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Dr.Martin Weiß und Bill Bonner
ENL5286
Das Plunge Protection Team
30.10.2007von Ronald Gehrt
Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Sitzung der US-Notenbank, US-Arbeitsmarktdaten, Verbrauchervertrauen, Einkaufsmanager-Indizes und die erste Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal: In dieser Woche werden wir reich mit neuen Daten beschenkt. Details dazu im folgenden Abschnitt.
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Der Crash 2008/2009 scheint vergessen! Bankenskandale, Milliardenpleiten, Notenbank-Manipulationen — spielen anscheinend keine Rolle mehr! Wirklich? Glauben Sie etwa auch an das Märchen von der neuen Hausse?
Tatsächlich gibt es 3 untrügliche OMEN, die genau das Gegenteil von dem verkünden, was uns die Wall Street weismachen will. Jeden Tag kann ein lawinenartiger Kursrutsch einsetzen.
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Bad news … und dennoch Partylaune
Die Masse der US-Quartalsbilanzen hingegen ist nun vorüber. Die Ergebnisse waren nicht wie von den Bullen erhofft viel besser als die mickrigen +1,7%, die kurz vorher geschätzt wurden. Aber es scheint niemanden zu kümmern. Auch nicht, dass man für die US-Unternehmen aktuell nicht, wie zuvor als Hausse-Argument bemüht, von einer kräftigen Gewinnsteigerung im laufenden 4. Quartal ausgeht, sondern von fallenden Gewinnen. Eigentlich, so scheint es, ist nichts irgendwie geeignet zu stören. Alleine das Zusammentreffen von zwei der momentan mindestens sechs negativen Elemente würde in normalen Zeiten einen Kurssturz auslösen:
Der Ölpreis steigt immer schneller immer höher, der Euro/Dollar-Kurs visiert das Rekordtief – damals noch zur DM – von 1993 an, die Konjunkturdaten in Deutschland, der EU insgesamt und aus den USA sind durchwachsen bis schwach, die Gewinnperspektiven trübe, die Immobilienkrise ebenso wenig vorbei wie die Hypotheken- und Kreditprobleme, die Inflationsraten sind außerhalb der offiziellen Regierungszahlen hoch und steigen weiter.
Und auch die Aktienmärkte sind hoch und steigen weiter.
Zwar sieht man fast täglich, dass große Positionen in steigende Kurse verkauft werden. Aber man sieht ebenso regelmäßig, dass jeder kleine Rücksetzer konsequent wieder aufgekauft wird ... schnell, mit der Brechstange und gründlich. Angesichts der Rahmenbedingungen ist das nicht zu kapieren ... und so stellt sich völlig selbstverständlich die Frage nach dem „warum“.
Plunge Protection Team – eine geheime Purzelschutz-Gruppe?
Nicht zum ersten Mal wurde ich da von einem Leser auf folgendes aufmerksam gemacht (ich zitiere den entscheidenden Ausschnitt):
„Ein Freund aus USA hat mir eine Story geschickt die kaum zu glauben ist, sie könnte dennoch bzw. gerade deshalb stimmen. Vom alten Greenspan soll ein "plunge protection team" eingerichtet worden sein. Dieses Team soll im Zusammenwirken mit der NYSE, die für Orderstau sorgt, im Fall eines panic selloff Aktien kaufen.
Mit der laienhaften Vorstellung von "Marktkräften" hätte das nichts mehr gemein.
Auf dem Fischmarkt könnte ein Händler mit Tonnen fauler Fische aufkreuzen und diese, wenn sie niemand kauft, für 1 Cent anbieten und damit den Handel mit frischen Fischen in den Ruin treiben weil die unter dem eigentlichen Preis angeboten werden müssen. Da kommt dann ein weißer Ritter mit einer Karre voll mit Steuergeldern um die Ecke und sagt " nur keine Panik ich kaufe dem Faulfisch-Egon seine Ware zum Preis von Frischfisch ab, oder geringfügig darunter" und schon steigt der Markt wieder auf das Vortagsniveau.Die Frage ist nur, was macht der weiße Ritter mit den Tonnen von faulen Fischen, die er jeden Markttag kauft?
Ich denke, wenn diese haarsträubende Geschichte stimmt muss es irgendwann, aber bald, eine Implosion des Aktienmarkts geben. Da hilft nur noch ein negativer Zins
d.h. für jeden faulen Fisch, und auch jeden frischen Fisch, bekommt man noch Geld dazu. Dann kann man Geld auch gleich abschaffen und Fischwährung einführen.“Ein sehr pittoreskes Beispiel und zudem durchaus passend. Ich schrieb dem Leser hierzu:
Trendwende am Aktienmarkt unerwünscht
„Ich bin eigentlich dergleichen finsteren Theorien nicht zugeneigt ... aber ich würde es nicht wagen, dies als unwahr einzuschätzen. Was Fakt ist:
Größere Kursbewegungen am Aktienmarkt nach unten würden einen Stein ins Rollen bringen, der bereits im Juli/August gewackelt hatte. Es wird natürlich seitens der interessierten Kreise alles daran gesetzt, das zu verhindern.
Die Grenzen zwischen den Interessen der Großbanken, der Notenbank und der Politik sind in den USA fließend, teilweise nicht einmal vorhanden. Ex-Großbanker Paulson auf dem Sessel des Finanzministers, Ex-Ölboss Cheney auf dem Sessel des Vizepräsidenten ... das spricht eine klare Sprache.
Ich meine, dass dieses "plunge protection team" nicht in der organisierten Form existiert, wie es manche vermuten. Da hätte eigentlich irgendwann mal jemand nicht dicht gehalten und geplaudert. Aber dass faktisch ein paar Anrufe reichen um das Gewünschte zu erreichen und solche Anrufe auch erfolgen ... das würde ich voll unterschreiben.“
Hierzu fiel mir noch einiges ein, was ich hinzufügen möchte:
Wohin mit dem faulen Fisch?
Ich hatte mich gefragt: Wenn hier organisierte Stützungen existieren ... wohin dann mit den Aktien? Die Notenbank hat ebenso wenig wie die US-Regierung irgendwo ein Depot für Stützungskäufe. Die US-Großbanken hingegen natürlich schon: Sie können über den Eigenhandel aktiv werden und Bestände aufbauen ... und im Notfall einfach die Fonds anweisen, ihre Barbestände zugunsten solcher Aktionen abzubauen. Das wäre insbesondere witzig, als dann diese Aktionen mit dem Geld der Anleger vollzogen würden. Aber warum nicht, auch die Steuern werden ja dafür verwendet, um für „Ordnung“ zu sorgen.
Das ginge alles. Da ich aber ein grüblerischer Typ bin beschäftigte mich die Frage: Wohin mit dem ganzen faulen Fisch?
Was, wenn diejenigen, die in steigende Kurse regelmäßig verkaufen mit denen, die dann wiederum unten weitere Kursabschläge verhindern, identisch wären? Es macht ja wenig Sinn, irgendwo einen Keller voll aufgesammelter Aktien zu haben. Denn das Ziel ist ja letztlich, wer auch immer Verkaufssignale zu verhindern sucht:
Die Börsen müssen stabil bleiben, um nicht die Basis für Probleme im Konsumbereich, am Kreditmarkt oder in den Vermögensstrukturen der Bevölkerung zu werden. Und vor allem sollten sie nicht die Wahlchancen der Republikaner gefährden.
... und die Bullen helfen mit
Das erfordert aber nicht, dass die Aktienmärkte himmelhoch steigen müssen. Stabil langt – also warum nicht die Bestände immer wieder reduzieren und so auch das „Eingreifkapital“ im Rahmen halten? Dass die Kurse trotz alledem immer wieder anziehen, um diese gewinnbringenden Verkäufe überhaupt zu ermöglichen, ist so lange ja gesichert, wie die Marktteilnehmer in ihrer Gesamtheit glauben, es gehe alles seinen normalen Gang und ab heute sind Ölpreise, Dollareinbruch ebenso egal wie Konjunktur, Inflation und Unternehmensgewinne. Hauptsache Zinssenkungen.
Eines aber scheint mir zudem logisch: Je mehr die Gerüchte über solche Machenschaften sich verbreiten, desto weniger Akteure kommen überhaupt auf die Idee, Short zu gehen oder nur zu verkaufen. Denn solange man meint, dass es ohnehin nie richtig nach unten gehen kann, werden sich natürlich die Bullen völlig sicher fühlen, weil unter den Kursen ein Kissen wartet das verhindert, dass diese Hausse hart auf den Boden der Tatsachen aufschlägt. Und das alleine erspart denen, die den Bestand des status quo sicherstellen wollen, eine Menge Geld, da letztlich andere für sie den faulen Fisch kaufen.
Das sind alles Vermutungen ... aber wer weiß, wie viel Körnchen Wahrheit dahinterstecken.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer
Die wichtigsten Konjunkturdaten in dieser Woche
30.10.2007von Ronald Gehrt
Diese Woche ist dicht gepackt mit Ereignissen – herausragend natürlich die Notenbankentscheidung am Mittwoch und die Arbeitsmarktdaten am Freitag. Das Komik-Highlight könnte die Veröffentlichung der ersten Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt werden, wenn die Schätzungen tatsächlich so – oder warum nicht gleich höher – auf den Tisch kämen.
Achtung: Da in den USA später auf Winterzeit umgestellt wird, kommen alle US-Daten eine Stunde früher als üblich!
Dienstag, 30. Oktober 2007
15:00 Uhr: US-Verbrauchervertrauen für Oktober
Das Verbrauchervertrauen als Stimmungsindikator der US-Bürger wird zwar viel beachtet, hüpft aber aktuell wie ein Jo-Jo (Juni schwach, Juli hoch, August schwach, September noch schwächer) und ist darüber hinaus keineswegs eine Garantie dafür, dass sich die US-Bürger auch so verhalten, wie diese Daten suggerieren. Schwache Daten müssen nicht automatisch Sparen und Konsumverzicht bedeuten, umgekehrt hohe Werte keinen Kaufrausch. Daher sollte man diese Indikation keineswegs überbewerten.
Nachdem es im September unerwartet deutlich nach unten ging (auf 99,8 statt der erwarteten 104,5) rechnen die Analysten jetzt mit einer Stabilisierung im Bereich 100-101.
Mittwoch, 31. Oktober 2007
13:30 Uhr: Erste Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal
Passend zur abendlichen Zinsentscheidung wird am Mittwoch zunächst die erste Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt veröffentlicht. Konträr zu den schwachen Gewinnsteigerungen der US-Unternehmen und den meist schlechten Konjunkturdaten soll die US-Wirtschaft zwischen +3,1 und +3,3% gestiegen sein (nach +3,6% im „zauberhaft“ guten 2. Quartal).
Nun gehe ich davon aus, dass diese Daten genau so herauskommen wie es gewünscht wird und ggf. in einem Monat dann wieder korrigiert werden. (So wie im 1. Quartal von +3,5 auf zuletzt +0,6%). Ich frage mich nur, ob diese mehr als 3% nicht für das gewünschte Ziel fröhlicher Stimmung kontraproduktiv wären, weil dann die Erwartung weiterer Zinssenkungen getrübt würde? Ich bin mal gewaltig gespannt, was da diesmal auf den Tisch gezaubert wird.
Dabei kommen zudem die Lohnkosten (moderate +0,9% erwartet) und der Deflator (Erwartung +2,1 bis +2,3%) auf den Tisch – also kein Inflationsdruck, wie es sich gehört.
14:45 Uhr: Chicagoer Einkaufsmanager-Index für Oktober
Nach überraschend deutlichen Steigerungen in den vorvergangenen Monaten hatte der Chicagoer Einkaufsmanager-Index im Sommer nur noch moderat im positiven Terrain gelegen. Ein möglicher Hinweis darauf, dass das Wachstum nicht in Schwung kommt ... aber eben nur ein Indiz, denn die Ergebnisse schwanken recht deutlich. Und gemäß der Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt wären solche Daten ja sowieso alle falsch (zumindest die schwachen). Diesmal soll es ein Niveau von 53,0 sein (nach 54,2 im September).
15:00 Uhr: US-Bauausgaben im September
Prognose für September –0,1% bis –0,3% nach +0,2% im August.
15:30 Uhr: Wöchentliche Öl-Lagerbestände in den USA
Die Kapazitätsauslastung bei den US-Raffinerien fällt immer weiter, der Winter kommt immer näher und die Lagerbestände sind zuletzt auch gesunken. Vorgaben, die einen steigenden Ölpreis favorisieren, der sich aber dennoch in denn kommenden Wochen „totlaufen“ sollte. Allerdings rechne ich nicht damit, dass hierzu die dieswöchigen Bestandsdaten bereits Impulse liefern werden.
19:15 Uhr: Zinsentscheidung der US-Notenbank
Der Markt preist per Montag eine 98%ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 0,25% ein. Also wird die Notenbank den Leitzins um 0,25% senken, denn die Börsen dürfen nicht enttäuscht werden. Und eine abweichende Entscheidung würde das hohe Risiko bergen, dass am Aktienmarkt verkauft wird.
Ob diese Zinnsenkung von Zeitpunkt und Umfang her volkswirtschaftlich klug ist, dürfte zweitrangig sein. Grundsätzlich ist daher davon auszugehen, wie ich vor ein paar Tagen bereits unkte, dass die Kurse vorher steigen werden, weil diese Zinssenkung wunderbar ist. Und anders als früher, als „buy the rumour“ auch ein „sell the fact“ nahe legte, könnte ich wetten, dass es nach den wochenlangen Kurssteigerungen im Vorfeld danach ebenfalls zu Kurssteigerungen kommen wird. Vielleicht mit dem Argument, dass die nächste Zinssenkung Mitte Dezember ja schon vor der Tür steht ... lassen wir uns mal überraschen!
Donnerstag, 01. November 2007
13:30 Uhr: Persönliche Einnahmen und Ausgaben der US-Bürger im September
Die Veränderung der Einnahmen und Ausgaben der US-Haushalte spielt eine wichtige Rolle hinsichtlich der möglichen Wachstumsraten des für die USA entscheidenden privaten Konsums einerseits und für die Entwicklung der Inflation andererseits. Wunschszenario der Optimisten sind natürlich deutlich steigende Ausgaben, um den privaten Verbrauch als Stütze der US-Wirtschaft zu stärken ... was aber, wenn es zu viel wird, Inflationsdruck nach sich zieht. Diese Medaille hat also immer zwei Seiten.
Für September sollen die Einnahmen sollen um +0,4% nach +0,3% im August gestiegen, die Ausgaben um +0,4 - +0,5% nach +0,6% im August geklettert sein.
15:00 Uhr: Nationaler US-Einkaufsmanager-Index (ISM), verarbeitendes Gewerbe
Nach dem regionalen Indikator wie immer kurz darauf die Daten für die gesamten USA. Die Stimmungslage der Einkaufsmanager ist wichtig, weil sie am Anfang der Produktionskette sitzen und so „das Gras wachsen hören“. Für das verarbeitende Gewerbe erwarten die Analysten im Oktober ein Niveau von 52,0, also gegenüber September unverändert und damit ein schwaches Wachstum (50 ist bei diesen Indizes der Wert für eine unveränderte Lage).
Freitag, 02. November 2007
13:30 Uhr: US-Arbeitsmarktdaten für Oktober
Die monatlichen Arbeitsmarktdaten gehören zu den wichtigsten Konjunkturdaten eines Monats, da sie zum einen den Blick auf die mögliche Konsumentwicklung erlauben (je mehr Menschen in Arbeit stehen und desto mehr sie verdienen, desto besser die Chancen für steigenden privaten Konsum), zum anderen den Blick auf die Lage der Unternehmen ermöglichen.
Während die Arbeitslosenrate nur eine statistische Größe ist, werden die anderen beiden Elemente scharf beobachtet und sorgen fast immer für kräftige Kursausschläge. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen ist ein Abbild für die Verfassung der Unternehmen einerseits und für die Zahl derer andererseits, die weiterhin als „solvente“ Konsumenten für ein stabiles Wirtschaftswachstum sorgen können. Die Veränderung der Stundenlöhne zeigt zum einen die möglichen, zusätzlichen Potenziale für den Konsum, zum anderen aber auch den Umfang der Kostenbelastung für die Unternehmen und hat so eine hohe Relevanz für die Inflationsentwicklung.
Die Prognose für Oktober lautet auf (Vormonat in Klammern) 80.000 – 90.000 neu geschaffene Arbeitsstellen (110.000), eine Arbeitslosenrate von 4,7% (4,7%) und einen Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne um +0,3% (+0,4%).
15:00 Uhr: Auftragseingänge für die Industrie im September
Diese Daten sind eigentlich schon alt, aber dennoch interessant, da sie nach den Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter eine Woche vorher ein Gesamtbild zeigen können. Doch auch diese Daten schwanken reichlich. So liegen die Schätzungen für September zwischen –0,5% und +1,0% (nach –3,3% im August).
Vom Regen in die Traufe
30.10.2007von Bill Bonner
Die Sonne war über den Anden untergegangen, die Luft stand still. Die Temperatur war perfekt. Francisco hat ganz cool Mate geschlürft. Jorge betrachtete den Autor dieser Zeilen nervös und fragte sich, ob er die Polizei oder einen Arzt rufen sollte.
Ich war dabei, meinen Besuch auf der Ranch unter Dach und Fach zu bringen, und mehr über die Sache mit den Rindern zu erfahren. Ich fühlte mich so, als müsste ich mich entschuldigen. Aber bei wem? Und wofür?
So weit ich sagen konnte, waren Jorge und Francisco absolut ehrlich. Die Zahlen passten zusammen. Und es gab das Heu ... und es gab die Rinder. Ich untersuchte ihre Gesichter. Ich hörte auf ihre Stimmen. Diese Jungs kandidierten nicht für ein Amt. Sie verkauften keine Hedgefonds oder leiteten die Zentralbank. Sie sind Gauchos, Rancher... ohne eine Spur von Verlogenheit, Marktschreiertum oder Unsinn an sich zu haben. Ich hatte mich entschlossen, dass es sich um Männer handelt, denen man vertrauen kann.
Alles war in Ordnung. Die Rechnungen ... die Quittungen ... die Bestände ... die Kühe.
“Es war ein schreckliches Jahr”, fasste Francisco zusammen, “und dennoch sind die Kühe nicht so mager, wie Sie erwarten würden.”
Ich wusste nicht, was ich erwarten würde. Die einzigen Kühe, mit denen ich Erfahrungen habe, sind die in Frankreich. Sie sind immer dick und rund. Das Gras ist normalerweise so dicht, dass sich die Kühe kaum bewegen müssen. Die Temperaturen sind immer moderat. Die Sonne ist nie zu warm ... und die Nächte nur selten zu kalt. Das Leben einer Kuh in Frankreich ist wie ein Bullenmarkt, das einzig Schlimme daran ist der Tag, an dem es zuende geht.
Wie neidisch wären die Kühe hier in Argentinien, wenn sie sie sehen könnten. Dort draußen gibt es kaum einen Grashalm. Sie laufen durch die Wüste, fressen was immer sie finden können – auf mich wirkt es wie ausgedörrte Salbeibüsche. Und wenn sie Durst bekommen, müssen sie meilenweit laufen, um an den kleinen Bach zu kommen, der sich durch das Gelände der Ranch schneidet. Die Tage sind heiß und die Nächte kalt.
In Frankreich geht man davon aus, dass eine Kuh im Jahr ein Kalb hat. Nur wenige erfüllen das nicht. Und jedes Kalb wird wie ein Thronfolger willkommen geheißen, sorgfältig beobachtet und geschont bis es soweit ist, verladen zu werden.
Hier draußen in der Wüste werden hingegen sind es nur halb so viele Kälber, die geboren werden und überleben. Viele sterben aufgrund der harten Bedingungen. Einige werden von Pumas getötet.
"Señor Bonner, wir sind am Rande der Welt”, erklärte Jorge. Wir sind der letzte Posten, ehe man in die Salzebenen kommt. Da draußen kann nichts überleben. Und selbst hier ist es ein Kampf.“
“Und trotzdem ist es nicht schlecht gelaufen”, fügte Francisco hinzu, “in diesem Jahr kommen wir immer noch auf Null raus, selbst nachdem wir all das Heu kaufen mussten. D.h. wir kommen bei Null raus, wenn wir diese ‚Novillos’ verkaufen können.“
“Was sind Novillos?”
“Das sind die Rinder, die uns die illegalen Siedler geben, anstelle Miete zu zahlen. Oben in den Hügeln leben Leute ohne jegliches Geld. Wir glauben, dass es hier unten hart ist, aber dort oben ist es noch härter. Sie halten einige Rinder, Ziegen und Schafe. Anstatt uns Pacht für das Land zu zahlen, bezahlen sie uns mit Tieren. Wir versuchen, sie dazu zu bringen, mit Geld zu bezahlen, aber sie haben kein Geld. Also nehmen wir jedes Jahr 5% ihrer Tiere. Wir nennen sie Novillos, weil es überwiegend männliche Tiere sind und überwiegend kastriert. Aber sie sind so mager. Sie sind Mischlinge ... sehr winterfest ... sehr zäh. Aber keiner will sie kaufen.“
“Aber wenn wir sie verkaufen können, dann kommen wir dieses Jahr auf Null raus”, fuhr Francisco fort. „Natürlich habe ich keine Ahnung, was im nächsten Jahr sein wird.“
„Sie rechnen nicht mit einer weiteren Dürre, oder?“
“Nein … ich hoffe nicht.”
“Dann sollten wir Gewinn machen, weil wir kein Heu kaufen müssen.”
„Aber wir hatten in diesem Jahr eine Dürre ... und die Bedingungen waren so hart – wir hatten auch einen der kältesten Winter aller Zeiten – und deshalb haben wir nicht viele Kälber. Also haben wir auch nicht viele, die wir verkaufen können. Es tut mir leid, Don Bill ... aber im nächsten Jahr werden wir vermutlich Verluste machen.“
Die Rechnung ohne die Kosten gemacht
30.10.2007von Bill Bonner
Ich sage immer wieder, dass Wohnhäuser kein Anlagewert sind sondern ein Verbrauchsgut. Und jetzt kommt ein alter Freund mit weiteren Beweisen des Weges.
“Die Vorstellung, dass Wohnimmobilien nicht fallen können, wird auf den Kopf gestellt, wenn man tatsächlich einmal die effektiven Kosten für Zinsen, Steuern, Versicherungen mit einrechnet. Es scheint zwar so, als hätten 16 von 17 der obersten Immobilienmärkte in den Neunzigern schwarze Zahlen zu verzeichnen, aber nur ehe man diese Kosten mit einrechnet. Doch wenn man sie einrechnet, dann stellt sich heraus, dass nicht einer der obersten Immobilienmärkte wirklich nach oben gegangen ist. Sie haben sich allesamt im negativen Bereich bewegt.“
“In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends, bis 2007, zeigt sich ein ähnliches Bild ... drei Märkte, die in dieser Zeitspanne ohne Berücksichtigung dieser Kosten angeblich um 18%, 33% und 36% gestiegen sind, sind in Wirklichkeit letzen Endes Verlierer ... zurückgefallen um 10,5%, 13,4% und 28,2%. Die Gewinne waren Phantomstatistiken aus einer Phantasiewelt des kostenfreien Immobilienbesitzes.“
“Geht man durch die verbleibende Liste, machen die übrigen großen Märkte immer noch Geld. Aber anstelle der atemberaubenden, dreistelligen Gewinne, auf die die Immobilienbesitzer gerne verweisen, wenn sie beweisen wollen, dass diese Blase ein echtes Geschäft war, stellt man fest, dass nur zwei Märkte – abzüglich der Kosten – tatsächlich die Gewinnmarke von 100% überschritten haben (und nicht 10 Märkte). Und auf das Jahr gerechnet, waren nur zwei Märkte auch nur ein bisschen oberhalb eines 10% Zuwachses des Immobilienwertes.“
“Nicht schlecht, aber auch keinesfalls ein Wunder.”
„Zwei weitere dieser Topmärkte sind in der gleichen Phase auch beim S&P500 kaum über jährliche Gewinne von 8,5% gekommen. Die übrigen 17 Märkte, die in diesem Artikel betrachtet wurden, haben schlechter abgeschnitten als der S&P 500. Und das während des angeblich größten Immobilienbooms aller Zeiten.“
“Auch das soll wieder nicht heißen, dass es keine Blase gegeben habe. Nur dass es wirklich ein Ereignis war, das absolut frei von gesundem Menschenverstand war.“
Ich mache mich jetzt wieder auf meinen Weg zurück nach London. Ich werde morgen vermutlich wieder nicht in der Lage sein, besonders viel zu schreiben.
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