Neuer Bailout steht

in DAX Daily
vom


Sie haben es wieder getan: Griechenland bekommt noch mehr Geld, diesmal 130 Milliarden Euro. Und die privaten Gläubiger sollen nun freiwillig" auf 53,5 Prozent oder 107 Milliarden Euro ihrer Forderungen verzichten (waren da nicht 70 Prozent im Gespräch?). Ein gewisser Jean-Claude Juncker, seines Zeichens Eurogruppen-Vorsitzender, versicherte der unbedarften Öffentlichkeit gestern früh, dass Griechenlands Zukunft innerhalb der Eurozone und die finanzielle Stabilität des Währungsraums damit gesichert sei. Schade, dass solche Aussagen keine juristisch verbindliche Haftung für deren Richtigkeit beinhalten. Wir würden dann vermutlich viel weniger Dummsinn hören. Aber derselbe Juncker wird ja auch mit folgenden Worten zitiert: Wenn es schwierig wird, dann lügen wir".


Noch ein Zitat von Albert Einstein: Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten". Er muss schon früh etwas von der Eurokrise und ihren wenig kreativen Rettungsmethoden geahnt haben. Dieser neue Bailout eines Euro-Landes, welcher ein klarer Bruch von EU-Recht darstellt, beruht auf völlig illusorischen Annahmen: So soll das griechische Wirtschaftswachstum bald seinen Tiefpunkt durchschreiten und auf wundersame Weise nach den Berechnungen" der Troika in einem Jahr wieder die Pluszone erreichen. Woher dieses Wachstum in einem Land kommen soll, das gerade den Schuldendienst als die wichtigste Form des Geldausgebens in die Verfassung schreiben musste, das keinerlei Spielraum für Wirtschaftsförderungs-Programme hat, in dem die Arbeitslosigkeit massiv durch Entlassungen steigt und dass seit fünf Jahren eine Rezession erlebt (aktuelles Wachstum -7 Prozent) - das wissen nur die Beamten, die diesen Unsinn verfasst haben.

Wo ist der Anreiz zum Sparen oder zu Strukturreformen, wenn die Rettungsgelder über ein Sperrkonto direkt an die Banken gehen und nicht wenigstens teilweise der griechischen Volkswirtschaft (etwa über eine Wirtschaftsförderung) zugutekommen? Entweder, wir nehmen Märkte Ernst und überlassen Griechenland sich selbst inklusive einem Austritt/Ausschluss aus der Eurozone (Gläubiger bleiben auf ihren Verlusten sitzen, wie es sich gehört). Oder wir pumpen richtig Geld rein und sorgen mit weiteren Hunderten Milliarden dafür, dass die griechische Wirtschaft wieder wächst. Die letztere Einschätzung teilte gestern auch der Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Werner Hoyer. In diesem Fall sollten sich die Geldgeber allerdings ein Stück vom griechischen Kuchen als Gegenleistung abschneiden. Nun ja, offenbar hat man sich für die dümmsten aller Möglichkeiten (oben nicht aufgeführt) entschieden, bei der man auch gleich das Geld verbrennen könnte. Oder direkt an die Banken überweisen, damit auch der Mann auf der Straße merkt, welches Spiel hier abläuft.

In einem etwas realistischeren Szenario sieht der Bericht übrigens bis 2020 einen Finanzierungsbedarf von 245 Milliarden Euro" vor, also ungefähr doppelt so viel wie gerade bewilligt wurde. Womit der gedeckt werden wird, können Sie sich sicher schon denken. Bailout Nummer drei. Wäre das schön, wenn diejenigen, die diese Beschlüsse treffen, mit ihrem eigenen Vermögen dafür gerade stehen müssten statt mit unserem. Ich frage mich nur immer, ob diese Herren einfach nur" unfähig sind oder vielleicht korrupt? Die letztere Meinung teilen nach einer neuen Umfrage übrigens 81 Prozent der Deutschen.

von
Henrik Voigt
Henrik Voigt

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Kommentar von Stief

Die Griechen prügeln, ja, aber die, die es auch verdient haben. 1000 reiche Griechen, die durch den EG Beitritt superreich wurden und dann mit der Beute verschwanden, die sollte man per Interpol suchen und 30% EG-Beitrittssteuer kassieren.

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Kommentar von Detlef Büttner

Sehr treffend vom Inhalt her; wie kann man den wahnsinn nur stoppen? Dieser Mann aus Luxemb.

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Kommentar von werner römer

einfach klasse klar und deutlich

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Kommentar von Albert Karl

Verbindlichen Dank für diesen lesenswerten Beitrag, Herr Voigt! Im ersten Abschnitt fragen Sie: (Waren da nicht 70 Prozent im Gespräch?). Meines Wissens hielten beispielsweise die privaten deutschen Banken Ende 2010 griechische Anleihen in Höhe von 16 Mrd. Euro. Ein Schuldenschnitt von 50% und der Tausch in geringer verzinsliche Anleihen bedeutet, dass sie insgesamt 70 Prozent verlieren, also 11 Mrd. Euro einbüßen. Der größte Teil davon, 50 %, ist - wie wir ja alle wissen - bereits abgeschrieben. Die Commerzbank etwa hat schon ca. 1,4 Mrd. Euro abgeschrieben; der höhere Schuldenschnitt dürfte diese Bank weitere knapp 700 Mio. Euro kosten. Und wenn es stimmt, dass die EZB auf einen Gewinn aus den Griechen-Bonds in Höhe von 15 Milliarden Euro verzichtet, dann wäre die Bundesbank davon zu einem Viertel betroffen. Kommt es zu einem Forderungsverzicht der deutschen Banken, dann entsteht zudem ein Steuerausfall, weil natürlich die Banken einen Verlust bilanzieren. Die optimistische Sichtweise unserer Politiker (dass es möglich ist, dass Griechenland nun mit dem verabschiedeten zweiten EU-Rettungspaket den notwendigen Spielraum erhält, um die Wirtschaft aufzubauen) ist aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt. Die Rettung kann nur gelingen, wenn die griechische Wirtschaft nicht nur wächst, sondern sehr stark wächst. Aber Griechenland ist in mehrfacher Hinsicht schon bankrott: Finanziell, gesellschaftlich und auch politisch. Die Griechen kommen so auf keinen grünen Zweig. Sie sparen sich tot. Deshalb braucht das Land einen radikalen Schnitt und ihre eigene Währung. Die von Finanzminister Schäuble in diesen Tagen erwogene geordnete Insolvenz wäre also nur konsequent. Ich weiß nicht, warum die Dame und Herren Politiker das neue Rettungspaket als großen Schritt feiern. Denn es zögert die Pleite Griechenlands nur heraus. Wir, also die europäischen Steuerzahler haben die Zeche zu bezahlen. Und trotz der Milliarden und Abermilliarden Euro Finanzierungsmittel kann man das Land innerhalb der Euro-Zone nicht wettbewerbsfähig machen. Eine wirkliche Problemlösung sieht anders aus: Es muss zu einem Währungsschnitt kommen, damit Griechenland den Neuanfang starten kann. Zusammengefasst: Unsere Politiker sind immer noch damit beschäftigt, wie öffentliches Geld der steuerzahlenden Bürger möglichst effektiv verbrannt werden kann, während Hedgefonds evtl. Klagen einreichen und Großzocker weiter munter ihre Milliarden scheffeln. Es geht gar nicht so sehr im Prinzip um das griechische Volk, vielmehr darum, dass die Euro-Forderungen am Fälligkeitstag seitens der Regierung in Griechenland eingelöst werden können. Und dass die CDS an die Banken im Falle einer Pleite nicht ausbezahlt werden müssen. Tatsache bleibt auch, dass das Land - wie oben erwähnt - nie auf die Beine kommen wird, wenn man den Privatsektor weiter einschnürt und den Menschen dort den Lebensunterhalt nimmt, in Bezug auf die Sparmaßnahmen hinsichtlich Senkung der Renten bei ehemaligen Kleinverdiener und des Mindestlohns unter 590 Euro. Hätten wir in Deutschland eine ähnliche Situation, würde das auch den Markt "töten". Somit bleibt die Hoffnung, dass die EZB unsere Geldwertstabilität nicht umsonst in die Griechenland-Waagschale geworfen hat. Auffällig ist auch, dass man nichts liest, ob die besserverdienenden Bürger unter den dortigen Umständen steuerlich "stärker" herangezogen werden, als dies bisher der Fall war. Auch das wäre ein Akt der Solidarität.

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