Niemand weiß irgendwas!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 05. Oktober 2004 18:00 Uhr
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Das Problem mit der alten Mutter Erde, auf der wir leben, ist, dass das Leben unendlich vielschichtig ist. Je näher man hinschaut, desto mehr sieht man. Was von Ferne einfach scheint – sagen wir, die Erziehung eines Pubertierenden oder südafrikanische Politik – wird bei näherer Betrachtung erschreckend kompliziert. Die ganze Wahrheit, unendlich wie sie ist, ist nicht in ihrer Gänze erkennbar. Für jeden kleinen Schnipsel von ihr steckt einer armen Seele ein Revolver im Mund ... und ein Winkel in der Hölle wartet auf sie.
"Niemand weiß irgendwas" sagt man in Hollywood in Bezug auf die Komplexität des Filmgeschäfts. Es kann sein, dass ein Filmstudio 100.000.000 US$ für einen Blockbuster ausgibt, der dann total floppt. Genauso kann es aber auch sein, dass ein junger Kerl mit 20.000 US$ einen Sensationserfolg landet. Die alten Hasen wissen, dass selbst lebenslange Praxis und Erfahrung keine Garantie bedeutet. Sogar die Profis vertun sich, wenn es darum geht, einen Knaller vorherzusagen.
Doch fragen Sie jemanden auf der Straße, und er hat vielleicht eine Meinung zu Erfolg oder Misserfolg in diesem Gewerbe. Vielleicht hat er sich sogar Aktien einer der Traumfabriken gekauft, nachdem er gehört hat, was für Großprojekte sie für den nächsten Sommer planen. Er hat natürlich keines der Drehbücher gelesen, mit keinem Schauspieler gesprochen und auch sonst noch nie Erfahrungen in diesem Beruf gemacht – noch nicht einmal als Platzanweiser. Dennoch hat er eine Erwartungshaltung, die aus denjenigen Informationen resultiert, die er aus Zeitschriften oder dem Fernsehen erhält.
Die Leute haben zu allem eine Meinung – besonders aber zu Dingen, von denen sie keine Ahnung haben. Die Wähler von Baltimore brachten es während der 1980er kaum fertig, ihre Stadtverwaltung zum Abholen ihres Hausmülls oder zum Stopfen der Schlaglöcher ihrer Straßen zu bewegen. Dennoch hatten sie alle eine sehr entschiedene Meinung zur Restrukturierung der Regierung von Südafrika, obwohl nur eine verschwindend geringe Zahl von ihnen dem Land die größten ethnischen Gruppen zuordnen oder deren Sprachen verstehen konnte.
Je mehr die Leute aber über die Situation in Südafrika erfuhren, desto schwerer fiel es ihnen, sich eine einfach gestrickte Meinung zu bilden. Ein gut informierter Mann, den man um eine Stellungnahme zu dem Thema bat, begann mit den Worten "Ich weiß nicht ..."
Dank der Kommunikation des Informationszeitalters, werden die Menschen täglich unkundiger. Das Gruppendenken schießt ins Kraut und erstickt die wenigen zarten Keimlinge wahrer Weisheit und Wahrheit. Die kollektive Verblödung wuchert wie Wicken. Bald schon wird nichts anderes mehr gedeihen können: Dann wissen wir gar nichts mehr.