Nebenwerte bleiben auf der Überholspur
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 25. Oktober 2010, 17:00 Uhr
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trotz und wegen aller Bedenken und pessimistischer Kommentare der Analysten, verteidigte der DAX in der vergangenen Woche sein neues Jahreshoch und bestätigte dadurch dessen Relevanz. Mit dem Wochenschluss oberhalb der kritischen Widerstände steigt die Chance, dass sich diese nun zu einem tragfähigen Unterstützungsniveau entwickelt. Die interessanteste Beobachtung der vergangenen Tage bleibt für mich der intakte Trend der deutschen Nebenwerte gemessen am SDAX. Leider geht in der derzeitigen Berichterstattung der Medien fast vollständig unter, dass der SDAX seinen großen Bruder ganz lässig outperformed und bereits Anfang September bei etwa 4.200 Punkten ein neues Jahreshoch markiert hat.
Meiner Meinung nach ist dies kein Zufall und weder mit dem vorherigen Absturz des SDAX während der Krise zu erklären, noch mit Börsensymmetrie oder den angeblich treffsicheren Fibonacci-Retracements. Der wahre Grund der Renaissance der Nebenwerte ist deren hohe Innovationskraft, Flexibilität und die Fähigkeit, sich neue Märke zu erschließen. Die globale Vernetzung vieler Mittelständler und deren hohe Exportquote in die Wachstumsländer, die in der Presse nach wie vor noch völlig zu Unrecht als Schwellenländer bezeichnet werden, ist speziell vor dem Kontext der abklingenden Wirtschaftskrise ein wahrer Segen. Während viele große Unternehmen noch über den Power-Point Präsentationen ihrer Berater grübeln, haben pfiffige Vorstände vieler kleiner Firmen schon ihre Claims in Asien, Südamerika oder der Türkei abgesteckt.
Ifo Index bestraft abermals die Pessimisten
Die starke Dynamik der Wirtschaftserholung in Deutschland, im Gegensatz z.B. zu den eher auf den Binnenmarkt orientierten USA, zeigte sich erst vergangenen Freitag wieder im Ifo-Index. Das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft hat sich nämlich entgegen den Erwartungen weiter aufgehellt. Das ifo Institut für Wirtschaftsforschung meldete am Freitag, dass der Geschäftsklimaindex auf 107,6 Punkte angestiegen sei, nach einem Wert von 106,8 im Vormonat September. Im Gegensatz zu der gemeldeten Steigerung hatten die vorab befragten Volkswirte sogar einen Rückgang. Übrigens waren die Schätzungen bereits im Vormonat zu vorsichtig. Die Aufhelllung im Index betraf nicht nur die gegenwärtige Lage, sondern auch die Beurteilung der Zukunft.
Verrat am Euro?
Leider haben sich in den vergangenen Tagen Dinge nicht nur zum Positiven entwickelt, sondern auch zum Negativen. Sehr kritisch sehe ich z.B. die Entwicklung am Devisenmarkt, über den ich hier kürzlich bereits aus einer anderen Perspektive berichtet habe. Speziell für kleine Firmen, über die ich hier vor allem berichte, sind turbulente Veränderungen der Wechselkurse eine ernste Bedrohung, die über Exporterfolge und Misserfolge entscheiden können. In den vergangenen Wochen waren es eher Regierungen und Notenbanken, die im Verdacht standen, einen Währungsstreit respektive Abwertungswettlauf zu initiieren. Jetzt aber überschlagen sich die deutsche und die französische Regierung darin, auch den Euro zu schwächen. Hatten die Franzosen mehrheitlich aus traditionellen Gründen kein besonderes Interesse an einer starken Währung, ist es doch ein starkes Stück, wie unsere Kanzlerin Merkel erneut umgefallen ist und der Euro-Stabilitätspakt weiter aufgeweicht wird. Kaum sind die Eurobeben und die Griechenlandkrise aus dem Frühjahr etwas in Vergessenheit geraten, bemühen sich unsere Politiker tatkräftig, die kommenden Währungskrisen vorzubereiten. Konkret geht es um die automatische Bestrafung von Defizitsündern innerhalb der Währungsunion. Diese Sanktionen wurden vergangene Woche klammheimlich und im Vorfeld des in wenigen Tagen stattfindenden EU-Gipfels gegen das deutsche Wohlwollen bei anderen Vertragsänderungen eiskalt eingetauscht. Dadurch wird der Stabilitätspakt, der ohne gemeinsame Finanz- und Währungspolitik ohnehin schon bedenklich ist, vollends zum Bettvorleger.
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