Industrie beschäftigt. Seit dem Jahr 2000 gingen über drei Millionen Industriearbeitsplätze verloren. Zudem sank die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel trotz Weihnachtsgeschäftes um 38000! Diese Tatsache zeigt klar auf, daß wohl selbst die Einzelhändler kaum von einer weiteren Nachfragestärke ausgehen.
Auch erstaunlich, daß die offiziell ermittelte Arbeitslosenrate auf 5,7 % im letzten Monat des Jahres 2003 fiel. Naja, nicht wirklich verwunderlich, zumal ungefähr 1,5 Millionen Menschen einfach aus der Statistik fielen. Diese Menschen gaben schlicht mangels Erfolg die Suche nach einer Arbeitsstelle entmutigt auf.
Ebenso alarmierend ist, daß selbst bei "teenagern" die Arbeitslosigkeit weiter anstieg auf nunmehr 16,1 %. Von der geleisteten Wochenarbeitszeit, die mit nur 33,7 Stunden ausgewiesen wurde bzw. dem um mehr als 2 $ auf durchschnittlich 522,35 $ gesunkenen durchschnittlichen Wochenlohn ganz zu schweigen.
Würde es sich um eine wahrlich starke Wirtschaftslage, einen starken, sich selbst tragenden Aufschwung handeln, müßten 150000 bis 200000 neue Stellen pro Monat geschaffen werden! Daß die Lage am deutschen Arbeitsmarkt (im Jahr 2003 ging die Zahl der Beschäftigten um über 600 000 zurück) desaströs ist und auch die binnenwirtschaftliche Nachfrage in Deutschland mehr als nur schwächelt, liegt ohnehin auf der Hand.
Indes deuten sich in den letzten Tagen mehr denn je auch Hinweise auf einen neuerliche Ölkrise an. Der Ölpreis erreichte den höchsten Stand seit dem Krieg gegen den Irak. Nicht nur die kalte Witterung in den USA bzw. extrem niedrige (auf einem 28-Jahres-Tief!) Öl-Lagerbestände, sondern auch die Meldung, daß der Royal Dutch/Shell-Konzern seine Schätzungen für die als gesichert geltenden Ölreserven um 20 Prozent nach unten revidieren mußte, zeichnet neben der weiterhin vorherrschenden geopolitischen Instabilität für diese Entwicklung verantwortlich. Beobachten Sie auch in den kommenden Tagen die Tendenz beim Ölpreis!
Daneben geht auch die Krise des $ weiter. Jedenfalls ist es fast spürbar, wie die Nervosität der Marktteilnehmer, bisweilen gar der Autoritäten zunimmt. Vor diesem Hintergrund ist auch der Besuch des Fed-Chefs Greenspan im Euroland in den nächsten Tagen zu sehen. Ganz spannend wird es ab einer Marke von 1,30 $ pro Euro. Ebenfalls hoch interessant wird sein, ob der Goldpreis, bewertet in Euro, sich bald gen "Norden" aufmachen wird. Ja, noch ist für Sie in Europa Gold in Euro sehr, sehr günstig. Nutzen Sie diese Chance!
Wie auch immer, sehen Sie auch im Jahr 2004 in den Krisen nicht nur Gefahren, sondern auch große Chancen. Und, vergessen Sie ja nicht, auch bisweilen das Leben und den Tag zu genießen!