Negative Guthabenzinsen – geht so etwas?
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 6. Oktober 2011, 08:30 Uhr
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Eine skurrile Situation, die es in Deutschland vermutlich noch nie gab: Sie gehen zur Bank, legen 100.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto an. Nach einem Jahr gehen Sie wieder zur Bank, um sich die Zinsen auszahlen zu lassen. Doch der Bankmitarbeiter zieht Ihnen 1.000 Euro vom Guthaben ab. Geht nicht? Doch, das geht, wenn Sie ein Konto in der Schweiz eröffnen.
Die Rabobank verlangt 1% von jedem Kunden
Jetzt hat die erst Bank negative Guthabenzinsen eingeführt. Die Rabobank, die vom Markt als fast genauso sicher eingestuft wird die die Bundesrepublik Deutschland, hat es nicht mehr nötig, mit positiven Zinsen um die Anlegergunst zu buhlen. Je schlechter es der Konkurrenz geht, desto stärker kommt die eigene Topbonität zur Geltung. Sie verlangt seit neustem 1% Zinsen, wenn Kunden Geld anlegen möchten.
Den Schweizer Banken wird das Geld praktisch aufgedrängt
Möglich macht diesen Schachzug die weltweite Finanzkrise. Anleger weltweit flüchten aus Angst vor Inflation oder Währungsreform in den Schweizer Franken. Der gilt als synonym für einen sicheren Hafen. Und wie Sie wissen, führt ein steigendes Angebot zu sinkenden Preisen. Das Angebot ist in diesem Fall das Sparerkapital. Der Preis ist der Zins, den Banken zahlen müssen, um das Sparerkapital zu bekommen.
Für Negativzinsen gibt es Vorbilder, zum Beispiel aus den USA
Negativzinsen gab es zuvor jedoch schon öfter. Die USA als Staat können sich zum Beispiel hin und wieder kurzfristig Geld umsonst leihen. Für den Anleger sind bereits 0% Zinsen ein Zuschussgeschäft. Denn durch Transaktionskosten und Inflation wird immer ein Stückchen vom Anlagebetrag verloren gehen. Bei einigen wenigen Emissionen mussten Anleger den USA sogar mehr Geld bezahlen, als sie später zurückbekamen - so wie jetzt bei der Rabobank in der Schweiz.
Die Schweiz könnte Negativzinsen für alle ausländischen Anleger vorschreiben
Bislang sind die Negativzinsen nur privatwirtschaftlich organisiert. Die Rabobank kann es sich leisten, Geld für Sparguthaben zu verlangen. Die Guthaben werden ihr aufgedrängt. Andere Geldhäuser in der Schweiz können sich das nicht leisten. Daher denkt die Schweizer Finanzministerin schon offen über staatlich angeordnete Negativzinsen wenigstens für Ausländer nach.
Eingeführt werden könnte zum Beispiel eine neue Kapitalsteuer, die nur ausländische Anleger betrifft und die Guthabensubstanz angreift. Das Ziel ist klar: Geldanlagen in der Schweiz sollen unattraktiv gemacht werden, damit der Kapitalstrom versiegt. Der massiv überbewertete Franken könnte dann endlich abwerten und so die für das Land sehr wichtige Exportindustrie entlasten.
Auch für eine nur Ausländer betreffende Kapitalertragssteuer gibt es Vorbilder. Brasilien führte eine solche Steuer schon vor Jahren ein.
Geldanlagen in der Schweiz sollten jetzt wohl durchdacht werden
Für Anleger, die Geld in der Schweiz parken möchten, brechen also harte Zeiten an. Wer jetzt noch Geld in die Schweiz transferieren möchte, könnte ein bitteres Erwachen erleben. Statt Schutz vor Inflation und Währungsreform gäbe es im schlimmsten Fall satte Verluste. Sobald eine Kapitalsteuer eingeführt wird, ist mit einer Abwertung und damit Devisenkursverlusten zu rechnen.