Niemand weiß irgendwas
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 29. Januar 2004 18:00 Uhr
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"Niemand weiß irgendwas", sagt man in Hollywood. Denn niemand kann prognostizieren, welcher Film ein Hit werden wird ... und welcher ein Flopp.
Aber die Leute wissen in Bezug auf Politik, Finanzen, Investments oder Volkswirtschaftslehre noch weniger.
Die Ökonomen geben vor, dass sie das Bruttosozialprodukt des nächsten Jahres kennen würden ... oder dass sie die Rentenverpflichtungen in 20 Jahren schätzen könnten. Aber sie können einem noch nicht einmal den Ölpreis von morgen nennen ... oder den von nächster Woche ... von dem in 5 Jahren ganz zu schweigen.
Bei welchem Zinssatz kann man sich ein Haus leisten ... wann ist die Schmerzgrenze beim Benzinpreis erreicht? Niemand kann das sagen. Und ohne diese kritischen Komponenten ist der Rest der Zukunft so mysteriös wie eine Wahlkampfrede von George Bush.
Die heutigen Ökonomen wissen von allem weniger als Null. Denn was sie über die Gegenwart denken, ist so falsch und schmeichelnd wie die Versprechungen eines Verführers.
Alle Zahlen, mit denen ein Ökonom heute umgeht, sind nämlich durch den Dollar verzerrt. Was ist ein Dollar? Das kann keiner sagen. 1971 brauchte man 41 Dollar, um eine Feinunze Gold zu kaufen. Heute braucht man 10 Mal so viele – obwohl sich das Gold seit 1980 in einem Bärenmarkt befand und sich immer noch nicht davon erholt hat.
Den einen Tag kann ein Mann sich ein paar Dollar nehmen und eine Aktie kaufen; am nächsten Tag braucht er dafür schon doppelt so viele Dollar. Komischerweise fühlt er sich dann reicher ... auch dann, wenn sich die Kaufkraft dieser Dollar halbiert hat!
Wenn die Dollarpreise von Waschmaschinen oder Doughnuts steigen, dann werden die Konsumenten aktiv. Sie fordern die Fed auf, dass sie gegen die Inflation "etwas tut", da diese die Familienbudgets belastet. Aber wenn die Immobilienpreise steigen, dann sind die Leute hoch erfreut. Je weniger Haus sie für ihre Dollar bekommen ... desto lieber gehen sie dieses Geschäft ein.
Wenn der Dollar eine Geliebte wäre, dann wäre er der Grund für Herzbeschwerden. Denn er ist unberechenbar, unzuverlässig, unsicher und wankelmütig. Dennoch können die Leute davon nicht genug bekommen.
Auch wenn sie gewarnt werden: Diese Geliebte hat eine fragwürdige Vergangenheit ... sie wird die Herzen brechen und die Geldbörsen stehlen. Dennoch wird sie in die Häuser und Herzen eingeladen, ohne Fragen.
Der Dollar hat Konsumenten, Investoren und Zentralbankern überall auf der Welt den Kopf verdreht. Und überall, wo er hingeht, macht er eine Szene: Die ausländischen Nationen erzielen im Handel mit den USA Überschüsse ... und haben deshalb jede Menge Dollar. Die geraten dann in ihr Bankensystem. Und so wird die amerikanische Fed die Zentralbank der gesamten Welt. So ist z.B. die chinesische Geldmenge (M2) im Dezember um 20 % gewachsen – zum großen Teil wegen der zugeflossenen Dollar. Ist es da ein Wunder, dass China einen Boom genießt? Besteht ein Zweifel daran, wie das alles enden wird?
Jeder Idiot wird bald von seinem Geld getrennt, so sage ich. Aber bevor sie sich trennen, werden sie zuerst irgendwohin eingeladen. Und derzeit werden die Amerikaner und ihre Dollar überall hin eingeladen.
Niemand weiß irgendwas ... aber was soll's? Genießen Sie die guten Zeiten!
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