Neues aus Davos
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Bill Clinton hätte in die Alpen gehen sollen. Stattdessen fuhr er nach Piedmont… um seiner Frau in South Carolina zu helfen. Bei der jährlichen Konferenz der Berühmtheiten, der Power-Broker und der Gutmenschen in Davos in der Schweiz ist Clinton immer ein Hit gewesen. In South Carolina war er ein Reinfall.
Wäre er in Davos gewesen, hätte er dem Treffen vielleicht ein bisschen vom Zauber alter Zeiten verleihen können. Jedes Jahr treffen sich hier die einflussreichsten Leute, um einander zu erklären, wie man die Welt besser machen kann.
Bei den meisten von ihnen läuft das Gefasel so, dass es früh in ihrer Karriere naiv beginnt, dann im mittleren Alter zum Zynismus versauert und irgendwann dann eigentlich nur noch dumm ist. Einige glauben vielleicht immer noch, dass sie etwas verbessern können. Einige wenige werden vermutlich Erfolg haben. Aber beim Treffen in diesem Jahr wurde ein bedrückter Ton angeschlagen. Vielleicht weil die Nachrichten so schlecht waren.
Am vergangenen Sonntag wurde bekannt, dass es einem jungen Mann bei einer alten Bank gelungen war, 50 Milliarden Dollar zu positionieren – und einen Großteil davon in schlechten Positionen. Das war mehr als der doppelte Wert der gesamten Gold- und Devisenreserven Frankreichs.
Mehr als der gesamte Wert, der von der Bank in Jahrzehnten aufgebaut wurde. Wie konnte es dazu kommen? Was ist schief gelaufen? Wie können Banken so zerbrechlich sein… und was muss man vom weltweiten Finanzsystem halten, wenn es auf Ziegeln gebaut ist, die so leicht zu Bruch gehen.
Als seine Vorgesetzten bei der Societe Generale herausfanden, was er vorhatte, versuchten sie schnell seine Trades zu stoppen – am schlechtesten Trading Tag in der jüngeren Erinnerung. Und als es vorbei war, hatte er in diesem Bereich einen neuen Rekord aufgestellt, mit mehr als dem Doppelten der Verluste eines Nick Leeson, der die 200 Jahre alte Barings Bank in die Knie zwang.
Als man ihn nach seiner Meinung fragte, antwortete Leeson: “Haben die denn überhaupt nichts gelernt?” Lehrjahre haben immer ihren Preis. Wenn der Markt nach oben geht, dann lernt niemand etwas. Erst wenn es schief läuft, denken die Leute wieder scharf nach und lassen sich etwas sagen. Und dann trat am vergangenen Wochenende in Davos Stephen Roach aufs Podium, und er verhielt sich wie ein alter Professor mit dem “Hab’-ich-es-euch-nicht-gesagt”-Ton in der Stimme.
“Wenn wir unsere Wirtschaft in der althergebrachten Weise geführt hättet, bei der Sparen und Konsumieren über das Einkommen finanziert wurden, dann hätten wir heute vielleicht nicht die Schwierigkeiten, die wir gerade erleben.“
Roach fuhr fort und sagte, dass dieses Durcheinander “die Dotcom-Krise in den Schatten stellen wird.“
Wie auch ich schon nahe legte, ist es eine Sache, einige wenige Spekulanten zu bestrafen, die beim Dotcom-Spiel mitgemacht haben.
Es ist eine ganz andere Sache, der gesamten amerikanischen Mittelschicht eine ernste Lektion zu erteilen. Letzteren hat es in der Schule nie gefallen.
Die Ausgaben für die Informationstechnologie waren kaum ein Sechstel so hoch wie die Ausgaben für Immobilien. Aber das ist erst der Anfang – denn die Dotcom-Blase hat nicht dazu geführt, dass sich Millionen von Haushalten reicher fühlten als sie waren. Sie hat nicht Millionen von Familien dazu gebracht, deutlich mehr Geld zu leihen und auszugeben, als sie sich leisten konnten. Und sie hat auch nicht die Banker und Investoren in Verlustpositionen von Milliarden von Dollar gelockt.
Natürlich haben die Worte von Mr. Roach die Stimmung in Davos nicht verbessert. Und auch die Nachrichten von der amerikanischen Wirtschaft tragen nicht viel dazu bei, dass sich die Stimmung der amerikanischen Verbraucher bessert.
Am vergangenen Freitag ist der Dow um 171 Punkte gefallen. Was ist mit der Markterholung passiert, fragten sich die Investoren. Hatte das Hubschrauberschwadron Bernankes nicht eben erst 75 Basispunkte abgeworfen? Und laufen die Motoren nicht schon für einen weiteren Start in dieser Woche warm?
Ach ja. Aber die Goldinvestoren scheinen zu wissen, was es bedeutet. Geld von Hubschraubern abzuwerfen ist kaum ein geeignetes Mittel, eine Ökonomie gedeihen zu lassen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es die Goldinvestoren reicher macht. Gold ist am vergangenen Freitag um weitere 4,90 Dollar gestiegen – auf über 910 Dollar – ein neues Rekordhoch. Rohstoffe sind auch ganz allgemein gestiegen und der CRB-Index erreichte 492 Punkte… und Öl erneut mehr als 90 Dollar.
Ein Wort an die Klugen: Man kann die Leute nicht wirklich reich machen, indem man sich an eine „Simbabwe-Ökonmie“ hält. Eine Wirtschaft wird reich, wenn sie etwas herstellt… und Geld spart.
Es gibt keine andere Möglichkeit. Günstigere Kredite werden das nicht schaffen. Mehr Konsum auch nicht. Geld drucken – und es von Helikoptern abwerfen – ist ein Verlustgeschäft.
Aber ich hoffe, dass unsere Finanzvertreter weitermachen. Es ist zumindest lustig, dem zuzusehen.