Neues aus Afrika, Teil 1
Christopher Corbett in Traders Daily
vom 28. Dezember 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Die amerikanische Presse – und die umfasst das Fernsehen und andere Rundfunkanstalten – ist bekannt für die Armut an Nachrichten aus dem Ausland, über die berichtet wird. In vielen der noch stärker im Dunklen lebenden Provinznestern ist man sogar stolz darauf. Eine gewaltige Anzahl meiner amerikanischen Mitmenschen kann den Namen des britischen Premierministers nicht nennen. Eine noch größere Zahl kennt den Namen des Premiers von Frankreich nicht. Wenn sie sich um mehr als 150 Kilometer von einer der beiden Küsten entfernen, dann werden viele Bürger Portugal genauso wenig auf einer Karte finden wie den Sudan.
Bedenkt man die Abgeschlossenheit dieses Landes, sind Nachrichten aus Afrika selten. Das meiste davon ist sehr vereinfacht. Also war ich natürlich sehr interessiert, als sich die am stärksten verbreitete Geschichte der letzten Zeit von diesem problembeladenen Kontinent mit dem Star Madonna befasste und damit, dass sie beabsichtigte, ein kleines Souvenir von ihrer Reise mit nach Hause zu nehmen – einen einjährigen malawischen Waisen, den sie David nennen will. Verkaufen sie denn wirklich keine Stammesmasken mehr? Diese seltsame Geschichte ist sofort die am besten abgedeckte Nachricht aus Afrika in Monaten, vielleicht in Jahren. Bei Google kommt man auf 2.000 Treffer.
Madonna stellt gutes Material dar. Jetzt haben sich die Menschenrechtsorganisationen eingemischt und verlangen, dass das Kind wieder zurückgebracht wird. Das Argument scheint zu sein, dass Madonna eine Sonderbehandlung erhalten habe, als sie das Findelkind adoptierte. Kein Witz! (Eine seltsame, reiche, weiße Frau mit einem gewaltigen Gefolge fällt vom Himmel auf eine verarmte afrikanische Nation herab und verspricht gewaltige Summen. Die örtlichen Machthaber riechen Mammon und erlauben ihr, den Waisenjungen mitzunehmen.) Es ist die Sorte von Geschichte, über die Evelyn Waugh komische Romane schrieb.
Man sollte doch meinen, dass die Menschenrechtsorganisationen in Afrika mehr zu tun haben, als sich um ein Kind in einem Kontinent, der von AIDS und Bürgerkriegen zerstört wird, zu sorgen. Wie steht es mit Darfur? Aber dann ist Madonna eine so gute Vorlage. Dabei ist sie eine so natürliche Mutter, wie Gott nie sonst eine erfunden hat. Hier ist ein Ausschnitt der britischen Presse der vergangnen Woche, der ihre Mutterinstinkte beweist.
Während Madonna am Mittwoch ihre Gymnastikstunde absolvierte, schickte sie einen ihrer Helfer los, Kleidung für David zu kaufen und verlangte, dass eine Videoaufzeichnung an ihr Handy geschickt würde, damit sie die Outfits gutheißen konnte.
Das klingt auf mich doch sehr mütterlich. Wissen Sie, ich weiß nicht, ob eine reiche Dilettantin das Recht haben soll, sich aus Afrika ein kleines Souvenir mitzubringen oder nicht. Die ethischen Fragen sind interessant. (Es wäre vermutlich schwieriger, ein Löwenbaby zu erwerben) Und noch während ich das schreibe, melden die Sender, dass auch andere Stars – z.B. Britney Spears – denken, ein kleines Kind aus Afrika sei eine nette Idee. Vielleicht so wie Rasenschmuck? Ein lebendes Gesprächsthema? Mehr dazu morgen!