Neues Obama-Gesetz: Vaupel findet´s gut
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 13. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Ich habe mir mal das neue amerikanische Gesetz zur Regulierung der Finanzmärkte angesehen. (Natürlich nur die Kernpunkte, denn insgesamt sind das an die 2.000 Seiten.)
Das von der Obama-Administration auf den Weg gebrachte Gesetzeswerk ist inzwischen von Abgeordnetenhaus und Senat abgesegnet und damit „durch".
Feine Sache, finde ich!
Und wundert mich, dass es dieses neue Gesetz nicht stärker in die Schlagzeilen geschafft hat. Meiner Ansicht nach greift es an vielen Schwachpunkten der letzten Krise an.
Beispiel „verbrieften Hypotheken". Die US-Banken und Kreditvermittler hatten in der Endphase des Immobilien-Booms auch Arbeitslosen Hypotheken regelrecht aufgedrängt. Warum?
Weil sie das Risiko komplett weiterreichen konnten. Die Hypotheken wurden gebündelt und dann u.a. an mitteleuropäische Banken mit Dollarzeichen in den Augen weitergereicht.
Und warum sollten die Banken nicht fleißig Kredite vergeben, wenn sie keinerlei Risiko im Falle eins Kreditausfalls hatten?
Nun die Änderung durch das neue Gesetz:
Solche Risiken dürfen nicht komplett weitergereicht werden. Die Banken/Kreditvermittler müssen mindestens 5% des Risikos in den eigenen Büchern halten.
Klingt nicht viel, ist aber wichtig. Denn alleine die Tatsache, dass ein Teil des Risikos nun in den eigenen Büchern bleibt, sollte für gewissenhaftere Kreditvergabe sorgen.
Nicht mehr „too big too fail". "Zu groß zum Fallenlassen" - mit diesem Argument werden ja auch hierzulande große Unternehmen gerettet. Gerettet mit dem Geld der Steuerzahler, wohlgemerkt.
Problem dabei im Falle der Banken ist bekannt: Es kommt zu dem, was der Volkswirt „moral hazard" nennt. Die Banken gehen höhere Risiken ein, als sie es eigentlich sollten (wenn sie selber für die Folgen geradestehen müssten) - in der Annahme, dass im schlimmsten Fall schon der Staat helfen wird.
Nun fordert das neue Gesetz: Große Banken und Versicherungskonzerne müssen Pläne für ihre eigene Zerschlagung vorlegen und diese regelmäßig aktualisieren. Darin soll geklärt sein, dass das entsprechende Institut „geordnet abgewickelt" werden kann.
Einspringen soll zudem eine neue Institution, welche dem deutschen Banken-Einlagensicherungsfonds vergleichbar ist. Deren Hilfsmittel werden - wichtiges Detail, welches mir sehr gut gefällt - von den anderen Banken und nicht vom Steuerzahler aufgebracht.
Machen wir uns nichts vor: Wenn es richtig hart auf hart kommt, wird auch in den USA wieder der Steuerzahler einspringen müssen. Aber alleine die Tatsache, dass nun auch große Bankhäuser Pläne für ihre eigene „geordnete Abwicklung" vorlegen müssen, könnte sehr disziplinierend wirken. Dies gilt ebenfalls für die Tatsache, dass Banken nun Hilfsaktionen für andere Banken mitfinanzieren müssen.
*** Insgesamt also eine runde Sache, dieses Maßnahmenpaket, findet Ihr wie immer subjektiver Autor. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen - und dieses neue Gesetzespaket der Obama-Administration gibt Hoffnung.
Übrigens gefällt mir eine Sache ebenfalls sehr gut: Von der Bankenvereinigung "American Bankers Association" sowie einigen Wall Street Finanz-Häusern kam massive Kritik am neuen Gesetzeswerk.
Sehr gut! Wenn diese Stellen das Gesetz ernsthaft kritisieren, muss es ja gut sein, haha. Ein Zeichen dafür, dass es kein zahnloser Tiger ist.
Dies hofft und wünscht Ihnen und Ihren Lieben ein angenehmes Wochenende:
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt
Chefredakteur Trader´s Daily
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