Noch ist es zu früh auf einen fallenden Ölpreis zu setzten!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 30. Juli 2004 18:00 Uhr
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Eigentlich hatte ich gehofft, der Ölpreis würde nach der Nachricht, dass Yukos nun doch kein Förderstop droht, wieder deutlich schwächer notieren. Das ist jedoch nicht der Fall. Er notiert weiter auf sehr hohem Niveau. Das hat auch damit zu tun, das gestern die Energy Information Administration (EIA), eine Informationsstelle des US-Energieministeriums, die neuesten US-Lagerbestandsdaten veröffentlicht hat. Danach haben die USA noch nie so viel Öl wie in der vergangenen Woche importiert(!), trotz hoher Ölpreise. Insgesamt führte der größte Ölverbraucher der Welt durchschnittlich 11,3 Mio. Barrel (159 Liter) Rohöl pro Tag ein. Das waren 1,4 Mio. Barrel mehr am Tag als in der Vorwoche. Der bisherige wöchentliche Import-Rekord lag bei durchschnittlich 10,6 Mio. Barrel.
Dafür gibt es mehrere Gründe, neben dem gestiegenen Verbrauch haben auch die aktuellen Unsicherheiten damit zu tun. Einerseits hat die Yukos-Krise, obwohl sie nun erst einmal vom Tisch ist, die Unsicherheit erhöht, anderseits belastet unverändert die internationale Situation an den Ölmärkten den Ölpreis. Damit sind nicht nur die bekannten und in den Medien oft diskutierten Unsicherheiten im Irak, sondern auch die in anderen Ländern gemeint.
Zum Beispiel findet am 15. August in Venezuela eine Referendum darüber statt, ob Hugo Chávez weiter regieren darf oder ob einen neue Präsidentschaftswahl anberaumt wird.
Hugo Chávez, ehemaliger Militär-Oberst, hatte 1992 einen Staatsstreich initiiert, der jedoch misslang. Nach einer Amnestie wurde er schließlich 1998 zum Präsidenten gewählt. Kritiker und Oppositionelle werfen ihm vor, das Land in die schlimmste wirtschaftliche, politische und soziale Krise der letzten 50 Jahre geführt zu haben.
Zwar geht man davon aus, dass Hugo Chavez das Referendum für sich entscheiden kann, jedoch werden umfassende Generalstreiks im Zusammenhang mit dem Referendum befürchtet. Venezuela ist der fünftgrößte Öllieferant. Bei der angespannten Situation könnte das zu einer Verschlechterung der Ölsituation führen.
Aber auch die Unsicherheiten in Nigeria mit Streiks und Ölförderstops haben einen Einfluss auf den Ölpreis.
Im Prinzip kann man sagen, dass fast in allen wichtigen Gebieten der Welt, in denen Öl gefördert wird, die Unsicherheit in den letzten Jahren zugenommen hat. Das schwarze Gold scheint eine schwarze Seele zu haben. Der Unsicherheitsaufschlag wird zwischen 6 und 12 Dollar je Barrel geschätzt.
Sie kennen meine These, dass der Ölpreis vor der US-Wahl deutlich unter Druck kommen wird – ich halte nach wie vor daran fest. Die Ölbullen hingegen bereiten sich auf weiter steigende Ölpreise vor, überall lesen und hören Sie in letzter Zeit von weiter steigenden Ölpreisen. Aus antizyklischer Sicht ein gutes Zeichen für sinkende Ölpreise. Anfang August wird die Förderquote der Opec noch einmal erhöht. Mitte August könnte das Referendum in Venezuela vielleicht ohne größere Streiks an uns vorbeiziehen.
Aber Short in Öl zu gehen, dazu ist es im Moment etwas zu früh. Wie gesagt, damit sollte man warten, bis der Ölpreis deutlich Schwäche zeigt. Man muss nicht unbedingt das Top erwischen. Generell wäre ich beim Öl, wie ich das schon einmal sagte, sehr vorsichtig – zu undurchsichtig ist dort der Markt und auf mögliche Anschlägen in Saudi Arabien/Irak reagiert der Ölpreis sehr sensibel.
Doch nun zu den Konjunkturdaten, hier warteten einige wichtige Überraschungen auf den Anleger: