Nichts Besonderes
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 02. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Ich habe heute nichts Besonderes zu sagen; nichts, das ich nicht schon gesagt hätte.
Die angebliche Wirtschaftserholung in den USA ist ein Betrug ... Paul Krugman spricht in seiner Kolumne in der New York Times von "unserer sogenannten Erholung ..."
Die amerikanische Konsumentenvolkswirtschaft ist ein Humbug. Schuldengetriebenes Wachstum ist eine Falle.
Die US-Zentralbank glaubt, dass sie die Wirtschaft mit zusätzlichen Schulden so stark stimulieren kann, dass die Schulden dann kein Problem mehr seien. Ihrer Meinung nach muss man der Wirtschaft nur die alte Medizin geben – niedrigere Zinsen, mehr Geld, mehr Schuldenmachen und Geldausgeben bei Konsumenten und Regierung!
In einem normalen Erholungszyklus geben die Leute nach voriger Zurückhaltung wieder mehr Geld aus ... was dann die Unternehmen zu neuen Investitionen und zum Einstellen von Leuten veranlasst. Diese neuen Jobs führen dann dazu, dass noch mehr konsumiert wird ... die Gewinne steigen ... und so hat man einen richtigen Boom.
Aber in einer normalen Erholung haben die Leute auch Geld, das sie ausgeben können. Geld, das sie vorher in der Krise gespart haben. Aber derzeit sehen wir keine normale Erholung. Konsumwut, Schulden, Dollarisierung und Globalisierung sind zu weit gegangen. Die Amerikaner schulden jetzt zu vielen Leuten Geld. Sie haben bereits zu viele Schulden, die sie bezahlen müssen. Sie haben während der letzten Rezession mit dem Geldausgeben nicht aufgehört ... und jetzt haben sie nichts, von dem sie sich "erholen" können, weil es gar keinen richtigen klassischen Abschwung gab. Wenn die Zentralbank die Leute zu mehr Schulden ermuntern will und das Erfolg hat, dann gehen die zusätzlichen Konsumausgaben nach Übersee. Deshalb kommt der stimulierende Effekt der Schulden den Ausländern (aus amerikanischer Sicht) zugute ... während die Schuldenlast in Amerika bleibt.
Aber all das habe ich ja schon oft an dieser Stelle gesagt.
Es ist der Beginn eines Neuen Jahres ... ich neige meinen Kopf und entschuldige mich. Ich war überrascht, dass das letzte Jahr so ablief, wie es ablief. Ich hatte erwartet, dass die Amerikaner die Augen öffnen; stattdessen gab es mehr Dunkelheit, Schulden und Dummheit. Die riesigen zusätzlichen schuldenfinanzierten US-Staatsausgaben haben den Tag der Abrechnung verschieben können ... zumindest eine Zeitlang. George W. Bush hat Chancen auf eine weitere Amtszeit. Alan Greenspan wird immer noch nicht als der Quacksalber angesehen, der er in Wirklichkeit ist. Die Amerikaner sind stärker als je zuvor verschuldet ... und sie gehen so schnell wie nie in der Geschichte Pleite ... aber sie scheinen damit völlig glücklich zu sein!
Also, es funktionierte! Die Spekulationsblase ist erfolgreich wieder aufgepumpt worden. Die Investoren können jetzt wieder Aktien zu überteuerten Kursen kaufen ... und sie können sich selbst ruinieren, indem sie sehr günstige Kredite aufnehmen.
Und Millionen von Amerikanern können sich ihre Depotauszüge vom 31.12.2003 mit Genugtuung ansehen. Sie werden sich für Helden und Genies halten. Während Investmentgurus wie George Soros aus dem Dollar herausgegangen sind, haben sie wie Patrioten an ihren Dollars festgehalten. Und während Warren Buffett keine Aktien mehr findet, die kaufenswert sind, haben sie völlig überbewertete Aktien wie Amazon.com gekauft! Und damit haben sie sogar Gewinne gemacht.
Das Problem mit ihren Gewinnen ist allerdings, dass sie sich in Luft auflösen, wenn man die Gewinne auf Dollarbasis in reales Geld – Gold – oder in weniger schlechtes Papiergeld – Euros – umrechnet.
In den nächsten Tagen werde ich Ihnen hier im Investor's Daily meine Prognosen für 2004 präsentieren. Jetzt aber erstmal zu Eric Fry an der Wall Street: