Nebenwerte und Eigenkapital
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 29. September 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserinnen und Leser,
Leider muss ich auch heute wieder Ihre Hoffnungen auf eine baldige Verbesserung der Lage bei den Nebenwerten enttäuschen. Nicht mal für eine kleine Gegenbewegung ausgelöst durch die sehr riskant agierenden Contratrend-Trader" ist das Vertrauen derzeit genügend. Aus Sicht der Marktpsychologie ist das natürlich keine gute Nachricht.
Vergangenen Freitag noch habe ich anerkennend und verwundert festgestellt, dass sich die deutschen Indizes überraschend widerstandsfähig zeigen. Auch die Gewinnwarnung des sehr wichtigen US-Riesen General Electric konnte dem DAX nur vorübergehend schaden und am Tagesende zog der marktbreite S&P 500 dann sogar noch ins Plus. Eine positive Börseneröffnung in Europa war zu erwarten, vor allem da der US-Kongress sich endlich auf die Verabschiedung des Rettungspakets" einigen konnte.
Am Wochenende kam dann jedoch die eiskalte Dusche mit der Gewissheit, dass die Bankenkrise endgültig Europa erobert" hat. Gerade die Vorkommnisse um den DAX-Wert Hypo Real Estate verdeutlichen die Kreditklemme. Denn HRE hat den Fehler begangen, gegen die goldene Bankregel" zu handeln, und hat langfristige Verbindlichkeiten teilweise kurzfristig finanziert. In den vergangenen Wochen trocknete der Interbankenmarkt immer weiter aus und die Gegenfinanzierung wurde unerschwinglich teuer. Ähnliche Probleme, wenn auch nicht in gleicher Dimension, höre ich leider immer häufiger von kleineren und mittleren Unternehmen. Diese schaffen es trotz toller Produkte und solider Finanzierung nicht mehr, die Banken von sich zu überzeugen. Die Folge: Neue Projekte sind nicht mehr durchführbar und das Wachstumstempo erfährt massive Bremsspuren. Die Prognosen müssen gekappt werden, Analysten senken die Kursziele und die Aktie gerät unter Druck. Je tiefer die Aktie fällt, desto schneller setzt sich der Vertrauensverlust fort. Dadurch schlingert auch ein gut geführtes Unternehmen in einen Prozess, der die externe Kapitalaufnahme praktisch unmöglich macht. Denn kaum ein Aktionär verspürt großen Appetit eine Kapitalerhöhung zu zeichnen, wenn die Gefahr besteht, die Stücke binnen weniger Wochen für einen Abschlag direkt an der Börse beziehen zu können.
Wenn dann noch Gerüchte in Umlauf gebracht werden, kann es schnell zu Manipulationen kommen und eine oft tödliche Spirale beginnt. Wie schnell eine solide Firma von den shorties" zerschossen werden kann, hat jüngst der Fall der Wirecard AG gezeigt.
Beispiel Plambeck Neue Energien AG
Die Plambeck Neue Energien AG beschäftigt sich mit der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Das Kerngeschäft bildet die Windkraft auf festem Boden, aber auch Offs-shore". Dabei entwickelt, finanziert und betreibt Plambeck Windparkprojekte und ergänzt diese Leistungen durch die kaufmännische und technische Betriebsführung. Das operative Geschäft untergliedert sich in die Segmente Windenergie, Projektierung von Rotorblättern und Stromerzeugung.
Obwohl die Zahlen in der jüngeren Vergangenheit nicht enttäuschten und es vor allem keine Revision von Zahlen gab, kommt die Aktie immer stärker unter Druck. Dies liegt meiner Meinung nach vor allem am Segment Finanzierung von Projekten", welches sich derzeit als sehr schleppend erweisen sollte. Da können die Aussichten für Windenergie noch so gut sein und die Probleme im Bereich Off-shore" so gut wie gelöst. Projektfinanzierung - und Realisierung ist auch in normalen" Zeiten ein zyklisches Geschäft. Da genügt schon ein Käuferstreik in der Aktie, um diese als fragwürdig erscheinen zu lassen. An diesem Punkte scheint mir Plambeck nun leider angekommen zu sein, denn der Chart verheißt nichts Gutes. Ansatzpunkt für die Bären wird hier die geringe Eigenkapitalquote von derzeit etwa 25 Prozent sein. In schweren Zeiten sollte auch ein Charttechniker einen Blick auf die Eigenkapitalquote riskieren. Beträgt diese bei kleinen Firmen weniger als 50 % ,sollte man sehr gute Gründe für ein Engagement haben.
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