Netto-Kapitalvernichter
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom 25. August 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Die Flugindustrie insgesamt hat Geld verloren, seit ihrer Gründung", so der britische Analyst Tim Price. "Sie ist ein Netto-Kapitalvernichter."
Flugzeuge gehören zu den erfolgreichsten neuen Technologien aller Zeiten. Erst vor einem Jahrhundert erfunden, ist der Himmel nun voll von ihnen. Aber wenn Sie Aktien von allen Fluggesellschaften gekauft hätten, als diese an den Markt gekommen sind, dann hätten Sie letztlich Geld verloren.
Die Angestellten haben Geld verdient. Die Passagiere haben den Luxus von Flügen genossen. Die Flugzeughersteller und die Lieferanten haben Geld verdient. Eine Menge Geld hat den Besitzer gewechselt. Aber die Kapitalisten, die die Flugindustrie finanziert haben, haben nichts verdient.
Andererseits frage ich mich, ob die Investoren – insgesamt – überhaupt Geld verdienen ... und ob nicht auch die Wall Street selbst ein Netto-Kapitalvernichter ist.
"Ich habe eine Studie gesehen", so Tim Price weiter, "die gezeigt hat, dass die Aktienkurse während des letzten Bullenmarktes der 1980er und 1990er um jährlich durchschnittlich 17 % gestiegen sind ... aber der durchschnittliche Investor hat dennoch nur etwa 5 % verdient. Und das war der größte Bullenmarkt aller Zeiten. Stellen Sie sich vor, was bei Bärenmärkten passiert."
Wie kann das sein, liebe(r) Leser(in)?
Ich habe eine Hypothese. Ich glaube, dass die Wall Street die Investoren zu falschen Handlungen verleitet. Wenn eine Aktie im Kurs steigt – dann kaufen die Investoren sie. Sie werfen gutem Geld schlechtem Geld hinterher – was indirekt zur Überkapitalisierung eines guten Unternehmens führt, was deren Manager dazu einlädt, Geld mit Projekten zu verschwenden, die wahrscheinlich weniger Rendite bringen werden als die ursprünglichen. Schließlich fällt der Aktienkurs und die Investoren verlieren Geld.
Und dann müssen ja auch noch die Kosten der Broker, Analysten, Juristen, Market Maker, Kaffeehersteller, Buchhalter bezahlt werden – nichts ist umsonst. Das sind die Friktionskosten, deren Höhe Warren Buffett auf 30 % des gesamten investierten Kapitals schätzt.