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Dr.Martin Weiß und Bill Bonner
ENL5286
Der Friedensnobelpreis
23.10.2009 07:30 Bill Bonner
Barack Obama wurde vergangene Woche der Friedensnobelpreis verliehen. Alle sprachen davon. Sie wollten wissen, was man in Stockholm ins Trinkwasser getan hat. Warum sollte das Nobelpreiskomitee den Preis an jemanden geben, der für den Weltfrieden noch nicht viel getan hat? Die Mitglieder des Komitees hatten natürlich ihre lahmen Antworten. Jetzt können sie nur noch hoffen, dass Obama sie nicht alle wie Narren dastehen lässt.
Es ist so, als hätte das Pulitzer Komitee seinen Preis an jemanden gegeben, dessen Buch erst ein Kapitel hat. Wir hoffen, dass es ihn dazu ermuntern wird, es gut zu Ende zu bringen", sagt das Komitee.
Doch das Nobelpreiskomitee hätte es auch noch schlimmer machen können. Barack Obama ist nicht der erste amerikanische Präsident, der den Preis gewinnt. Woodrow Wilson hat ihn vor ihm bekommen. Obama scheint bereit zu sein, unnötige Kriege weiterzuführen. Aber wenigestens fängt er keine an. Wilson hat die amerikanischen Truppen im Jahr 1917 nach Europa geschickt. Er hat den europäischen Krieg in einen Weltkrieg verwandelt und ihn um zwei weitere Jahre verlängert... was Millionen von Leben gekostet hat, ganz zu schweigen von den Ausgaben in Billionenhöhe.
Wilson war ein Esel, der den Nobelpreis nicht mehr verdient hat, als Kaiser Wilhelm. Was Obama anbelangt, so kenne ich seine Maßnahmen noch nicht. Esel? Betrüger? Es ist noch zu früh, das zu sagen.
Aber wenn er klug wäre, würde er dem Beispiel eines anderen amerikanischen Präsidenten folgen - Millard Fillmore. Gehen Sie nach Washington. Sie werden keine Denkmäler finden. Es ist eine Schande. Fillmore hat den Frieden tatsächlich gehalten. Nicht nur das, er hat Verbesserungen eingeführt, er hat fließend Wasser im Weißen Haus installieren lassen. Dann hat die Universität Oxford ihm eine Ehrendoktorwürde angeboten, und er hat abgelehnt. Die Urkunde war in Latein verfasst. Fillmore sagte, er wolle keinen Titel, den er nicht verstehen kann.
Uneinbringliche Forderungen
23.10.2009 07:30 Bill Bonner
Gestern hat George Osborn, der Schatten-Finanzminister der britischen Konservativen, etwas ganz außergewöhnliches getan. Ich kann mich an nichts Vergleichbares erinnern. Er hat die Wahrheit gesagt.
Wir versinken in einem Meer der Schulden" hat er zugegeben. Und an eben diesem Tag hat Nicolas Sarkozy, der Präsident Frankreichs, gesagt, er würde die Steuern nicht anheben. Osborn hingegen hat gesagt, er würde sie nicht senken können. Um die Schulden Großbritanniens zu erleichtern, würde er die Höchststeuer bei den 50% der Labor-Partei belassen.
Die Wähler hören nicht gerne von den Schulden. Die Politiker sprechen nicht gerne darüber. Und die Wirtschaftswissenschaftler wollen darüber nicht nachdenken. Und in einer Art kollektiven Selbstmordpakts haben sie sich alle darauf geeinigt, dass sie sich deswegen keine Sorgen machen wollen. Aber die Schulden stehen im Zentrum der weltweiten Finanzprobleme.
Mit dem Zahlen von Schulden ist es so ähnlich wie mit dem Sterben. Man versucht es so lange wie möglich nach hinten zu verschieben. Aber niemand kann für immer den Hahn aufstehen lassen.
Vergangene Woche erfuhr man, dass Hinckley, ein Yachtenbauer aus Maine, der schon seit 1928 Boote baut, dabei ist unterzugehen. Das Problem ist weder technisch noch innerbetrieblich. Es ist philosophisch. Niemand beklagt sich über die Qualität der Boote. Oder auch nur über die Preise (wenn man danach fragen muss, dann kann man es sich sowieso nicht leisten). Das Unternehmen hatte seit 1997 gute Fahrt. Dann haben die Private-Equity Experten das Ruder übernommen. Die alten Hinckleys, die den Laden geführt haben, betrachteten Schulden so wie eine Flasche Whiskey. Hin und wieder ein Gläschen würde niemandem schaden. Zu viel davon kann einen untergehen lassen. In den siebzig Jahren, die sie den Laden geleitet haben, haben sie nur eine Million Dollar Schulden anlaufen lassen. Aber die neuen Besitzer waren Trinker. Sie haben Hinckleys Schulden um das 20- bis 40-fache steigen lassen. (Genaue Zahlen stehen mir nicht zur Verfügung.)
Über weite Teile der Geschichte, betrachtete man jemanden, der seine Schulden nicht zahlte, nicht nur als Vertragsbrecher sondern sogar als einen Verbrecher. Die Leute, denen es nicht gelang, ihre Schulden zur richtigen Zeit zu zahlen, betrachtete man wie Diebe gegenüber dem Kreditgeber. Man steckte sie ins Gefängnis. Im Mittelalter konnte man sogar die Kinder eines toten Schuldners ins Gefängnis stecken.
Reha für säumige Schuldner
Jetzt erlauben die Konkursgesetze es Privatleuten und Unternehmen in die Reha zu gehen. Danach können sie die Kreditgeber wieder um ihr Geld bringen. Weder Sünde noch Verbrechen. Schulden sind heute einfach nur die Kosten des Geschäftemachens.
Aber nur wenige Kreditgeber sind so nachsichtig - oder vergesslich - wie die, die an die Regierungen ihr Geld verleihen. Das ist der Schluss eines neuen Buches von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff. Die beiden Professoren dokumentieren acht Jahrhunderte finanzieller Dummheiten". Daraus lerne ich, was ich schon wusste - dass die Kreditgeber häufig hinterhältig sind, Krisen sind normalerweise tückisch und Banker Dummköpfe.
Es ist erst fünf Jahre her, dass Ben Bernanke auf das Meer der Blasenära blickte. Die Great Moderation" nannte er das. Bernanke sah sich die Kredite an. Sie basierten auf "verbesserter makroökonomischer Politik", sagte er. Rückblickend hätte er besser sagen sollen, dass es ganz einfach Glück war und es dann dabei belassen sollen. Die makroökonomische Politik hat es schlimmer gemacht. Sie hat alle Branchen dazu angeregt, Geld zu leihen. Wir wissen, was mit Hinckley passiert ist. Wenn man zu tief im Wasser liegt, zu sehr von Schulden beladen, dann hat das Boot Schwierigkeiten, sich über Wasser zu halten.
Aber was ist neu, fragen sich Reinhart und Rogoff. Immer und überall haben Schulden Probleme gemacht. Zu hohe Schulden haben dazu geführt, dass Frankreich schon acht mal seine Staatschulden nicht mehr bezahlen konnte. Spanien konnte vor 1800 sechsmal nicht zahlen und danach siebenmal nicht.
Lateinamerika wäre für die Banker sicherer, wenn die Druckerpressen es nie über den Atlantik geschafft hätten. Zwischen Hyperinflation, Zahlungsunfähigkeiten und Bankendebakeln haben die Bananenrepubliken innerhalb von zwei Jahrhunderten die Banken um Milliarden gebracht. In den Achtzigern versuchte Nicholas Brady New Yorker Banker mit amerikanisch gesicherten Brady-Anleihen" zu retten. Die Leser dieser Seiten können sich sicher denken, was als nächstes passiert ist. Innerhalb weniger Jahre hatten sieben von 17 Ländern, die eine Restrukturierung im Sinne Bradys durchlaufen hatten, genauso hohe oder noch höhere Schulden als vorher. Bis 2003 waren vier Mitglieder der Brady-Meute wieder zahlungsunfähig und bis 2008 war Ecuador zweimal in Verzug geraten.
Sogar Länder, die es gar nicht gibt, machen Pleite. Im Jahr 1822 stellte General Sir" Gregor MacGregor Anleihen aus, die von einem fiktiven Land stammten, das er Poyais nannte und dessen Hauptstadt, Saint Joseph, wurde in dem Angebotsprospekt beschrieben: Breite Boulevards, Gebäude mit Säulen und eine Kathedrale mit einer weiten Kuppel." Die Anleihen wurden mit geringeren Erträgen verkauft als die aus Chile. Aber egal, ob das Land echt ist oder erfunden. Sie gerieten alle in Verzug.
Was die aktuelle Konjunkturkrise angeht, machen die Autoren keine Vorhersagen, geben aber einige Leitlinien. Während einer ganz normalen Krise, brechen die effektiven Hauspreise im Allgemeinen innerhalb von sechs Jahren um 36% ein. Das Bruttoinlandsprodukt bricht pro Kopf um 9,3% ein während die Arbeitslosenquoten fünf Jahre lang ansteigen, bei einem normalen Anstieg von 7 Prozentpunkten. Aber die meisten Parallelen zu den aktuellen Umständen, die sie als die Große Schrumpfung" bezeichnen, weist die Weltwirtschaftskrise der Dreißiger auf - die noch viel schlimmer ausfiel. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland und in Dänemark ist auf über 30% gestiegen. Die Bautätigkeit ist in den Vereinigten Staaten um 82% eingebrochen. Chile erlebte einen Exporteinbruch um 90%.
Planlos
Die Steuereinnahmen fallen während einer Konjunkturkrise. Die Regierungsausgaben steigen (besonders, wenn die Behörden bereit sind, zu tun, was notwendig ist, um eine Erholung zu wecken). Normalerweise, sagen Reinhart und Rogoff, steigen die öffentlichen Schulden innerhalb einer Zeitspanne von drei Jahren nach der finanziellen Kalamität um 86%. Dann kommen die Katastrophen, verursacht von zu hohen Schulden im öffentlichen Sektor. Sowohl Großbritannien als auch Amerika haben aktuell Defizite von 10% des Bruttoinlandsprodukts. Keines der Länder hat einen glaubwürdigen Plan, die Schulden oder Defizite zu senken. Es liegen noch viel größere Schwierigkeiten vor uns.
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