Neue Impulse dringend benötigt
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 22. Januar 2009, 17:00 Uhr
ENL5454
Aktien steigen, wenn die Nachfrage größer als das Angebot ist und aus keinem anderen Grund. Damit neue Anleger angelockt werden, muss also irgendetwas im Markt passieren, bzw. es müssen neue Fakten von außen eindringen. Momentan stehen wir inmitten der Berichtssaison, von der keine positiven Impulse zu erwarten sind. Von dieser Seite her könnten sich also positive Überraschungen ereignen, ähnlich wie gerade bei IBM und Apple zu sehen. Mehrheitlich waren die Unternehmensergebnisse aber wie erwartet schlecht und inspirierten nicht zu Neuengagements. Dies in Kombination mit den Horrornachrichten der Banken, etwas bei der Deutschen Bank und der Royal Bank of Scotland, brachte die Kurse gehörig unter Druck. Es wird also höchste Zeit, dass neue und gute Nachrichten auftauchen um zu verhindern, dass die Indizes ihre Konsolidierungsformationen nach unten verlassen. Ein kleiner konjunktureller Lichtblick entwickelt sich gerade am Geldmarkt, wo die ehemals inverse Zinsstrukturkurve einer normalen" Zinskurve weicht. Eine inverse Zinsstruktur liegt dann vor, wenn bei kurzen Laufzeiten höhere Zinsen als bei langen Fälligkeiten gezahlt werden. Meist wird eine Rezession von dieser Zins-Anormalie angekündigt. So geschehen auch im Sommer 2007. Aber auch umgekehrt zeigt ein Zinsanstieg am langen Ende eine Verbesserung der Konjunktur. Genau in diesem Zustand befinden wir uns gerade, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob die traditionell positiv zu bewerten ist. Denn immerhin hat die FED so unnatürlich am kurzen Ende die Zinsen manipuliert, dass auch ohne steigende Nachfrage nach langfristigen Krediten die Zinskurve wieder gesund" aussieht. Dies ist übrigens meiner Meinung nach auch eine weitere Folge der Finanzkrise. Durch die extreme Hebelung vieler Geschäftsprozesse mit billigem Geld, welches es zukünftig von den klammen Banken nicht mehr geben wird, sind einige fundamentale Berechnungsmethoden nicht mehr mit den Datenreihen der Vergangenheit zu vergleichen. Dies wird dazu führen, dass einige Berechnungsmethoden nicht mehr funktionieren und Aktien zukünftig Bewertungsabschläge hinnehmen müssen.
"Bad Bank" als Lösung?
Heute wird wieder eine Bad-Bank" als Lösung gefordert. Dies ist nichts weiter als eine vornehme Umschreibung dafür, dass wir Steuerzahler für den Ankauf der toxischen Kredite der Banken herhalten müssen. Viele Experten halten dies für den einzigen Weg aus der Krise. Dadurch hätten die Banken das Abschreibungsproblem auf Kosten der Allgemeinheit gelöst, könnten wieder frisches Kapital aufnehmen und Kredite auslegen.
Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob man damit die Krise nicht nur verlängert und fast Tote künstlich am Leben erhält. Auf alle Fälle sind die steuerfinanzierten Maßnahmen aber Steilvorlagen für die Stammtisch-Strategen nach dem Motto: Die großen Krisenverursacher werden auf unsere Kosten gerettet und die Kleinbetriebe zum Konkursrichter geschickt!
Ich wünsche Ihnen schon heute ein angenehmes Wochenende und dem Markt endlich eine ordentliche Erholung!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Buhl