Neue Lust am Untergang?
Axel Retz in DAX Daily
vom 25. Juni 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Das war ja wieder mal so eine Woche: Den Anlegern stellten sich die Nackenhaare auf, als die Kurse am Donnerstag/Freitag unter Druck gerieten. Hedgefonds, Zinsängste, Terrordrohungen gegen Deutschland – das und anderes ließ diffuse Ängste aufkeimen und Schreckensszenarien durch die Köpfe spuken.
Bis jetzt, das sollten wir einmal festhalten, ist überhaupt nichts passiert. Der wirkliche „Horror" (nämlich die in den vergangenen Jahren explodierten Rohstoffpreise, die Inflationsentwicklung, das Schwarze Loch der Derivate- und Hedgefonds, die scheinbar niemanden mehr interessierenden Defizitorgien der USA, die Immobilienkrise, der gegen Euro und Pfund abgestürzte US-Dollar – all das hätte seit vielen, vielen Monaten jederzeit ein Kursdesaster auslösen können.
In den „guten alten Zeiten" hätte ein einzige dieser Themen ausgereicht, um die Aktienmärkte in den Würgegriff zu nehmen. Das in all dieser Zeit nichts derartiges geschehen ist – DAS ist das wirklich Beunruhigende. Als ob „Liquidität" allein wirklich ein schlüssiges Argument wäre!
Der „neuen Lust am Untergang", die nun durch die Medien geistert, steht ein neues Allzeithoch (auf Schlusskursbasis) des Dax vom vergangenen Mittwoch gegenüber. Und ein Kursrückgang des Index um gerade einmal einem Prozent im Wochenvergleich. Also beim besten Willen nichts, was der Rede wert wäre. Objektiv betrachtet. Nur:
Die in den vergangenen Jahren durch die massive Überliquidität entstandenen Kurssteigerungen nahezu alles, was man kaufen konnte, werden irgendwann einmal korrigiert werden.
Was dazu den Anstoß geben wird, weiß heute niemand. Vermutlich wird es eine Belanglosigkeit sein, die einen psychologischen Funken losschlägt, der dann zum Flächenbrand führt.
Eine hohe Skepsis, das wissen wir, ist normalerweise gerade eben nicht das Umfeld, in dem eine Hausse endet. Aber: Welche altbewährte Börsenregel hat in den letzten Jahren eigentlich noch gestimmt?