Nervosität vor dem Verfalltag wird diese Woche prägen
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 15. Juni 2009, 17:00 Uhr
ENL5462
Nicht nur wegen des Feiertags erlebten wir eine ruhige Börsenwoche. Per Saldo fast unverändert beendeten die Indizes die vergangene Handelswoche. Obwohl die US-Börsen am späten Freitag nochmals zulegten, die Vorgaben für Europa also positiv waren, setzten sich heute sofort zur Eröffnung die Verkäufer durch. An der großen Wetterlage hat sich nichts geändert. Die harten Fakten auf der einen Seite bleiben negativ, positive volkswirtschaftliche Nachrichten sind Mangelware. Seit Mitte März konzentrieren sich die Anleger auf die wenigen positiven Nachrichten, vor allem auf die Stimmungsindikatoren. Alleine die Hoffnung auf eine bessere Zukunft hebelte die internationalen Indizes um fast 40 Prozent nach oben. Heftige Bärenmarkt-Rallies sind nichts ungewöhnliches, aber irgendwann müssen auch wieder bessere und belastbare Konjunkturdaten her. Bleiben diese aus, wächst die Gefahr vor empfindlichen Rückschlägen. Das Problem ist aber, dass zu viele Anleger diese Rückschläge erwarten, auf bessere Einstiegskurse wetten und daher nicht genügend investiert sind. Dies erkennt man am Handlungsschema der vergangenen Wochen, als jeder kleiner Rücksetzer als Nachkaufgelegenheit genutzt wurde. Möglicherweise ändert sich diese Denke diese Woche, da einige ernste Konjunktursorgen herumgereicht werden.
Keine Angst kaufen
Noch ist es aber viel zu früh, um darüber zu diskutieren. Nachrichten haben nämlich die Eigenschaft auf Börsenkurse zu reagieren, nicht umgekehrt. Daher macht es auch keinen großen Sinn, sehr kurzfristige Kursschwankungen fundamental zu erklären. Da hilft die Chart- und Markttechnik, sowie die Psychologie des Marktes viel weiter. In dieser Woche wird es z.B. alleine wegen der ausstehenden Wetten am kommenden Freitag, dem großen Verfalltag, sehr spannend. Ich vermute, dass der heutige Kursabschlag damit zusammenhängt und weniger mit anderen Nachrichten. Offenbar haben große Investoren die Rallye unterschätzt und stark Optionen geschrieben, also verkauft. Sollen diese nicht zu sehr ins Geld laufen, muss der Markt nach unten gedrückt werden. Ich kann mir daher Kurse von 4.800 bis Ende der Woche gut vorstellen. Sehr interessant fand ich diesbezüglich in den vergangenen Tagen einen Versuch aus dem Hause Goldman-Sachs, den Markt zu beeinflussen. Deren Vorstandschef warnte nämlich, dass die gegenwärtige Aktienrallye nicht nachhaltig sei. Er warnt stattdessen vor einer langen Durststrecke und vor den weiteren Folgen des Abschwungs. Die gegenwärtige Hausse an den Märkten bezeichnete er als "oberflächlich" und warnte vor einer langen Rezession.
Natürlich ist es legitim, seine Meinung unverblümt zu äußern. Allerdings empfehle ich Ihnen immer zu überlegen, welche Absicht der Autor oder Redner mit seiner Argumentation verfolgt. Fast niemand innerhalb der Branche äußert sich so drastisch wie der Goldman Chef ohne spezielle Motive zu verfolgen. Vielleicht ist ja auch Goldman unterinvestiert? Oder noch viel schlimmer auf der falschen Seite des Marktes positioniert, setzt also seit Wochen auf fallende Kurse und will nun etwas günstiger die Verlustpositionen abstoßen? Lassen Sie sich also bei Ihren Transaktionen nicht zu leicht ins Boxhorn jagen, arbeiten Sie mit vertretbaren Stopp-Loss-Marken, aber lassen Sie sich nicht voreilig aus ihren gut überlegten Positionen drängen. Emotionen und übereiliges taktieren schaden an der Börse langfristig.
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