Niedrigzinspolitik
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 2. März 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
der DAX machte gestern einen ziemlich großen Satz nach oben. Vermutlich beflügelten ihn Gerüchte über ein angebliches Rettungspaket für Griechenland. Obwohl eigentlich längst klar sein dürfte, dass die EU Griechenland nicht „einfach so" untergehen lässt, da dies ein indirektes Eingeständnis für ein Scheitern der Europäischen Währungsunion wäre. An den Wirtschaftsdaten kann die Kursstärke jedenfalls nicht gelegen haben. Die fielen nämlich (wie immer muss man fast sagen) ziemlich durchwachsen aus.
Der vom Institute for Supply Management (ISM) für den Monat Februar ermittelte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank gegenüber dem Vormonat von 58,4 auf 56,5 Zähler (Erwartung: 58,0 Punkte). Er bleibt damit aber noch im Wachstumsbereich über 50 Punkten. Die US-Bauausgaben sind gemäß dem US-Handelsministerium im Monat Januar gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent gesunken, was genau den Vorabschätzungen entspricht. Damit sind die US-Bauausgaben allerdings den dritten Monat in Folge rückläufig. Der Bausektor alleine steuert alleine fast neun Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung bei und ist damit ein wichtiger Indikator für die Konjunkturlage in den Vereinigten Staaten.
Verbale Unterstützung für den Aktienmarkt kam vom Präsidenten der Richmond Federal Reserve Bank, Jeffrey Lacker. Es bleibe bei der Zusicherung der US-Notenbank Fed, die Niedrigzinspolitik für einen längeren Zeitpunkt aufrechtzuerhalten. „Wenn wir davon abrücken und wenn wir über einen Rückzug aus der lockeren Geldpolitik nachdenken, dann wird dies davon abhängen, wie die Nachrichtenlage in den nächsten ein oder zwei Jahren ist", wird Lacker zitiert. Der Markt dankte es mit Kursgewinnen. Allerdings gibt es auch gegenteilige Meinungen innerhalb der Notenbank. Wir werden sehen, welches Lager sich schließlich durchsetzen wird.
Ein Argument für weiterhin niedrige Zinsen ist ja, dass die Wirtschaft trotz staatlicher „Dopingprogramme" nicht richtig auf die Beine kommt. Auch Investorenlegende und Milliardär Warren Buffett kommt in diesen Tagen zu dieser Einschätzung. Die Erholung verlaufe nur sehr langsam und die Konsumenten hätten noch immer keine große Bereitschaft für Ausgaben. Die Berichte der 80 Töchter seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway würden auf keine großen Verbesserungen hinweisen. Der Großteil der von Berkshire betriebenen Geschäfte laufe noch immer schlechter vor zwei Jahren, als die Finanzkrise begann, führte Buffett im Rahmen eines Interviews aus.
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