Nichtstun ist manchmal die beste Alternative

unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
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von unserem Korrespondenten Eric Fry in New York

US-Präsident Bush unterstützt eine weiteren Amtsperiode des Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan. Wenn Bush damit durchkommt, dann wird Greenspan so lange an der Spitze der Fed bleiben, bis der Tod – oder eine Dollar-Krise – uns scheiden werden.


Der 77jährige Greenspan wurde am 11. August 1987 zum Fed-Vorsitzenden. Seine aktuelle Amtsperiode läuft noch bis zum 20. Juni 2004. Mehr als jeder andere Bürokrat personifiziert Alan Greenspan die Spekulationsblase am Aktienmarkt der späten 1990ern. Er fütterte diese Spekulationsblase, und er begrüßte sie als das natürliche Wachstum des "Produktivitätswunders". Unglaublich, dass das Scheitern dieser Spekulationsblase nicht das Ansehen oder das Selbstbewusstsein von Alan Greenspan verringert hat. Wenn man wieder eine solche Spekulationsblase haben will, dann könnte man wahrscheinlich keinen finden, der besser für diesen Job geeignet wäre.

Aber was wäre, wenn die Aktienkurse nicht weiter steigen würden? Wenn die teuren Aktien nicht noch teurer werden? Was dann?

Je mehr man darüber nachdenkt, was für Wertpapiere man kaufen soll – desto mehr kann man zu dem Schluss kommen, dass man überhaupt keine kaufen sollte. Wie Warren Buffet kann man derzeit die Inaktivität als beste Verhaltensweise in bestimmten Zeiten ansehen.

Der heutige Investor sieht einen weiterhin hoch bewerteten Aktienmarkt, einen Anleihenmarkt mit sehr niedrigen Renditen und großem Rückschlagspotenzial bei den Kursen und einen Immobilienmarkt, der wie eine Spekulationsblase aussieht.

"Wenn die Renditen für 10jährige Anleihen unter 4 % gefallen sind, und die Zeichen auf Inflation stehen, dann kann man keine zweistelligen Renditen mit Bonds erwarten", so Paul McCulley von PIMCO-Rentenfonds. Und es stimmt – da die Währungshüter versprechen, so viele Dollar wie notwendig zu drucken, stehen die Zeichen auf Inflation.

James Grant von Grant's Interest Rates Obeserver meint: "Weil die heutigen Zentralbanken aus dem 17. Jahrhundert datieren, ist so gut wie jede mögliche Geldpolitik schon ausprobiert worden, manche schon mehr als einmal."

Wenn eine Zentralbank eine "Reflation" verspricht, dann ist dieses Versprechen eine Garantie. Denn die Zentralbank kann die Geldmenge so erhöhen, dass es zu einer Reflation/Inflation kommt. Dieses Versprechen ist für Anleihenbesitzer allerdings problematisch, wie Grant illustriert: "Man sollte sich vorstellen, dass man eine 10jährige US-Anleihe hat ... wenn man dann davon ausgeht, dass die Rendite von aktuell rund 4,0 % auf 2,5 % zurückgehen wird, dann würde der Kurs dieser Anleihe um 13 Prozentpunkte steigen. Das wäre erfreulich. Aber wenn man ein ausländischer Anleger ist, kommt das Währungsrisiko hinzu. Und diese Anleger verkaufen ein paar Dollar, um das Risiko zu verringern. Und viele haben die gleiche Einstellung – deshalb wird der Dollar fallen. Und der Goldpreis steigen. Da die Importpreise wegen des schwächeren Dollars steigen, werden die Zinssätze und die Inflationsrate wieder steigen. So wird eine latente deflationäre Krise zu einer aktuellen inflationären Krise."

Ok, wenn eine Inflation droht – sollten Immobilien da nicht ein sicherer Hafen sein? Natürlich sind sie das, wenn die Inflation völlig außer Kontrolle gerät ... wie bei einer Hyperinflation. Aber die US-Immobilienpreise geben Anlass zu Sorge.

David Rosenberg von Merrill Lynch meint dazu: "Derzeit besteht 31 % des Vermögens der privaten Haushalte aus Immobilien, nach 23 % vor drei Jahren (natürlich hat das mit den fallenden Aktienkursen und den steigenden Immobilienpreisen zu tun)". Wenn die Immobilienpreise stabil bleiben oder weiter steigen, ist alles gut. Aber ein 10 %iger Rückgang der Immobilienpreise würde laut Rosenberg rund 1,4 Billionen Dollar Vermögen vernichten, was 20 % des verfügbaren Einkommens wären ... und das WÄRE ein Problem!

Es gibt Warnzeichen: "Der Bestand an zum Verkauf stehenden Häusern wächst schnell, und steht auf dem höchsten Stand seit 1996 (gemessen an der Zahl der Monate, die die Häuser zum Verkauf stehen). Derzeit ist ein Haus 4,8 Monate auf dem Markt, bevor es verkauft wird – im letzten Herbst stand dieser Wert bei 3,8 Monaten. Die Umsätze mit neuen Häusern sind scharf gefallen (seit Jahresbeginn) und sie wachsen so langsam wie seit August 2000 nicht mehr."


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