Nikkei 225: Hohes Erholungspotential
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 19. Dezember 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
über die langen Leiden, Anleger am japanischen Aktienmarkt zu sein, habe ich im Rahmen dieser Kolumne schon öfters berichtet. Der Nikkei 225 steckt seit seinem Rekordhoch bei knapp 40.000 Punkten Ende 1989 in einer sehr langen Baisse. Ursache war, wie heute in den USA, das Platzen einer Immobilienblase, deren Umfang aber wesentlich größer war als jene in den Amerika. Im Gegensatz zu den USA gab es keine Kombination mit einem zusammenbrechenden Geld- und Derivatemarkt, wohl aber eine Kreditkrise. Im Wechsel zwischen stimulierenden Konjunkturpaketen und wiederkehrenden Nachfrageschwächen werkelte die Politik in den neunziger Jahre ohne nachhaltige positive Wirkung vor sich hin, erhöhte dafür aber die Staatsverschuldung auf dramatische Ausmaße. Erst die Regierung unter dem Premierminister Koizumi begann dringend benötigte strukturelle Reformen und öffnete den bis dahin streng abgeschotteten Markt auch für ausländische Unternehmen. Die Hoffnung auf eine neue Blütezeit der japanischen Wirtschaft, beeinflusst auch den Aufstieg Chinas zur neuen Wirtschaftsmacht Asiens, beförderte den Nikkei 225 zwischenzeitlich wieder auf 18.000 bis 21.000 Punkte.
Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hat der Nikkei 225 im Oktober mit knapp 7.000 Punkten hingegen ein 26-Jahres-Tief erreicht. Der Traum von einer Abkoppelung der asiatischen Wirtschaft von den Entwicklungen in den USA und Europa zerplatzte wieder relativ rasch. Die dramatische Aufwertung der Landeswährung Yen gegenüber dem US-Dollar schlug voll auf die Exportnation Japan, die gerne in einem Atemzug mit Exportweltmeister Deutschland genannt wird, durch. Die Deflation der neunziger Jahre hat die Japaner, ähnlich wie übrigens die Deutschen aus den Erfahrungen der Dreißiger Jahre, zu einer regelrechten Sparnation gemacht, die Investments am Aktienmarkt sehr kritisch gegenüber stehen. Und auch ähnlich wie in Deutschland wird der japanische Aktienmarkt sehr stark von der Nachfrage ausländischer Investoren bestimmt. Schwächt sich diese deutlicher ab, ist das an der Entwicklung des Nikkei 225 sofort erkennbar. Die Verluste entsprechen mit über 40 Prozent in diesem Jahr jenen im DAX.
Parallelen bestehen auch bei dem fundamental und technisch bedingten Gegenreaktionspotential zwischen dem DAX und Nikkei 225. Da die inländischen Unternehmen aus den Erfahrungen der Krise der neunziger Jahre gelernt haben, Produktionskapazitäten rasch der Nachfrage anpassen können und über eine deutlich bessere Eigenkapitalausstattung verfügen als vor rund 10 bis 15 Jahren, sollten sie diese Krise auch spürbar besser bewältigen können. Charttechnisch konnte mit der 38-Tage-Linie die erste Hürde zu einer größeren Erholung übersprungen werden. Um sich nun weiteres Aufwärtspotenzial zu erschließen müssen die Bullen den kurzfristigen Abwärtstrend bei 8.840 Punkten durchbrechen, damit würde dann der Weg bis in die Widerstandszone um 11.000 Punkte frei werden. Eine solche Zwischenerholung sollte als erster Schritt zu einer ausgedehnten Bodenbildung begriffen werden, die für die langfristige Trendumkehr des japanischen Aktienmarktes unabwendbar ist. Nach einem nochmaligen Test des Oktober-Tiefs bei 7.000 Punkten könnte der Nikkei 225 dann die höher gelegenen Abwärtstrendlinien angreifen und in die starke Widerstandszone zwischen 12.800 und 14.000 Punkten vordringen. Diese Zielmarken sind aber wohl erst gegen Ende 2009 oder im Frühjahr 2010 realistisch zu erreichen.
