Neue Zeiten
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 12. Oktober 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** In den frühen 1990ern war es irgendwie ein Griff ins Klo, wenn man im Fernen Osten investieren wollte. Nicht, dass es da kein Wirtschaftswachstum gab, das auch für jeden sichtbar war, der sich die Mühe machte, sich diese Region anzusehen.
Aber damals wurde ein großer Anteil der Aktien, die man in Malaysia, Indonesien und anderen „Tigerstaaten" kaufen konnte, nur deshalb emittiert, damit die Besitzer der jeweiligen Gesellschaft - normalerweise ein Familienunternehmen, das von einem scharfsinnigen Patriarchen zum Wohle seiner nicht-ganz-so-scharfsinnigen-Nachkommen geführt wurde - jede Menge Geld verdienen konnten.
Die Unternehmen erinnerten oft an „Schneeballsysteme". Man wusste niemals, wer was produzierte und welcher Kunde wirklich real war oder nur ein scheinbarer Kunde, z.B. eine Briefkastentochter der Muttergesellschaft.
Das machte das Investieren in diesen Märkten herausfordernd.
In seinem Buch "The Lexus and the Olive Tree" argumentiert der Kolumnist Thomas Friedman so, dass der Aufstieg der lateinamerikanischen und asiatischen Aktienmärkte das Ergebnis der Demokratisierung (und, wenn man so will, der Globalisierung) dieser Märkte sei: Um mit den „big boys" an den globalen Märkten spielen zu können, mussten die Unternehmen dieser Regionen westliche Buchführung und Transparenz-Standards annehmen.
Statt Meetings hinter verschlossenen Türen und ein paar gut platzierten Telefonanrufen mussten Informationen jetzt gesammelt und überprüft werden, und Entscheidungen wurden nicht nur vom Aufsichtsrat in Frage gestellt, sondern auch vom Mann auf der Straße.
*** Etwas ähnliches passierte in der Politik und in den Medien. Das Internet ist nicht nur ein perfektes Instrument für kleine Unternehmer, um Nischenmärkte zu erreichen, es hat auch die Medien demokratisiert.
Vor zehn Jahren wäre ein journalistischer faux pas wie der 2005 von CBS-Anchorman Dan Rather („Docugate") unter dem Tisch mit einer an versteckter Stelle platzierten Entschuldigung hinweggewischt worden.
Seit damals ist vieles anders geworden: Dan Rather wechselte seinen Arbeitsplatz, als direktes Ergebnis der durch das Internet verursachten Demokratisierung von Nachrichten. Die Webloggers deckten den faux pas blitzschnell auf.
Das wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass so etwas passiert ist.