Neuigkeiten aus dem schmutzigen Keller der Luftfahrtbranche
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 16. August 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
bereits am 31.03.2009 schrieb ich hier bei Investoren Wissen einen Artikel mit dem Thema "Das dreckige Geheimnis der Luftfahrtindustrie".
Es ging darin um die Tatsache, dass Airlines immer wieder ihr Flug- und Kabinenpersonal sowie natürlich die Passagiere giftigen Dämpfen aussetzen, die bei den Betroffenen zu unterschiedlichsten Reaktionen führen können (Lähmung, Zitteranfälle, Übelkeit, Nervenschäden und vieles mehr). Der Grund hierfür ist, dass die Kabinenluft in nahezu allen modernen Flugzeugen aus dem Triebwerk genommen und ungefiltert in die Kabine geleitet wird (sogenannte "Zapfluft"). Sind hier Dichtungen fehlerhaft oder aus Kostengründen nicht gut genug gewartet, kommt es zum Eindringen von Dämpfen. Auch gibt es keine 100%ige-Sicherheit. Die Hersteller verweisen lediglich darauf, dass die Dichtungen im "Normalbetrieb" der Triebwerke funktionierten.
Das alleine wäre nicht so schlimm, doch enthält das meiste Triebwerksöl für Passagiermaschinen sehr giftige Additive, welche für den Menschen auch als Nervengift wirken (etwa Trikresylphosphat).
In dem oben genannten Artikel beschrieb ich diesen Sachverhalt relativ ausführlich anhand zahlreicher Links; auch veröffentlichte ich drei Gastbeiträge in der verlagseigenen Gesundheitspublikation "täglich gesund" zu diesem Thema.
Ich schloss damals damit, dass ich mir sicher langfristig keine Aktien von Fluglinien ins Depot legen würde, da die Giftgeschichte früher oder später auch in der Bundesrepublik herauskommen würde - allen Unterdrückungsmaßnahmen seitens der Fluglinien, der Flugzeughersteller und dem sehr verdächtigen "Kuschelkurs" der Aufsichtsbehörden gegenüber der Branche.
Wörtlich schrieb ich damals:
Die unsichere weltwirtschaftliche Lage, das Vergiftungsthema und ein Ölpreis, von dem ich erwarte, dass er in den nächsten Monaten wieder steigen dürfte, führen dazu, dass ich von Airline-Aktien die Finger lassen werde, denn das Risiko hier erscheint mir nur schwer kalkulierbar.
In der Tat geraten inzwischen einige Dinge ins Rollen
Erfreulicherweise und nicht zuletzt dank des Einsatzes von Betroffenengruppen wie der Aerotoxic Association (Link dringend empfohlen! Sehr informative Seite) gelangt das Thema "Nervengift in der Kabinenluft" immer weiter ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung (sehr gut und entlarvend ist übrigens auch der englische und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnete Dokumentarfilm "Welcome aboard toxic airlines", der von einem ehemaligen Flugkapitän erstellt wurde, der nun selbst betroffen ist.).
Auch gab es inzwischen in Australien das erste rechtskräftige Gerichtsurteil, in dem eine Airline erstmals verdonnert wurde, eine knapp sechsstellige Summe an eine Flugbegleiterin zu zahlen, die an Bord vergiftet und damit arbeitsuntauglich wurde.
Im eingangs verlinkten Artikel wies ich auch auf die Ergebnisse der ARD hin, die nachwiesen, dass die offiziellen Zahlen nur einen minimalen Teil der tatsächlichen Vorfälle in der BRD darstellen.
Die Reaktion auf meinen Artikel damals war recht interessant und auch verräterisch:
Zwei (wohl aus irgendeiner "Luftfahrtecke" bezahlte) Schreiber (einer PR-Agentur, nehme ich an) kontaktierten mich und unternahmen einige mühevolle Anstrengungen, um mir zu erklären, wie falsch ich doch mit dem Artikel läge, den ich veröffentlicht hätte. Dabei verzichtete man auch nicht darauf, mir falsche Behauptungen aufzutischen, wie dass derartige Vorfälle doch gar nicht möglich seien oder dass es nicht einen Beweis gebe, dass die Luft wirklich krank mache (es gibt jedoch Untersuchungen, die zeigen, dass die Ölrückstände und weitere verdächtige Chemikalien bei Betroffenen im Blut und Fettgewebe gefunden wurden. Und gegen unabhängige Untersuchungen wehrt sich die Branche vehement. Ebenfalls bleiben etwa eigene Untersuchungsberichte sogar unter Verschluss und man gibt nur bekannt, alles sei in Ordnung...).
Dieser Versuch der Beeinflussung meiner Berichterstattung blieb natürlich erfolglos, da ich gewöhnlich die Dinge sehr genau recherchiere, bevor ich darüber schreibe.
Entnervt gaben die Herren auf, nicht jedoch ohne den Hinweis, dass es doch "um Arbeitsplätze" ginge und ich mir gut überlegen solle, ob ich "Panik verbreiten" wolle. Auf meine Frage, was sie zu den Betroffenen derartiger Vorfälle sagen würden, die teils ihres Lebens nicht mehr froh werden, kam dann keine Antwort mehr.
Ist es das also tatsächlich gewesen? Panikmache der Medien oder meinerseits?
Ein entlarvendes Papier des Bundesverbands Deutscher Fluggesellschaften (BDF) gelangt an die Öffentlichkeit
Wie der NDR kürzlich berichtete, wurde ihm ein interessantes internes Papier des BDFs zugespielt.
Hier zeigt sich deutlich das, was ich auch vor mehr als einem Jahr schon schrieb: Die Branche kümmert sich offenbar immer noch nicht um das Wohl der Passagiere oder der Flugbesatzungen und weiß sehr genau von dem Giftproblem. Viel mehr ist man nur um den eigenen Ruf besorgt und versucht, Vermeidungsstrategien gegen unabhängige Untersuchungen zu entwickeln und sich auf "einheitliche Sprachregelungen" zu einigen.
Auch hat man scheinbar große Sorgen wegen dem ersten erfolgreichen Gerichtsurteil in Australien (siehe oben). Was, wenn nun eine Klagewelle wütender Betroffener, die man teils jahrelang schweigend wissentlich vergast hat, auf die Luftlinien zurollt?
Der verlinkte Artikel auf das NDR-Papier spricht hier eine sehr deutliche Sprache und ist mehr als lesenswert.
Überhaupt zeigt sich in letzter Zeit, dass das Thema "Vergiftete Kabinenluft" immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien findet, auch in der BRD, in der man es lange totschwieg, während international schon ganz andere Töne angeschlagen wurden.
Ich bleibe somit dabei: Von Airline-Aktien lasse ich als Investment die Finger, denn hier gibt es einige kaum abschätzbare Risiken und es liegen wohl noch zahlreiche "Leichen im Keller".
Beste Grüße
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