Nichts verläuft auf einer geraden Linie
Steven Lord in Traders Daily
vom 19. September 2006 12:00 Uhr
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Die Wall Street war noch nie für ihre strategischen Einsichten bekannt, was offen gesagt nicht überraschend ist, wenn man die Tendenz der Analysten bedenkt, in 12-wöchige Phasen zu denken. Und es ist nichts anderes als ein Herdenmechanismus – nichts ist weiter verbreitet als zu beobachten, wie die Wall Street die Existenz strategischer Trends missachtet oder bestreitet, nur um sich dann über den Haufen zu rennen, nur um dort das gesamte Geld anzuhäufen, sobald sie zum „verbreiteten Wissensschatz“ werden. Das ist einer der wenigen Bereiche, in dem der einzelne Anleger die Profis mit ihren eigenen Waffen schlagen kann.
Es wirkt so, als wäre es erst gestern gewesen, dass all die Experten die ständig steigenden Ölpreise als neue Realität ausriefen, mit der wir nun alle würden leben müssen. Natürlich hatten die meisten von ihnen den Anstieg der Energie 2004 vollkommen übersehen, als alle Hinweise auf eine wachsende Wirtschaft sowohl in Amerika als auch in Asien von allen gesehen werden konnten. Und viele sahen sie, natürlich innerhalb der Gemeinschaft der Anlage-newsletter. Aber wie üblich, hat die Wall Street erst kürzlich vollständig auf den Bullen bei Öl reagiert: Morgan Stanley ging noch im Juni von Ölpreisen von 40 Dollar pro Barrel aus, als der Markt sehr kurz davor stand, die doppelte Zahl zu zeigen.
Und dann, als vor kurzem quasi jedes Brokerage-Haus an der Wall Street an Berichten feilte, die erklären, warum Öl notwendig die 100-Dollar Marke erreichen muss…kam der Ölpreis zurück. Dennoch: Vor zwei Jahren, als Öl sich noch fast auf einer Vertikalen bewegte, lachte die Wall Street über Vorhersagen eines Ölpreises von 75 Dollar. Momentan lacht niemand.
Aber das Traurige ist, dass Öl eine Korrektur erleben wird. Sie haben ihre Scheinwerfer in genau dem Moment verschoben, als der Aufwärtstrend bei Energie nach Luft schnappen musste. Der Konjunkturrückgang bei Immobilien und die höheren Zinssätze verlangsamen die Wirtschaft, was automatisch zur Folge hat, dass weniger Öl verbraucht wird und zudem gibt es Bedenken, dass ein breiter Rückgang der Verbraucherausgaben die Wirtschaft im ersten oder zweiten Quartal des nächsten Jahres in eine Rezession treiben könnte. Darüber hinaus haben wir die Monate des Sommers, in denen viel gefahren wird und auch die riskanteste Zeit für Hurrikans hinter uns, die kaputte Pipeline von BP in Prudhoe Bay scheint auch schneller repariert werden zu können, als anfänglich gedacht, Energieaktien sind hoch und selbst im Nahen Osten scheint sich die Situation etwas zu beruhigen. Wie es jedem offenen, bona fide Marktmechanismus zuweilen geziemt, wird sich der Preis für Öl in Zukunft reduzieren. Es ist kein Wunder, dass Öl Preise erreicht, die wir schon seit dem letzten April nicht mehr gesehen haben.
Aber die nachdenklichen Leute an der Wall Street scheinen nicht in der Lage, sich an die Ausbrüche bei Rohstoffen zu erinnern, die sich normalerweise immer selbst korrigieren. Mit anderen Worten, die rapide steigenden Preise jedes beliebigen Rohstoffs führen normalerweise dazu, dass viel Leute mehr davon haben wollen, was zu Forschungen in neuen Gegenden und zu Operationen in Gegenden führt, die vorher als unwirtschaftlich galten. Z.B: Chevrons gewaltige Entdeckung vor dem Golf von Mexiko in der vergangenen Woche, gefunden in einer Rekordtiefe von fast fünf Meilen unter der Oberfläche, wäre nie machbar, stünde Öl nicht gerade da, wo es steht. Diese intensive Suche nach den eben erst nach oben ausgebrochenen Rohstoffen führt gewöhnlich dazu, dass bald eine Angebotsflut folgt, die dann pflichtschuldigst den Preis wieder nach unten drückt. Das zählt zu den Grundlagen der Wirtschaft.
Rufen Sie sich ins Gedächtnis, dass Öl, wenn man es über den strategischen Horizont betrachtet, keinen Abwärtstrend eingehen wird. Im Gegenteil, man muss sich nur die 15.000 Autos ansehen, die jeden Monat neu auf Chinas Straßen kommen, oder die beiden Kunden von Mobiltelefonen, die jede Sekunde hinzukommen, um zu verstehen, dass sich die grundlegende Struktur von Angebot und Nachfrage bei Öl gewandelt hat. China wird nicht wieder dahin zurückkehren wo es noch 1990 war und deswegen werden die Chinesen ihre Fahrräder, die sei einst fuhren, gegen neue Autos eintauschen. Verbraucher in den USA haben offenkundig ihr Fahrverhalten nicht verändern. Es mag zwar auf den Straßen einige hundert Hybridautos geben und eine bescheidene Konzentration auf alternative Energien (zumindest im Moment), aber ich habe noch nicht viele Hausfrauen gesehen, die zu Fuß zum Supermarkt marschieren.
Der Punkt ist, dass nichts entlang einer geraden Linie verläuft und dass die Wall Street immer erst dann an Bord geht, wenn diese Linie die Richtung wechselt und eine gewisse Zeit in eine andere Richtung verläuft. Es gibt bei den wichtigen Trends immer Korrekturen und manchmal halten sie eine ganze Weile lang an. Solange es im Nahen Osten nicht wieder hitzig wird, kann Öl ganz leicht wieder die 60 Dollar berühren und dort eine Weile bleiben. Und wenn das passiert, dann bin ich mir sicher, dass wir wieder alle möglichen Berichte aus diesem Teil der Stadt bekommen, in denen es darum gehen wird, dass die neue Ära, über die sie momentan immer wettern, vorbei ist, und dass eine „neue, neue Ära“ des billigeren Öls als üblich, kurz davor ist, sich zu entfalten. Das ist alles Gewäsch. Öl befindet sich aus einem ganz einfachen Grund in einem strategischen Aufwärtstrend: Eine ganze Menge Leute mehr als je zuvor, brauchen heute Öl, während die Produktion auf fast jedem beliebigen Feld entweder flach ist oder zurückgeht. Während das zur Ölsuche in einem wirklich beispiellosen Ausmaß führt, bedeutet es nicht, dass ein Rückzug über sechs Monate diesem Trend ein Ende setzt.
Halten Sie lange an ihren Energieaktien fest, wenn sei welche besitzen und nutzen Sie die Korrektur, die sich gegenwärtig auf den Weg macht, ihre Positionen zu ergänzen, sobald sich der Preis für Unternehmen im Ölsektor mit korrigiert. Es macht wirklich keinen Sinn, sich anzusehen, wie echte langfristige Werte, wie die meisten unter den Bohrunternehmen (Global Santa Fe, Diamond Offshore usw.) aufgrund eines Rückgangs bei Öl um fünf Dollar ausverkauft werden. Diese Unternehmen befinden sich im stärksten Preisumfeld, dass ihre Industrie je erlebt hat, mit Tagessätzen die doppelt so hoch sind, wie noch vor zwei Jahren. Rufen Sie sich ins Gedächtnis, der beste Hebel sind die Bohrunternehmen, dann die Aktien der Ölservices, und dann die integrierten Öle wie Chevron und Exxon.