Niedrigzinsen führen zu einem Umdenken der Investoren
Franz-Josef Buskamp (Chefredakteur "Value Investor") in Investoren Wissen
vom 7. Oktober 2010, 16:00 Uhr
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die US-Konjunkturentwicklung steht an den internationalen Finanzmärkten unverändert im Vordergrund. Ein selbsttragender Aufschwung ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht, ebenso wenig aber der Rückfall in die tiefe Rezession. Es ist ein Flirt mit deflationären Tendenzen, die an die Entwicklung in Japan in den 1990er Jahren erinnern.
Was daran tatsächlich erinnert, ist das halbherzige Konjunkturprogramm der Obama-Administration. Die Amerikaner haben einen idealistischen Präsidenten gewählt, der seine Ideen im Rahmen eines langfristigen, selbsttragenden Aufschwungs realisieren könnte. Vor dem Hintergrund der schleppenden Konjunkturentwicklung ist er der falsche Mann. Auch sein jüngstes Verkehrs-Infrastrukturprogramm wird der US-Konjunktur keine Eigendynamik verleihen.
Das erinnert dann tatsächlich an ähnliche Kleckerprogramme in Japan während der 1990er Jahre, wo immer mal hier und dort ein Konjunkturprogramm – meistens mit dem Ziel der Unterstützung der Bauwirtschaft – lanciert, aber nie nachhaltig durchgegriffen wurde. Hier haben im vergangenen Jahr die Chinesen richtig rangeklotzt, und das hat sich auch ausgezahlt.
Inzwischen kann auch mit Blick auf andere asiatische Wachstumsländer von einem sich selbst tragenden Aufschwung gesprochen werden. In China wird dies durch die nachhaltige Unterstützung der Binnenkonjunktur untermauert. Die vielen Warnungen von Analystenseite in den vergangenen Monaten, dass dort der Immobilienmarkt heißzulaufen droht, entbehren jeder Grundlage.
Betrachtet man nämlich die Pro-Kopf-Verschuldung in China, so entspricht sie jener in den Vereinigten Staaten während der 1960er Jahre. Da besteht also noch viel Raum auf chinesischer Seite, bevor man überhaupt ansatzweise von einem Verschuldungsexzess sprechen kann.
Restriktive Geldpolitik ist nicht in Sicht
In den Vereinigten Staaten hingegen befindet sich die Zahl der so genannten Kreditverweigerungen immer noch in der Nähe der diesjährigen Rekordhochs. Zwar beginnt sich die Lage etwas zu entspannen – von einem normal funktionierenden Kreditmarkt sind die USA allerdings noch weit entfernt.
In dieser Phase der Unsicherheit werden die Anleger aber mit Anleihen-Renditen konfrontiert, die sich auf Rekordtiefs befinden. Hier entstehen allmählich immer größere Zwänge, sich auch auf anderen Märkten umzusehen. Da rücken die Aktienmärkte, hier Dividenden- und Substanztitel in den Vordergrund. Viele Institutionelle waren noch im Frühjahr davon ausgegangen, dass sich die Zeit der Niedrigzinsen in diesem Herbst ihrem Ende nähert. Doch von der Rückkehr zu einer restriktiveren Geldpolitik ist selbst mit Blick auf 2011 nichts zu erkennen.
Diese Entwicklung erzwingt ein Umdenken in der Anlagestrategie, zumal vielen Anleihen-Investoren bewusst sein sollte, dass sie in einem Markt investiert sind, dessen Risiken langfristig fast schon garantiert überdurchschnittlich hoch sind.
Herzlichst, Ihr
Franz-Josef Buskamp
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Franz-Josef Buskamp ist Chefredakteur des "Value Investors", einem Börsendienst, der sich auf unterbewertete Qualitätsaktien spezialisiert hat. Mehr von Herrn Buskamp und zu seinen Empfehlungen können Sie im Zuge eines Kennenlernangebotes hier lesen...