Nebenwerte finden: Weitere Kriterien
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 27. Oktober 2011, 17:00 Uhr
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Wie versprochen setze ich heute die Serie "Nebenwerte finden" weiter fort.
Im letzten Artikel vor 7 Tagen begann ich damit, ein paar grundsätzliche Aspekte zum Thema Suchmuster auszuführen. Hierbei ging es zunächst einmal darum, sich zu überlegen, wie Sie einem Aktienscanner überhaupt erklären können, welche Werte er suchen soll und welche (Nicht-Nebenwerte) er zu ignorieren hat.
Hierauf möchte ich heute weiter aufbauen und den ein oder anderen neuen Gedanken mit Ihnen teilen.
Nebenwerte gibt es viele, doch welche Qualitäten muss ein guter Nebenwert haben?
Genau dies ist die alles entscheidende Frage. Wenn wir wissen, welche Qualitäten ein guter Nebenwert hat, dann wissen wir auch, nach was wir mittels der entsprechenden Scanner überhaupt suchen müssen.
Nun ist der Begriff "gut" natürlich keineswegs 100% objektiv und jeder Anleger mag darunter etwas anderes verstehen. Dennoch gibt es eine Reihe von Kennzahlen, die durchaus für nahezu alle Anleger ihre Berechtigung haben.
Ich möchte mit einer wichtigen fundamentalen Kennzahl beginnen, dem sog. ROE, dem Return on Equity. Anschließend stelle ich Ihnen noch das sog. Beta vor.
Effizienz mit messen mit dem "Return on Equity" (ROE)
Der ROE ist eine der besten Möglichkeiten, die Profitabilität eines Unternehmens schnell zu beurteilen. Um genauer zu sein, er zeigt Ihnen, wie viel Profit die entsprechende Firma mit dem Geld, welches die Anleger in sie investierten, erwirtschaftet. Doch sehen wir uns zunächst einmal an, wie der ROE berechnet wird:
Sie können den ROE berechnen, indem Sie das Nettoeinkommen durch den Anteil des Aktionärs dividieren. Je höher diese Zahl ausfällt, desto effektiver ist eine Firma darin, ihre Vermögenspositionen und ihre Mitarbeiter in Gewinne für Investoren zu verwandeln.
Ein Beispiel:
Zwischen 1998 und 2003 setzte Dell Computer eine sehr effiziente Direktverkaufsstrategie ein, welche hohe Profitmargen mit sich brachte. Dies führte zu starken Zuwächsen im Einnahmenbereich und einem zweistellen ROE von 46%. Während der gleichen Zeit stiegen die Aktien von Dell um 91.95%.
Am ROE können Sie auch sehr gut erkennen, wie das Management gerade läuft. Fällt der ROE plötzlich sehr stark, sollten Sie genau überprüfen, was die Ursache hierfür ist. Veränderungen im ROE lassen sich also auch erfolgreich als Alarmzeichen nutzen!
Idealerweise möchten Sie als Investor einen beständig steigenden ROE sehen.
Auf einen Screener übertragen bedeutet das, dass Sie in Ihr Suchmuster als fundamentalen Indikator etwa integrieren könnten, dass Sie für einen festgelegten Vergangenheitszeitraum bis zum heutigen Tage einen steigenden ROE sehen möchten (in wie weit Sie dies einstellen können oder nur den aktuellen ROE als Kriterium nutzen können, hängt natürlich auch von der Qualität und Komplexität des von Ihnen verwendeten Screeners ab. Fortgeschrittenere und höherwertige Screener, die zwar kostenpflichtig sind, bieten derartige Funktionen jedoch durchaus an).
Das Beta einer Aktie
Unter dem Beta einer Aktie versteht man die Volatilität dieser Aktie gegenüber dem breiten Markt. Dies funktioniert wie folgt:
Es ist definiert, dass der Markt (also z.B. der S&P 500 Index im Falle der USA) ein Beta von 1 und Cash ein Beta von 0 hat. Gegen diese "Anker-Werte" wird nun die Volatilität einer einzelnen Aktie gemessen.
Hat also eine Aktie ein Beta von größer als 1, so können Sie davon ausgehen, dass diese volatiler als der vergleichbare Marktindex ist. Analog dazu gilt für Aktien mit einem Beta kleiner als 1, dass diese weniger volatil als der zugehörigen Marktindex sind.
Je kleiner das Beta einer Aktie ist, desto näher kommt ein Investment in diese Aktie einem Investment in Cash von der Volatilität her betrachtet (nicht automatisch vom Risiko!) gleich.
Dennoch kann dieser recht nützlich sein und gehört auch zu den Standard-Kennzahlen die ich mir von jeder Aktie vor derem Kauf bzw. Verkauf ansehe.
Wenn Sie in Ihrem Screener Grenzwerte für das Beta setzen, verhindern Sie einerseits, dass Sie Werte ausfiltern, die möglicherweise nicht "spannend" genug sind, da sie sich kaum bewegen. Andererseits können Sie damit zu unkontrollierte Werte ebenfalls ausfiltern.
Ich nutze bei meinen Screens meist zwei Kriterien:
- Beta größer als mindestens 1.2
- Beta kleiner als 2.5
Letztlich sind diese Kriterien jedoch kein Muss und hängen selbstverständlich auch von Ihrer Mentalität als Anleger ab.
Nächste Woche werde ich Ihnen weitere Kriterien vorstellen.
Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend und weiterhin viel Erfolg an den Märkten.
Herzliche Grüße,
Klaus Buhl
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