Neue Abwärtsspirale unwahrscheinlich
Knauer Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 8. Februar 2010, 17:00 Uhr
ENL5462
das war ja mal wieder eine ganz schön aufregende Woche, in der der DAX z.B. um etwa drei Prozent unter die Räder kam, während der SDAX sich mit einem Minus von zwei Prozent begnügte. Auch in der neuen Handelswoche werden die Aktienindizes vor allem von den Verwerfungen an den Devisenmärkten getrieben werden. Auch die heutige Erholung der Aktien wird von einer Erholung des EUR/USD begleitet. Mittlerweile ist die vormals gute Stimmung der Aktionäre total gekippt, was natürlich nichts schlechtes bedeutet. Dabei kann ich nach wie vor nicht besonders viel Neues im Vergleich zu den Vorwochen erkennen. Der dynamische Aberverkauf erscheint mir eher ein psychologisches Phänomen zu sein, als eine durch neue fundamentale Erkenntnisse ausgelöste Verkaufswelle. Wie schon kürzlich hier erläutert, sind die Verschuldungsprobleme einiger Länder keine neuen Fakten. Vor allem halte ich die Diskussion für ein grandioses Ablenkungsmanöver von den Problemen des eigentlichen Defizitweltmeisters, dem amerikanischen Patienten"!
Kein Vergleich mit der Abwärtsspirale des September 2008
Am Wochenende habe ich mich eingehend mit den aktuellen Marktkommentaren, vor allem aber mit fundierten Analysen zur europäischen Verschuldungskrise befasst. Insgesamt kamen mir die Berichte über drohende Staatspleiten doch sehr sensationslüstern und übertrieben vor. Einige Medien titulieren bereits die aktuelle Schuldenproblematik als Abwärtsspirale und vergleichen die Situation mit dem September 2008, als kaum noch eine Bank der Anderen Geld leihen wollte und das Geldsystem kurz vor dem Kollaps steht. Einige Punkte stören mich aber sehr an diesen Vergleichen. Zum Beispiel halte ich eine echte Abwärtsspirale wie nach der Lehmanpleite schon deshalb für unwahrscheinlich, da zwar möglicherweise die griechischen Kreditgeber wegen des hohen Volumens in Schwierigkeiten kommen könnten, nicht aber dritte Länder. Dafür fehlt einfach der Transmissionsriemen und zum Glück auch die Bereitschaft, mit eigenen Steuergeldern für die Disziplinlosigkeit anderer Staaten aufzukommen. Vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit hätte die europäische Staatengemeinschaft noch einige Joker im Ärmel. Z.B. eine Garantie für griechische oder portugiesische Staatsanleihen abzugeben. Denkbar wäre auch eine gemeinsame europäische Staatsanleihe zur Refinanzierung, wobei solide Staaten ihre Haushaltsdisziplin an weniger konsequente Staaten verleihen müssten. Auch ein Aufkauf eigener Schuldenpapiere durch nationale Notenbanken wäre eine Möglichkeit, um Krisen abzuwenden. Immerhin haben dies die FED und die Bank of England bereist vorgeführt.
Dies sind bisher nur akademische Strategien, von denen ich nicht denke, dass sie überhaupt notwendig werden. Denn es stimmt zwar, dass die Defizite in einigen Mitgliedsländern während der Krise sprunghaft angestiegen sind, allerdings besteht auch die Chance einer Konsolidierung der Haushalte. Vor allem wenn die Konjunktur wieder anspringt, die Welt nicht untergeht und ein neuer Wirtschaftszyklus entsteht. Man sollte sich auch verdeutlichen, dass die griechische Verschuldung gemessen am gesamten BIP im Vergleich zu einigen anderen Staaten noch fast moderat ist. Die Lage ist ernst, aber bis zur prozentualen Schwelle von etwa 40 % Zinslast des gesamten Haushalts, ab der ein Staat quasi Handlungsunfähig ist, da ihn die Altschulden strangulieren, ist Griechenland noch entfernt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Josef Hehle (08.02. 2010 17:16 Uhr):
na dann weiter so!
Antworten - Kommentar von rinek (08.02. 2010 18:00 Uhr):
wieso sollen finanziell relativ gesunde staaten od. volkswirtschaften denen helfen, die durch statistikbetrug und zügellose "kassenentnahmen" fast bankrott gehen? ich würde lieber den euro-verbund verlassen, obwohl das wiederum neue probleme verursachen würde
Antworten - Kommentar von Klaus Buhl (10.02. 2010 10:31 Uhr):
Ich vermute und hoffe, dass nicht einmal die abgehobene EU-Kommission die strengen Bail-Out -Regelungen des Vertrags von Maastricht versucht zu unterlaufen. Falls doch, bekommt das Währungssystem ein ungeheures Vertrauensproblem. Denn es wird kaum genügend enthusiastische EU-Bürger geben, die mit ihren Steuergeldern mehr oder weniger korrupte Staaten subventionieren wollen.
Antworten - Kommentar von Reiner Tiroch (11.02. 2010 15:07 Uhr):
Das mit Ebula infizierte Finanzsystem wird so betrachtet, dass es nie sterben könnte und wird von allen Seiten schöngeredet. Nur Ignoranten glauben an keinen Bankrott, obwohl er schon da ist.
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