Nikkei 225: Index wiedersteht wirtschaftlichem Absturz
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 4. März 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
eine weltwirtschaftliche Schwächephase bringt die Eigenschaft mit sich, dass nunmehr Unterscheidungen zwischen schwachen, schlechten und sehr schlechten Wirtschaftsentwicklungen zu treffen sind. Um es gleich zu Beginn klar zu stellen: Hiermit soll nicht einem weiteren Mal dem aktuellen Trübsal zum Aufschwung verholfen werden, sondern auch die Chancen beleuchtet werden, die sich in der ausgeprägten Schwächephase ergeben. Ganz besonders hart hat es in den vergangenen sechs Monaten Japan getroffen. Ähnlich wie Deutschland und Südkorea ist Land sehr stark vom Erfolg seiner Exporte abhängig. Während Aushängeschilder wie Sony schon von der letzten Aufschwungphase nicht mehr vollständig profitieren konnten, weil strukturelle Probleme das Wachstum des Unternehmens bremsten, kam für den noch vor einem Jahr gefeierten Automobilhersteller Toyota der Absturz praktisch über Nacht. Die Wirtschaftsdaten für das vierte Quartal 2008 in Japan brachen so stark ein wie seit über drei Jahrzehnten nicht mehr. Insbesondere die Abhängigkeit von den besonders zyklischen Industrien Maschinenbau, Elektronik und Automobile macht dem Land zu schaffen.
Zinspolitik im Gleichklang mit den USA
Für die Japaner ergibt sich damit die dritte Wirtschaftskrise innerhalb von knapp 20 Jahren. Den Crash am Aktienmarkt infolge einer Immobilienblase erlebte das Land Anfang der neunziger Jahre. Erst mit der Regierung Koizumi zu Beginn dieses Jahrzehnts wurden die richtigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise getroffen. Zuvor glaubten neben der Notenbank auch wechselnde Regierung eine Verschärfung der Regulierung des Bankensektors und ein paar schon ausgestattete Konjunkturpakete könnten das Problem lösen. Erst Koizumi lockerte die Zügel wieder etwas, sorgte für eine angemessene Rekapitalisierung der Banken und öffnete das zuvor noch weiter abgeschottete Land gegenüber ausländischen Investoren. Die japanische Notenbank begleitete diese Politik mit einem 0-Prozent-Zins und dem Aufkauf von Staats-und Unternehmensanleihen. Dies ist genau jene Maßnahme, mit der die US-Notenbank die hausgemachte Krise bekämpft. Auch in der aktuellen Krise reagiert die japanische Notenbank rasch und will für 1 Milliarde Yen in den nächsten Monaten Unternehmensanleihen aufkaufen. Zudem soll den Banken durch vorteilhafte Rückzahlungsbedingungen bei Ausleihungen die Rekapitalisierung erleichert werden.
Regierung erwägt Eingriffe am Aktienmarkt
Im Gegensatz zum Dow Jones hat der Nikkei 225 nach der Unterschreitung seines Baisse-Tiefs von 2003 bei 7.604 Punkten keinen weiteren deutlichen Abschwung erlebt. Während der Dow rasch weitere 10 Prozent nachgab, konnte der Nikkei 225 sich seit November 2008 bei 7.200 Punkten stabilisieren. Grund für diesen abgebremsten Abschwung ist die erklärte Absicht der Regierung, den Aktienmarkt aktiv durch Stützungskäufe zu stabilisieren. Diese Art der Eingriffe hat in Japan Tradition, wurde sie doch bereits in den sechziger Jahren erfolgreich angewandt. Von der Aktienkursentwicklung hängen auch die Bilanzen der Banken und Unternehmen ab, weil Investitionen dieser Institutionen hauptsächlich im Inland stattfinden. Beschäftigen sich die Unternehmen, wie aktuell auch in den USA und Europa, mit dem Ausgleich entwerteter Aktiva in ihren Bilanzen, kann die Wirtschaft nicht wieder in Schwung kommen. Das Finanzministerium hat bereits eine Gesellschaft gegründet, deren Zweck es ist Banken-Aktien anzukaufen. Finanziert werden die Käufe hauptsächlich durch die Ausgabe von zusätzlichen lang laufenden Anleihen am Rentenmarkt. Legen die Aktienkurse wieder zu, kann die Regierung sogar noch zusätzliche Gewinne zugunsten des Staathaushaltes einfahren. Die Maßnahmen sind von vorneherein begrenzt.
Erholungsbewegung dürfte bald einsetzen
Ein klares technisches Umkehrsignal zeigt sich im Nikkei 225 zwar bisher nicht, allerdings ist die Abwärtsbewegung im MACD-Indikator des langfristigen Chartbildes schon soweit fortgeschritten, dass ein Eindrehen der Trendlinie bald bevorstehen könnte. Das Momentum, das die Dynamik der Abwärtsbewegung misst, zeigt zudem kaum noch erhöhten Abwärtsdruck. Kann der Nikkei das aktuelle Niveau in den kommenden Tagen verteidigen, unterschreitet aber in keinem Fall mehr sein Verlaufs-Tief vom Oktober 2008 bei 6.994 Punkten, wäre mit einer raschen Aufwärtsreaktion in den Bereich um 8.000 Punkten zu rechnen. Darüberhinaus könnten die Bullen dann den Widerstand um 8.800 Punkte ins Visier nehmen. Eine weitergehende Erholung in dem grundsätzlich abwärts gerichteten Markt erscheint angesichts der massiven Widerstände kaum wahrscheinlich. Immerhin der Versuch einer Bodenbildung könnte zumindest gestartet werden. Vorsicht ist angebracht, wenn der Nikkei 225 die Unterstützung bei 7.000 Punkten unterschreitet. Dann müssten mit einer nahtlosen Fortsetzung der Baisse und einem weiteren Kursrückgang bis 6.225 Punkten gerechnet werden.
