Neulich in Davos
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 28. Januar 2005 18:00 Uhr
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Es ist so wie die Fußball-WM, die World Series und die Olympischen Spiele zusammen. Die wichtigsten Spieler der Welt sitzen alle in Davos in der Schweiz zusammen. Die Presse. Die Prominenten. Die großen Macher haben sich wiedergefunden.
Die Hauptdisziplin ist Schwindel ... und die Einsätze sind äußerst hoch.
Die Anwesenden sind alle verpflichtet, "den Zustand der Welt zu verbessern." Es gibt hier Regierungschefs wie Tony Blair und Gerhard Schröder zu sehen. Es gibt Wirtschaftsmagnaten wie Bill Gates und Michael Dell. Es gibt mehrere Ehemalige und Möchtegerne, die dann und wann durch die Presse geistern: Bill Clinton, Lord Carey, Mahmoud Abbas und so weiter. Und dann sind da noch die Idealisten, die auf die Tränendrüse drücken, außerdem verschiedenartige Nicht-Talente, die schlicht auf Geld aus sind, wie z.B. Angelina Jolie und Sharon Stone. Wenn man von ihrer Darbietung in dem Film "Alexander der Große" ausgeht, könnte Angelina auf sehr einfache Art die Welt verbessern; alles was sie zu tun bräuchte, ist Schauspielunterricht zu nehmen oder sich von der Leinwand zurückzuziehen.
Aber wie wir ja mittlerweile wissen, sind die Weltverbesserer niemals wirklich an privaten Akten der Selbstverbesserung interessiert. Statt dessen bevorzugen sie große öffentliche Spektakel, die ihrer eigenen Eitelkeit schmeicheln und für gewöhnlich zu einem Desaster führen.
Die einzigen Weltverbesserer, welche wir dieses Jahr nicht auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos antreffen können, sind die Mitglieder der Bush-Regierung, die bereits an derart vielen Weltverbesserungen arbeiten, dass sie keinerlei weitere Inspiration mehr benötigen.
Gestern warnte Tony Blair die Welt, den Klimawandel tunlichst ernst zu nehmen. Jacques Chirac, der sogar noch mitfühlender als Mr. Blair war, schlug eine Steuer auf Luftverkehr und Kapitalströme in Länder vor, die sich weigern, ihre Banken zu zwingen, Details über das Vermögen ihrer Kunden auszuplaudern.
"Es ist eine Ehre hier unter all den Besserwissern zu sein", sagte Sharon Stone. Ich weiß nicht, wer sie auf die Idee brachte unter Besserwissern zu sein. Wenn ich mir die Liste der Anwesenden so ansehe, dann sind zum größten Teil nur Versager und Schmierfinken zu finden ... von einigen neurotischen Schauspielern abgesehen.
Auffallend ist die Abwesenheit Ihres Herausgebers, dessen Einladung nach Davos auf dem Postweg verloren gegangen sein muss. Doch ich bin Fred Bergsten vom Institut für Internationale Wirtschaft in Washington äußerst dankbar, ebenso wie Fan Gang, dem Direktor des Landesinstituts für Wirtschaftsforschung in Peking sowie Stephen Roach von Morgan Stanley, dass sie ihren Weg nach Davos gefunden haben.
Herr Roach ließ einige Anwesende wissen: " ... das schwächste Glied in der Weltwirtschaft ist der maßlose US-Konsument." Dieser ist abhängig von einer "Blase" der Immobilienpreise, um weiter über seine Verhältnisse leben zu können.
Gestern brachte dieser Verbraucher zusammen mit seiner verschwenderischen Regierung Nachrichten von einem Rekord-Haushaltsdefizit auf, dass dieses Jahr bei 427 Milliarden Dollar liegt und damit die Weltwirtschaft bedroht. Wenn diese Exzesse nicht angesprochen werden, warnte Mr. Bengtsen, "könnte der Dollar stark fallen, die US-Inflation und die Verzinsung würde plötzlich ansteigen und die Welt würde einem deutlich langsameren Wachstumsmuster folgen. Der Handel wäre ein Hauptopfer; die genannte Entwicklung wäre Gift für die US-Handelspolitik."
Unterdessen enthüllte Fan Gang, dass seine Regierung das Vertrauen in den Dollar verloren hätte. "Der US-Dollar wird nicht länger als stabile Währung angesehen", gab er bekannt. In den kommenden Monaten würde China sich langsam von einem Dollar trennen, der "weiterhin an Wert verlieren" wird, teilte er den Weltverbesserern mit. Auf die Frage, warum China dies bisher noch nicht gemacht hätte, antwortete er, es sei ein bisschen so wie bei der Reparatur eines Daches. Wenn es heftig regnet (so wie im letzten Herbst, als der Dollarkurs stark einbrach), kann man sie nicht in Angriff nehmen ... und wenn die Sonne scheint, ist man nicht besonders daran interessiert: "Großer Druck ... wir tun es nicht. Wenn Druck weg war, vergaßen wir."
Dieses Mal werden wir es nicht vergessen, gelobte Fan. Man erzählt sich, die Chinesen kaufen nun Euros auf.